Berlin Nach Verbot von „Layla“: So reagiert die deutsche Musikszene
Weil der Songtext sexistisch sei, haben das Kiliani-Volksfest in Würzburg und die Kirmes in Düsseldorf den Partyhit „Layla“ von DJ Robin und Schürze verbannt. Von den Ballermann-Kollegen erhalten die Musiker volle Rückendeckung, aus der Rapszene gibt es sowohl solidarische als auch mahnende Worte.
Der Skandal-Rapper Gzuz (bürgerlich: Kristoffer Jonas Klauß) befindet sich momentan auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca. Dort heiratete der 34-Jährige vor wenigen Tagen zum zweiten Mal seine Frau Lisa. Nach Angaben von „t-online“ lief auf der späteren Feier unter anderem der Partysong „Layla“ von DJ Robin und Schürze.
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Vermutlich auch deswegen beschäftigen den Rapper die Diskussionen um den Song, der momentan auf Platz 1 der deutschen Singlecharts steht. Viele Menschen sind der Meinung, der Text des Liedes sei sexistisch. Das Kiliani-Volksfest in Würzburg und die Kirmes in Düsseldorf haben den Song bereits von ihrer Veranstaltung verbannt.
Im Liedtext heißt es unter anderem: „Ich hab‘ ‚nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler (...) Die schöne Layla, die geile Layla. Das Luder Layla, unsre Layla (...).“
„Da wird einfach dieser Layla-Song auf der Kirmes in Düsseldorf verboten. Das ist ja Diskriminierung im Kleinen. Was ist denn in zwei Jahren, darf ich dann nicht mehr rappen?“, fragt sich Gzuz in einer Story auf seinem Instagram-Account. Nach Ansicht des Rappers habe darüber hinaus noch nie jemand so gut über eine Puffmutter gesprochen.
Dass der Song sich auf Platz 1 der Singlecharts befindet, zeige doch, dass der Song beliebt wäre und die Leute ihn hören wollen. „Was ist denn daran so schlimm? Ich verstehe es wirklich nicht und das ist kein guter Weg, den wir da einschlagen“, so Gzuz.
Anders sieht das die Rapperin Sookee, die sich im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) zu dem umstrittenen Song äußerte. Darin befürwortet sie ein Verbot des Songs. „Wie wenig Anspruch hat eine Gesellschaft an sich selber, dass sie die Kunstfreiheit bemühen will, als hohes Gut, um so einen Song zu rechtfertigen und zu schützen?“ Für sie sei „Layla“ nichts anderes als „Fleischbeschau“.
Das Lied sei diskriminierend, weil es darin um Sexarbeiterinnen gehe, die in der Gesellschaft sowieso schon keinen guten Stand hätten, erklärte die Rapperin. „Es ist ja kein Lied über eine Zahnarzthelferin.“ Es gehe darum, dass „an dieser Stelle gesellschaftlich nach unten getreten wird“.
Solidarisch mit DJ Robin und Schürze zeigen sich dagegen zahlreiche Kollegen von der mallorquinischen Partymeile Ballermann. Ikke Hüftgold, selber auf den Bühnen des Bierkönigs und Mega Parks bekannt, produzierte den Song „Layla“ und reagiert nun zynisch auf die Kritik.
„Ich hoffe, das Außenministerium um Frau Baerbock schalten sich auch noch ein. Denn es sieht so aus, als würde ,Layla‘ international Thema sein – eine weltweite Debatte“, erklärte er gegenüber der „Bild“. „Wir sind für jeden Staatsempfang bereit, auch gern bei Herrn Biden.“
Deutlich ernstere Töne schlug er dagegen auf seinem Instagram-Account an. Dort startete Ikke Hüftgold eine Petition, da er um die Kunstfreiheit fürchte und sich gegen Diskriminierung sowie Ausgrenzung von Kultur stark machen wolle.
Mickie Krause sieht in dem Verbot dagegen eine profitable Chance. „Alles, was verboten wird, wird ja irgendwann interessant.“ Dabei verweist er auf seinen Song „Zehn nackte Frisösen“ aus dem Jahr 1999. Durch eine Klage der Friseur-Innung Hamburg sei das Lied erst richtig bekannt geworden und um 20 Plätze in den Charts gestiegen.
„Auch wenn die Frisösen vielleicht ein Ausrutscher waren, aber das passte damals in die Zeit“, so Krause. „Aber ich finde die Vorgehensweise bei ,Layla‘ ein bisschen überzogen. Wir sind weit von dem entfernt, Rapper raushauen, da sind wir Waisenknaben dagegen!“
Rückendeckung bekommen die Protagonisten von „Layla“ auch von Ballermann-Kollege Tobee. „Die Frage ist, ob das überhaupt rechtlich haltbar ist, nur weil einem das Lied nicht passt. 33 Millionen Mal wurde das Lied bei Spotify geklickt“, sagte der Musiker bei „Bild“. „Das ist das, was Deutschland hört, und wenn dann jemand vom Rathaus eingreift, muss man sich fragen, ob es ein Eingriff in das freie Entfaltungsrecht der künstlerischen Tätigkeiten ist.“
Unterdessen hat sich der Radiosender „Schlager Radio“ dazu entschieden, den Song „Layla“ von DJ Robin und Schürze nur noch nachts zu spielen. Der Sender-Chef Oliver Dunk erklärte gegenüber der „Bild“: „Seit Wochen erhalten wir überdurchschnittlich viele Anrufe und E-Mails von Hörern zu diesem Song. Sie setzen sich dafür ein, dass wir den nicht spielen. Vulgär-Worte wie Puff, Luder und geiler werden als sexistisch und abstoßend empfunden. Das bestätigt auch unsere Marktforschung, die wir ständig aktuell halten.“
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Es habe jedoch Diskussionen im Vorfeld gegeben, da sich einige Mitarbeiter dafür ausgesprochen hätten, die aktuelle Nummer 1 der deutschen Singlecharts auch im Radio zu spielen.