Sylt „Wer hat, der gibt“: So lief die Linken-Demo auf Sylt mit rund 400 Teilnehmern ab
„Sylt entern“ lautete das Motto für etwa 400 Demonstrierende am Samstag: Sie nahmen an einem Marsch auf der Insel teil, um ein Zeichen gegen den „Wohlstandstourismus“ zu setzen.
Während die erste angemeldete Demonstration auf Sylt seit Einführung des 9-Euro-Tickets vor zwei Wochen noch mangels Teilnehmern ins Wasser fiel, kamen am Sonnabend Hunderte Teilnehmer aus Norddeutschland und dem übrigen Bundesgebiet unter dem Motto „Sylt entern – Klassenfahrt zu den Reichen“ auf die Insel, um gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland zu protestieren.
Die Demonstration in Richtung Kampen lief weitgehend friedlich ab: Aus polizeilicher Sicht habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, wie die Pressestelle in Flensburg in einem ersten Fazit gegen 18 Uhr am frühen Abend mitteilte. Zur ersten Versammlung am Rathausplatz zum Thema „Wer hat der gibt! Reichtum umverteilen“ trafen gegen 13 Uhr noch vergleichsweise wenig Teilnehmer in kleinen Gruppen ein. Diese begaben sich zunächst zur zweiten Versammlung zum Bahnhof und schlossen sich dem Aufzug nach Kampen unter dem Motto „Sylt Entern! Make The Rich Pay“ an.
„Das Thema der Umverteilung ist wichtig. Das kann so nicht bleiben“, erklärte Max aus Hamburg gegenüber shz.de seine Motivation für die Teilnahme an der Demonstration. Rosalie aus Nordfriesland ist da weniger politisch unterwegs: „Ich finde es per se schon spannend, dass man stört, ohne etwas machen zu müssen.“
Ähnlich äußert sich auch Sophie Zechner, eine der Sprecherinnen des veranstaltenden Aktionsbündnisses „Wer hat, der gibt“. Einerseits sei Sylt zwar ein Symbol dafür, wie sich die Reichen in ihre Blase zurückziehen würden, andererseits erklärte sie aber auch:
Damit spielt sie unter anderem auf eine Wortmeldung von Bürgermeister Nikolas Häckel an, der in den sozialen Medien bezweifelt hatte, dass Sylt der richtige Ort für die Demonstration sei. Davon ließen sich die Teilnehmer aber nicht von ihrer Idee abbringen, zu Fuß vom Westerländer Bahnhof bis nach Kampen zu marschieren.
Gegen 14.40 Uhr habe die Polizei den Demo-Zug kurz stoppen müssen, da Teilnehmer des Marsches Rauchtopfe gezündet haben – trotz des im Vorfeld ausgesprochenen Verbots, auf das die Polizei erneut hinwies. Die Rednerin auf dem „Lauti“, wie der Demonstrationswagen von einigen genannt wurde, forderte Verständnis für das Zündel-Verbot ein: „Hier gibt es viel Natur und auch Reetdachhäuser. Nicht mal die Sylter selbst dürfen an Silvester böllern, also lassen wir das bitte auch.“
Gegen 16 Uhr erreichten die Demonstranten ihren Zielort Kampen, ohne weitere Vorkommnisse, wie die Polizei vermeldete. Auf dem Parkplatz neben dem Hermès-Store fand schließlich die Abschlusskundgebung mit kurzen Wortmeldungen und Musik statt. Ausruhen war angesagt: Der Marsch schien einige Demo-Teilnehmer erschöpft zu haben. Um 17 Uhr wurde die Versammlung aufgelöst. Die Demo-Teilnehmer machten sich im Anschluss auf den Weg nach Westerland, wo bereits die ersten Punk-Musiker warteten, die für am Abend geplante Konzerte ebenfalls nach Sylt gereist sind.
Die Punkbands „Raest“, „Enemigxs del Enemigo“ und „Mülheim Asozial“ heizten die Menge auf dem Rathausplatz ordentlich an. Während vor der Bühne ein sogenannter „Moshpit“ entstand, in dem sich Feierwütige gegenseitig hin und her schubsten, standen am Rand der Menge auch Einheimische sowie Touristen und lauschten den harten Gitarren- und Schlagzeug-Klänge. Bis 20 Uhr wurde gegrölt, getanzt und das eine oder andere Dosenbier in die Luft geworfen. Bis auf eine kurze Auseinandersetzung in der tanzenden Menge, bei der ein Faustschlag fiel, blieben die Konzerte friedlich. Die Polizei musste nicht eingreifen.
Bündnissprecherin Sophie Zechner zeigte sich am Ende des Tages zufrieden: „Wir hätten nicht mit so vielen Leuten gerechnet, da waren wir positiv überrascht.“ Die Demonstration sei ohne große Zwischenfälle verlaufen, die Sylter hätten keineswegs abweisend auf die Demonstranten reagiert, so Zechner. „Das Konzert war dann ein krönender Abschluss, alle hatten Spaß zusammen.“ Besonders habe sie sich über die lockere und freundliche Stimmung auf den Veranstaltungen in Westerland und Kampen gefreut: „Natürlich sind wir in erster Linie darauf aus, unsere Themen friedlich an die Leute bringen zu können.“
Während die Veranstalter erklärten, dass rund 700 Demonstranten die rund sechs Kilometer lange Strecke von Westerland nach Kampen auf sich genommen hätten, sprach die Polizei von rund 400 Teilnehmern. Die Polizei war anlässlich der Demo auf Sylt mit einem großen Aufgebot vor Ort. Neben Beamtinnen und Beamten des Polizeireviers Sylt waren weitere Kräfte der Landespolizei Schleswig-Holstein eingesetzt.
Die Anreise der Demo-Teilnehmer mit der Bahn sei störungsfrei verlaufen, teilte die Polizeidirektion Flensburg mit. Die Bundespolizei war demnach mit Einsatzkräften an den Bahnhöfen Westerland und Niebüll präsent. Und auch das Ende der Veranstaltung am Abend in Westerland lief weitgehend friedlich ab.
Lediglich ein Mann wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen – nackt und alkoholisiert, wie die Polizeidirektion Flensburg in einem abschließenden Statement informierte. Polizeikräfte mussten daraufhin einige aufgebrachte Personen beruhigen, die mit der Maßnahme offenkundig nicht einverstanden waren. Die kurzzeitig angespannte Situation habe sich nach Angaben der Polizei jedoch schnell beruhigt. Offiziell löste sich die Demo gegen 20.15 Uhr auf.