Steigende Energiekosten  Alternativen zur Gasheizung sind ein Problem

Neelke Harms
|
Von Neelke Harms
| 16.07.2022 17:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sascha Janssen, Mitarbeiter der Firma Schindler, bei der Installation einer Wärmepumpe. Foto: Romuald Banik
Sascha Janssen, Mitarbeiter der Firma Schindler, bei der Installation einer Wärmepumpe. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Die Nachfrage nach Wärmepumpen ist höher denn je. Doch nicht nur Lieferengpässe machen in Aurich den Umstieg momentan schwer.

Aurich – Lange Lieferzeiten, hohe Auflagen und Personalmangel – Alternativen zu Gasheizungen zu installieren, ist momentan ein großes Problem für Sanitär- und Heizungsmonteure im Landkreis Aurich. Und das, obwohl die Nachfrage höher denn je ist.

In den meisten Fällen ist eine Umrüstung gar nicht möglich. Denn egal ob Wärmepumpe, Pelletheizung oder Holzofen – die gassparenden Varianten brauchen viel Platz, sagt Harald Detmers. Er ist Geschäftsführer der Haustechnikfirma Von Vett aus Aurich. Zum Beispiel in Doppelhaushälften mit kleinen Heizungsräumen gebe es den nicht. Außerdem müsse es für den Betrieb einer Wärmepumpe möglichst viele Heizflächen geben. Eine Wand- oder Fußbodenheizung ist somit optimal für die Umrüstung.

Bis zu zehn Wochen Lieferzeit

Hinzu kommt laut Detmers: „Wir können das alles gar nicht mehr bewältigen.“ So schnell wie er die Aufträge hereinbekomme, könne er keine Angebote schreiben. Außerdem sei die Installation einer solchen Anlage wesentlich aufwendiger als die einer Gasheizung. Es müsse immer auch ein Elektriker vor Ort sein, so Detmers. Egal ob Umrüstung oder Installation im Neubau – mit Kosten in Höhe von rund 25.000 Euro müssten Kunden rechnen, die eine Wärmepumpen haben möchten. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine seien die Preise gestiegen, um wie viel, kann Detmers nicht genau sagen.

Für Neubauten seien die Alternativen schon seit etwa zwei Jahren attraktiv, mittlerweile würden nahezu gar keine Gasheizungen mehr verbaut. Doch im Moment muss, wer eine Wärmepumpe haben will, mit langer Wartezeit rechnen. Und das nicht nur wegen der vielbeschäftigten Monteure. Bis zu zehn Wochen dauere es mittlerweile, bis alle Teile für eine Wärmepumpe geliefert seien. Früher hätte es nur einen Anruf beim Händler gebraucht und die Wärmepumpe sei am nächsten Tag geliefert worden, so Detmers.

Alternativen können teurer werden als Gasheizungen

Auch in der Firma Schindler aus Münkeboe kann man sich momentan vor Aufträgen kaum retten. Zwei bis drei Anlagen würden sie pro Woche installieren, sagt Geschäftsführer Matthias Schindler. „Alle wollen weg vom Gas. Aber was in den letzten 20 Jahren verbockt wurde, kann man nicht in einem aufholen. Wir können nicht mehr als arbeiten.“ Die Lieferschwierigkeiten würden alle Bereiche betreffen, sagt er. Genau so sei es mit den Kosten. Selbst für Holz aus Deutschland stiegen die Transportkosten bereits.

Bei einer Umrüstung auf eine Wärmepumpe muss man eines laut Schindler unbedingt beachten: Der Betrieb verbraucht sehr viel Strom. Bei den derzeitigen Strompreisen könne die Alternative am Ende teurer als die Gasheizung werden. Er empfiehlt den Kunden, sich von einem Energieberater Informationen einzuholen, bevor die Entscheidung fällt. Schließlich würden solche Umrüstungen teilweise mit 50 bis 60 Prozent bezuschusst. Um die Kunden darüber aufzuklären, gibt es in Schindlers Betrieb Infoveranstaltungen zu diesem Thema. Die Nächste ist im Herbst geplant.

Energieberater können helfen

Detlef Tunder vom gleichnamigen Sanitär und Heizungsbetrieb aus Großefehn bekommt wegen der steigenden Gaspreise sehr viele Anrufe von verunsicherten Kunden, die nicht wissen, was nun die beste Lösung ist. Um überhaupt ein Angebot für eine Wärmepumpe machen zu können, müsse er das ganze Haus aufnehmen, sagt der Geschäftsführer. Es muss überprüft werden, ob es für die Umrüstung geeignet ist und was zu tun ist. Allein das dauere eineinhalb Tage. Die Zeit und Kosten könne man sich ersparen, indem man vorher einen Energieberater beauftragt.

Tunder ist Vorstandsmitglied der Innung für Sanitär-und Heizungstechnik Aurich-Norden. Auch auf der Jahreshauptversammlung, die vor Kurzem stattgefunden habe, seien Wärmepumpen ein großes Thema gewesen, sagt er. Denn bis 2030 sollen bundesweit sechs Millionen Haushalte von Gasheizungen auf Wärmepumpen umgestellt werden. Das ist laut Tunder nur schwer zu leisten. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 100.000 installiert worden. Er denkt, dass die Hersteller mit der Produktion nicht so schnell hinterherkommen werden, dass man das um ein Vielfaches erhöhen kann, zumal es auch nun schon bei etlichen Teilen Lieferschwierigkeiten gibt.

Ähnliche Artikel