Bramsche Entspannter Sommerabend mit ernsten Zwischentönen in Bramsche
Ein Fest der Begegnung ist der „Sup(p)kulturabend“ ím Garten von Joachim Cierpka, Superintendent des Kirchenkreises Bramsche, gewesen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Suppkultur“ traten Musiker aus der Ukraine auf, die derzeit an verschiedenen Orten in Niedersachsen wohnen.
Die Zuschauer sahen und hörten an diesem etwas frischen Sommerabend hochtalentierte und professionelle Künstler, die es genossen auf einer kleinen Bühne zu stehen und die sich des Kriegs in ihrem Heimatland mehr als bewusst waren.
A very warm welcome“ richtete Superintendent Cierpka an die insgesamt vier Musiker des Netzwerks „Musikland Niedersachsen“. Das „Musikland Niedersachsen“ ist eine Kontakt- und Anlaufstelle für Profi- und Laienmusiker aus dem ganzen Bundesland. Speziell für ukrainische Musiker ist aktuell Elena Bour die Ansprechpartnerin, zu der Eva Gronemann, Kirchenmusikerin an St. Martin Bramsche und Kirchenkreiskantorin, Kontakt für den Sup(p)kulturabend aufnahm. Die Künstler sind untereinander in Chatgruppen organisiert, informiert die Ukrainerin Bour am Rande des Konzerts. Als aus Bramsche die Anfrage für ein Akustik-Konzert mit Openair-Atmosphäre kam, habe sie als Organisatorin verschiedene Musiker angefragt, die am Freitag dann mit dem Zug nach Bramsche reisten. Einige kannten sich vorher gar nicht oder standen noch nicht gemeinsam auf einer Bühne.
Davon merkten die Besucher im Garten des Superintendenten aber kaum etwas. Den Auftakt machte die Sängerin und Pianistin Angelina Dolzkhova mit ihrer Schwester Anastasia. Beide stammen aus dem Osten der Ukaine. Mit unglaublich klaren und unaufgeregten Stimmen sangen beide gemeinsam ein Duett in ihrer Muttersprache. Weitere Lieder sang Angelina auf Englisch, während sie sich alleine auf dem roten Bramscher Klaviermobil begleitete. Unterstützung bekamen die beiden Schwestern von der Querflötistin Kseniya Konoval mit dem Lied „This is my prayer for you“. Trotz des Kriegs in der Ukraine wirken die Songs optimistisch und hoffnungsvoll, die Darbietungen locker und entspannt.
Als die 22-jährige Sängerin Milana Yusupova aus Kiew gemeinsam mit dem Pianisten Vladimir Prikhojai eine sehr unterhaltsame Version von Nat King Coles Jazz-Klassiker „Love“ darbot, konnten die Zuschauer die Atmosphäre des Konzerts sichtlich genießen. Textpassagen wie „Love was made for me and you“ verbreiteten eine gute Stimmung.
Das musikalische Niveau der ukrainischen Künstler beeindruckte auch bei den reinen Instrumental-Aufführungen. Der Pianist Prikhojai erklärte vor seinem Auftritt auf Englisch, dass er als Musiker und Komponist arbeite. Aus dem roten Bramscher Klavier holte er anschließend mit einer Jazz-Nummer alles raus, indem er auch komplizierte Rhythmen spielte. Ein Höhepunkt des Abends war der Auftritt der Querflötistin Konoval, die zeigte, dass sie als Profimusikerin ihr Instrument, moderne Atem- und Ansatztechniken, schnelle Läufe und genauso langsame Passagen beherrscht.
„Ich bin ein Mensch, der das Leben mit seinen Freunden und seiner Familie genießt“, richtete Sängerin Milana zum Abschluss des Konzerts an das Bramscher Publikum. „Aber der Krieg in der Ukraine ist noch nicht vorbei“, wurde sie wieder ernst und sang auf Ukrainisch ein Lied, bei dem das Wort „Molytwa“ , das auf Deutsch „Gebet“ bedeutet, herausstach. Zum Abschluss sang die Gastmusikerin Maria, eine junge Ukrainerin, die erst an dem Abend spontan zu der Gruppe stieß, den ukrainischen Folklore-Song „Calina“, bei dem die anwesenden ukrainischen Gäste miteinstimmten.
„Heute Abend wurde deutlich, dass uns mehr verbindet als uns voneinander trennt“, dankte Superintendent Cierpka den Musikern und ihrer Organisatorin Bour vom Musikland Niedersachsen. Der musikalische Teil des Abends endete mit viel Applaus und einem melancholischen Klavier-Solo von Prikhojai, der die Ballade „Yesterday“ von den Beatles darbot. Anschließend tauschten sich Zuschauer und Gäste noch, wie es sich für einen Sup(p)kultur-Abend gehört, bei einer Suppe aus, die der Mediendienst der evangelischen Jugend Bramsche servierte.
Weitere Infos zum Netzwerk Musikland Niedersachsen gibt es im Internet unter www.musikland-niedersachsen.de.