Sylt  Bürgermeister vor linker Demo: „Sylt ist kein Reichen-Ghetto“

Nils Leifeld
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Von Nils Leifeld
| 13.07.2022 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Am Sonnabend (16.7.) haben linke Demonstranten vor, Sylt zu „entern“. Man wolle den Reichen die Ferien versauen, heißt es seitens der Veranstalter. Bürgermeister Häckel hat jetzt genug und sich auf Facebook den Frust von der Seele geschrieben.

Diesen Sonnabend, 16. Juli, soll Sylt „geentert“ werden. Das Bündnis „Wer hat, der gibt“ will „den Reichen auf die Pelle rücken und die Ferien versauen“. Auf der Seite der Veranstalter heißt es, man mache sich auf den Weg, „um dem Feriendomizil der Reichen, der teuersten Insel Deutschlands, einen Besuch abzustatten“. Drei Tage vor der Demo hat Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel ein emotionales Statement auf Facebook zur aktuellen Lage abgegeben. Der Titel: „Sylt ist kein Ghetto der Reichen.“

In dem Facebook-Beitrag, der am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr auf der öffentlichen Seite „Bürgermeister Nikolas Häckel“ veröffentlicht wurde, wehrt sich Häckel gegen das aus seiner Sicht schiefe Bild Sylts als Insel der Reichen und bezeichnet seine Heimat als „bunte Gesellschaft wie jede andere Stadt“. In seinem Post wählt Häckel ungewohnt scharfe Worte und wird teilweise sehr emotional.

So schreibt er, es sei ein „Schlag ins Gesicht“ für alle Sylterinnen und Sylter, wenn nur von den Reichen auf Sylt geredet und übersehen werde, wie viele von ihnen „Normalos“ seien, die sich „Tag für Tag durch den bundesweit üblichen Alltag kämpfen, ihre Familien durch harte Arbeit gut versorgen und ihnen eben nicht die gebratenen Tauben zufliegen oder der Kaviar kilogrammweise in den Mund fällt“.

Sylt, so Häckel, habe eine bunte Gesellschaft wie jede andere Stadt mit ihren Sorgen und Nöten und Menschen, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten. „Niemand sollte dies vergessen, die Medien sollten dies nicht ignorieren und Demonstranten sollten schauen, ob Sylt für ihre Parolen wirklich der richtig gewählte Ort ist.“

Seinen Beitrag schließt Häckel mit einer emotionalen Verneigung vor den Bewohnern seiner Insel ab. „Ich habe große Hochachtung vor den Sylterinnen und Syltern, die hier leben und Sylt liebens- und lebenswert gestalten – und das bei unseren großen Herausforderungen im Alltag.“

Die Reaktion im Netz auf Häckels Statement ließ nicht lange auf sich warten und war enorm. Bereits vier Stunden später hatten rund 300 Nutzer den Post mit „Daumen hoch“ markiert, rund 40 Nutzer hatten ihn kommentiert und fast 100 Nutzer hatten ihn geteilt. „Danke für diese klaren, wahren Worte“, kommentierte Peggy Bonzel. „Danke, genau so. Exakt formuliert“, schrieb Claudia Thomas. „So ist es. Wir sind zwar alle schön, aber nicht alle erfüllen das Klischee von Reich und Schön“, fasste es Susanne Thesing zusammen.

Die Sylt-Entern-Demo beginnt diesen Sonnabend, 16. Juli, um 13.30 Uhr am Bahnhof in Westerland. Später soll es einen Marsch nach Kampen und um 18 Uhr ein Konzert vor dem Rathaus geben.

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