Bonn/Berlin/Greifswald Gaskrise: Turbine für Nord Stream 1 wohl unterwegs nach Russland
Die Gasturbine, die für Streit in der Gaskrise gesorgt hatte, ist wohl auf dem Weg nach Russland. In Berlin rechnet man jedoch nicht mit einer Besserung der Lage. Die wichtigsten Nachrichten und Grafiken zur Gas-Krise.
Die Bundesregierung befürchtet regionale Gasnotlagen im Winter, wenn es zu einem Embargo für russisches Gas kommt. Das soll aus einer Schaltkonferenz des Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder hervorgegangen sein. Die Ostseepipeline Nord Stream 1 wird weiter gewartet, weshalb fast kein Gas aus Russland nach Deutschland fließt. Laut Plan sollen die Arbeiten am 21. Juli beendet sein.
Die Gasspeicher sind ein bisschen voller als zuletzt: „Derzeit wird eingespeichert“, teilt die Bundesnetzagentur mit. Allerdings steigt der Füllstand nur im Promillebereich. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist das Ziel von 90 Prozent bis zum Winter nicht zu erreichen.
Dennoch gebe es trotz weiterhin angespannter Lage aktuell keinen Gasmangel: „Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.“
Die Gasflüsse durch Pipelines aus Russland tendieren aktuell weiter gegen Null. „Alternative Transportrouten wie die Yamal Pipeline oder auch die Ukraine Route stehen zwar zur Verfügung, werden allerdings nicht genutzt, um die auf der Nord Stream 1 wegfallenden Mengen zu kompensieren“, berichtet die Bundesnetzagentur. Immerhin soll die bayerische Übergabestation in Waidhaus heute wieder den Betrieb aufnehmen. Gasimporte kommen momentan vor allem aus Norwegen und den Niederlanden. Die Einfuhren haben wieder ein wenig abgenommen.
Der Streit um die Turbinenlieferung geht weiter. Gazprom hatte im Juni die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 um 60 Prozent gedrosselt. Grund sei angeblich ein kaputtes Bauteil, das wegen der Sanktionen nicht geliefert werden könne. Ein Sprecher des Kreml hatte die Wiederinbetriebnahme nach der laufenden Wartung indirekt an die Lieferung der Turbine geknüpft. Nun ist die Turbine wohl unterwegs, wie russische Medien berichteten.
Die Bundesregierung gab zu Protokoll, man habe Russland den „Vorwand“ zur Abstellung der Pipeline nehmen wollen. Die Sorgen, dass Nord Stream 1 nach dem Ende der Wartungsarbeiten am 21. Juli nicht mehr in Betrieb genommen wird, haben sich, trotz Turbinenlieferung, nicht zerschlagen.
Bis jetzt scheinen alle Aufrufe zum Gassparen kaum etwas gebracht zu haben. Der Gasverbrauch in Deutschland lag im vergangenen Monat nicht bedeutsam unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit.
Der Gaspreis ist niedriger als erwartet. „Es hat in dieser Woche keinen signifikanten Preissprung mehr gegeben, obwohl Nord Stream 1 abgeschaltet wurde“, sagte Bundesnetagenturchef Klaus Müller der „Bild am Sonntag“. Zuvor hatte er vor dramatischen Preissteigerungen gewarnt. Über das Wochenende ist der Preis auf dem „Day-Ahead-Markt“, also für kurzfristige Lieferungen, sogar gesunken. 153,61 Euro kostet die Megawattstunde dort laut Bundesnetzagentur.
Bundesregierung befürchtet im Winter Notlagen bei der Gasversorgung: Die Lage am Gasmarkt ist angespannt. Auf Verbraucher kommen hohe Preiserhöhungen zu. Die Bundesregierung spricht laut Berichten nun von Versorgungsnotlagen im kommenden Winter.
Warum es für alle wichtig ist, jetzt Vorauszahlungen zu erhöhen: Haben die Gaspreise einen Zenit erreicht? Schön wäre es für die Verbraucher, von denen viele schon jetzt am finanziellen Limit sind. Sicher ist das aber nicht. Jeder muss sich für höhere Zahlungen wappnen.
Chef von Agrarhändler rechnet mit Lebensmittelknappheit: Klaus Josef Lutz, der Chef von Deutschlands größtem Agrarhändler Baywa rechnet mit knappen Lebensmitteln. Der Grund: Wegen fehlenden Gaslieferungen gibt es keinen Dünger.