Polizist auf der Insel Dackel Hubert geht auf Spiekeroog mit auf Streife
André Basold ist als Inselpolizist für die Aufklärung von etwa 180 Straftaten im Jahr verantwortlich. Die meisten passieren aber gar nicht auf der Insel.
Spiekeroog - André Basold schlendert mit seinem Dackel Hubert durch das Dorf. Wachsam gehen die Augen des Mannes von links nach rechts, scannen Familien mit kleinen Kindern und ältere Spaziergänger. Der Hund schnuppert unterdessen hier und da. Basold ist Polizist auf Spiekeroog und heute ist das Wetter gut für einen Ausflug auf seine Insel, die Tide ebenfalls. Zahlreiche Gäste haben den Tag genutzt, um mit der Fähre von Neuharlingersiel aus auf die autofreie Insel zu kommen. Andere genießen ihren Inselurlaub bereits in vollen Zügen. Die Sommerferien in Niedersachsen stehen vor der Tür, die in Nordrhein-Westfalen haben bereits begonnen.
Was und warum
Darum geht es: André Basold ist Polizist auf Spiekeroog. Seine Aufgaben dort unterscheiden sich oft von denen, die die Polizei an Land hat.
Vor allem interessant für: Spiekeroog-Reisende, Sicherheitsbewusste, Dackelfans
Deshalb berichten wir: Der Inselpolizist und sein Dackel sind ein Hingucker für jeden Inselgast. Aber gehen sie auch wirklich auf Verbrecherjagd? Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Heute ist es vergleichsweise ruhig. Am Sonnabend, sagt Basold, sieht das hier anders aus: „Dann ist Bettenwechsel.“ Auf 750 Spiekerooger kommen in der Hauptsaison weit mehr als 3500 Übernachtungsgäste. Und bis zu 1200 Tagesgäste. „Da bin ich mehrere Stunden im Dorf.“ Allerdings nicht, weil dort im Gedränge Verbrechen verübt werden könnten. Vielmehr geht es dem 48-Jährigen darum, präsent zu sein. „Ruhe reinbringen. Ansprechbar sein. In erster Linie bin ich Kontaktbeamter – und Werbeträger.“ Die Polizei als Freund und Helfer: Auf dem kleinen Eiland wird dies gelebt. Basold hilft, wo er kann. Er spreche gestresst wirkende Reisende an. Das nimmt oft die Spannung heraus, meint er. Er weise den rechten Weg zur Unterkunft, beantworte Fragen zur Insel – und natürlich zu Hubert. Der ist der eigentliche Star in dem ungleichen Duo. „Ein Eisbrecher und Sympathieträger“, verrät der Inselgendarm mit einem fröhlichen Lachen.
Das Verbrechen kommt per Internet
Die Kinder lieben den krummbeinigen Polizeihund, der offiziell gar keiner ist. Die Zuneigung stößt zwar auf wenig Gegenliebe, doch Hubert lässt es geduldig und wie ein echter Held über sich ergehen, wenn er gestreichelt, fotografiert oder vollgeheult wird. Denn der sechs Jahre alte Vierbeiner hat Superkräfte in Bezug auf Kinder: Die gehen zuweilen verloren im Tumult der Anreise und müssen dann getröstet werden. Hubert meistere diese Aufgabe stets mit Bravour. Etwa zehnmal im Jahr passiert das, erzählt Basold bei einem Besuch der Inselwache. Oft könne er Eltern und Kinder schnell wieder zusammenbringen. Wenn nicht, stellt er einen Suchtrupp auf die Beine: Dann hilft auch die Feuerwehr.
Rund 180 Straftaten im Jahr muss Basold aufklären. „Die Zahl ist auch hier steigend“, bedauert er. Allein 130 davon passieren allerdings gar nicht wirklich auf der Insel: „Es sind Betrugsdelikte über das Internet.“ Daten werden ausgespäht, Identitäten gestohlen. Basold macht dann das, was auch seine Berufskollegen an Land machen würden: Er vernimmt Zeugen, durchsucht zuweilen eine Wohnung. Das hat er natürlich alles auch von der Pike auf gelernt und kennt einige Bereiche der Polizeiarbeit: Er war bei der Bereitschaftspolizei, später für kurze Zeit im Reiterzug der Reiter- und Hundestaffel, bei der Autobahnpolizei und nahm im Verkehrsunfalldienst Unfälle auf, bei denen Personen verletzt wurden. Dagegen ist es auf Spiekeroog eher ruhig: Koffer bleiben stehen, Räder verschwinden und tauchen woanders wieder auf. Wirklich etwas geklaut werde selten. „Diebstähle und Einbrüche haben wir nicht.“
Ein zweiter Polizist für Spiekeroog
Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Es fällt auf.“ In der kleinen Gemeinschaft kenne jeder jeden. Da falle es auf, wenn jemand plötzlich einen neuen Fernseher habe, während woanders einer fehlt. Und Gäste, die bei ihrer Abreise etwas mitnehmen wollen, was nicht ihnen gehört, fallen auf. Wer ohne Rad an- aber mit wieder abreist, wirkt direkt verdächtig: „Dann krieg ich einen Anruf.“ Basolds Aufgaben sind dennoch vielfältig: Mal kümmert er sich um Weltkriegsmunition, dann „entschärft“ er nachts eine Ruhestörung. Wenn er dann doch einmal im Jahr wegen einer Körperverletzung gerufen werde, handle es sich um „eine Ohrfeige am Strand“. Im Schnitt eine Verhaftung pro Jahr geht ebenfalls auf sein Konto: Dann muss er den potenziellen Kriminellen mit Schiff oder Fähre ans Festland bringen und seinen Kollegen aus Wittmund übergeben. Die helfen im übrigen auch aus, wenn doch mal das Verbrechen Einzug hält auf Spiekeroog oder Langeoog.
Seit acht Jahren hält André Basold auf der Insel die Stellung. Polizeiwache und Wohnhaus befinden sich unter einem Dach. Unterstützung durch sogenannte Verstärker, Beamte aus ganz Niedersachsen, die sich für einen Inseleinsatz bewerben können, bekommt er nur in den Sommermonaten. Aber dann ist halt auch einiges los. An Urlaub ist dann auch nicht zu denken. „Solange ich auf der Insel bin, bin ich im Dienst. Ich bin 24/7 erreichbar.“ Das muss man wollen – und aushalten können. Und es macht auch vor seiner Ehefrau Thurit nicht Halt: „Wenn ich nicht da bin, wird sie auch angesprochen.“ Dabei arbeitet sie eigentlich bei der Volksbank im Dorf. „Man ist Person des öffentlichen Lebens.“ Das ist der wohl größte Unterschied zum Dienst am Festland. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht fotografiert werde.“ Ob er nun mit Dackel an der Leine spazieren geht oder auf seinem Pedelec über die Insel saust: Irgendwer erkennt ihn immer.
Dennoch, so sagt er, kann er sich vorstellen, hier den Rest seiner Dienstzeit zu verbringen. Immerhin sei es auch ein spannendes Leben auf einer so kleinen Insel:
„In acht Jahren habe ich fast alles erlebt“, berichtet der sympathische Polizist. Und das ist eigentlich zu viel für nur einen Inselsheriff, findet auch Basolds Chef Stephan Zwerg. Der Leiter der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund möchte ihm Unterstützung schicken. Doch das ist gar nicht so leicht: Seit Ende 2019 schon ist die Stelle ohne nennenswerte Bewerberlage ausgeschrieben gewesen. Erst ein interner Imagefilm hat offenbar einige Interessenten auf Spiekeroog aufmerksam gemacht.