Hamburg  Elbtower: Hamburgs Wolkenkratzer wird immer wahrscheinlicher

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 13.07.2022 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Foto: Markus Lorenz
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Es ist das letzte große Hamburg-Projekt von Olaf Scholz. Der Elbtower soll neues Wahrzeichen der Stadt werden. Kann der Investor das Vorhaben stemmen?

Der Bau des Elbtowers – dem ersten echten Wolkenkratzer in Hamburg – wird immer wahrscheinlicher. Nach eigenen Angaben hat Projektentwickler Signa die von der Stadt verlangte 30-Prozent-Marke bei Vorab-Vermietungen jetzt erreicht. „Die Vorvermietungsquote der Büroflächen liegt drei Jahre vor Fertigstellung bei über 30 Prozent“, teilte die Signa Real Estate des österreichischen Milliardärs René Benko am Mittwoch mit.

Zuvor hatte der Investor den Vertragsabschuss mit einem weiteren Mieter bekannt gemacht. Demnach wird der Versicherungsmakler Aon zwei Etagen (6300 Quadratmeter) im Elbtower beziehen. Weitere Mietverträge seien bereits unterschrieben und würden zeitnah bekannt gegeben, kündigte Signa an.

Bisher war bekannt, dass die Hamburg Commercial Bank (Ex-HSH Nordbank), die International Workplace Group (IWG) sowie die Hotelkette Nobu von Hollywood-Star Robert de Niro in das Megahochhaus einziehen werden.

Aus Angst vor einem Fiasko wie beim Bau der Elbphilharmonie hat die Hamburgische Bürgerschaft dem Investor strenge Auflagen gemacht. Das Landesparlament will sichergehen, dass Signa über genügend finanzielle Solidität verfügt, um das spektakuläre Vorhaben umzusetzen. Auch wenn der Elbtower ausschließlich privat bezahlt wird, geht in der Hansestadt die Befürchtung vor einer gigantischen Bauruine um, sollte Signa vor der Fertigstellung die Puste ausgehen.

Zu den Bedingungen gehört außer der Vorvermietung auch der Nachweis einer gesicherten Gesamtfinanzierung. Die Kosten für das Projekt hat das Unternehmen von Benko bislang auf 700 Millionen Euro taxiert. Beobachter erwarten hingegen Gesamtkosten von rund einer Milliarde.

Allein für das städtische Grundstück wird ein Kaufpreis von 122 Millionen Euro fällig. Ob Hamburg das 2,1 Hektar große Areal am östlichen Ende der Hafencity an Signa veräußert, entscheidet die Bürgerschaft nach Erfüllung aller Auflagen. Die Baugenehmigung für den Büroturm hatte die Stadtentwicklungsbehörde überraschend bereits im Frühjahr erteilt. Vorbereitende Maßnahmen auf dem Grundstück laufen schon seit dem vergangenen Jahr.

Der Elbtower an den Elbbrücken soll mit 245 Metern das dritthöchste Gebäude in Deutschland werden – übertroffen nur vom Commerzbank-Turm (259 Meter) und vom Messeturm (256,5 Meter, beide in Frankfurt/Main). Der Entwurf stammt vom Londoner Architekten David Chipperfield.

Die Pläne hatte der damalige Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Februar 2018 kurz vor seinem Wechsel nach Berlin final mit Signa abgesprochen und persönlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kritiker sprechen hämisch vom „Olaf-Scholz-Gedächtnisturm“. Einige befürchten Probleme bei Bau und Finanzierung. Andere halten den Wolkenkratzer wegen des immensen Verbrauchs an Beton und der entsprechenden CO2-Belastung für nicht mehr zeitgemäß.

Benkos Immobilienunternehmen will Ende dieses Jahres oder Anfang 2023 mit dem Bau beginnen. Ob sich der bisher genannte Fertigstellungstermin im Jahr 2025 halten lässt, ist offen.

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