Besondere Klasse in Westerende Ein Zwischenschritt vor der Einschulung
Die Grundschule in Westerende führt einen sogenannten Schulkindergarten. Die Erzieherin Helma Mäcken erklärte dem Ihlower Sozialausschuss am vergangenen Mittwoch, worin die Besonderheit liegt.
Westerende - Was passiert mit Kindern, die schulpflichtig, aber noch nicht bereit für die erste Klasse sind? In Westerende gibt es dafür eine Lösung. In der Grundschule ist ein sogenannter Schulkindergarten untergebracht. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art im Landkreis Aurich. In diesem Jahr feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen – viele Ihlower wissen aber gar nichts über die Einrichtung. Der Ihlower Sozialausschuss wollte sich selbst ein Bild machen und ließ sich den Schulkindergarten am vergangenen Mittwoch zeigen. Dabei wurde deutlich, dass die Finanzierung der Einrichtung besser geregelt werden könnte.
Zum Schulkindergarten in Westerende gehen laut der Erzieherin Helma Mäcken längst nicht nur Kinder aus Ihlow. Es sind bereits Schüler aus Middels, Tannenhausen oder Moordorf dort eingeschult worden. Die Kinder werden dabei mit dem Taxi gebracht. Die Kosten dafür übernimmt der Landkreis. Den Betrieb des Schulkindergartens muss aber die Gemeinde Ihlow tragen. Das irritierte einige Ausschussmitglieder. Der stellvertretende Vorsitzende Arnold Saathoff (SPD) meinte beispielsweise: „Ich hätte erwartet, dass die anderen Kommunen sich beteiligen.“ Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) signalisierte, die Finanzierung prüfen zu lassen.
Kinder lernen Schulstruktur kennen
Hauptziel des Schulkindergartens ist laut Mäcken, die Kinder behutsam an das System Schule heranzuführen. Dabei gehe es zum Beispiel darum, einen festen Tagesablauf samt Pausen kennenzulernen, Mappen richtig zu führen oder den Arbeitsplatz zu organisieren. Auch der Transport zum Schulkindergarten biete eine Regelmäßigkeit und damit Struktur für die Kinder. Der Schulkindergarten wird wie eine zusätzliche 1. Klasse geführt. Beim Unterrichtsinhalt gibt es jedoch Unterschiede: Im Schulkindergarten werden laut Mäcken nur Grundlagen vermittelt. Im Vordergrund stehe das Erlernen der Schulstruktur.
Alternativ zum Besuch des Schulkindergartens können die Kinder auch ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden. Dann gehen sie ein weiteres Jahr in den Kindergarten, erklärt Mäcken. Durch den Schulkindergarten werden die Kindergärten in Ihlow entlastet.
Wechsel schadet den Kindern nicht
Das Ausschussmitglied Insa Buss (Grüne) fragte am Mittwoch, ob die Kinder durch den Besuch des Schulkindergartens nicht aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld gerissen werden. Die Sonderpädagogin Vera Schaaf erklärte, dass die Kinder ihre Kindergartengruppe ohnehin verlassen würden – egal, ob sie den Schulkindergarten besuchen oder ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben. Außerdem seien Kinder häufig sehr kontaktfreudig, sodass die Sonderpädagogin keine Bedenken hinsichtlich des Wechsels habe. Schaaf erklärte außerdem, dass die meisten Kinder nach dem Besuch des Schulkindergartens für den Schulalltag gewappnet sind. Konkrete Zahlen über die Erfolgsaussichten des Schulkindergartens konnten aber nicht genannt werden.
Um den Schulkindergarten weiter auszubauen, wünscht sich die Grundschule in Westerende beispielsweise größere Räumlichkeiten, so Mäcken. Auch neues Mobiliar, eine bessere technische Ausstattung sowie ein neuer Fußboden stehen auf dem Wunschzettel.