Prozess am Landgericht Aurich  Witwe hat keine Erinnerung an Zahlungen

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 11.07.2022 17:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Fortsetzungsprozess fand am Montag vor dem Landgericht Aurich statt. Foto: Romuald Banik
Der Fortsetzungsprozess fand am Montag vor dem Landgericht Aurich statt. Foto: Romuald Banik
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Ein 59-Jähriger soll eine Auricher Witwe um rund 440.000 Euro gebracht haben. Die Erinnerungslücken der 75-Jährigen sorgten am Montag für Verwunderung.

Aurich – Um rund 440.000 Euro soll ein 59-Jähriger aus Augustfehn eine Auricher Witwe betrogen haben. Deshalb steht er nun vor dem Landgericht Aurich. Am Montag wurde der Berufungsprozess gegen ihn fortgesetzt. Es sagten Zeugen aus, die die Aussagen der Witwe bestätigten.

Am ersten Verhandlungstag am vergangenen Freitag war der Angeklagte an der Reihe und stritt die Vorwürfe ab. Es habe lediglich einen Darlehnsvertrag über 100.000 Euro und 50.000 Euro als Vergütung für Arbeiten auf dem Gelände der Witwe gegeben. Den Rest soll er laut Anklage bar und unter anderem für etliche Anwaltskosten bekommen haben. Doch das sei nie passiert, sagte er. Auch die vorgeworfene romantische Beziehung mit der 75-Jährigen habe es nicht gegeben. Es sei ein geschäftliches Verhältnis gewesen.

Zahlungen verdrängt

Über die Summen, die sie ihm gezahlt haben will, führte die Witwe eine detaillierte Liste. Umso verwunderlicher war am Mittwoch für das Gericht der Blick auf die Kontoauszüge der 75-Jährigen. Denn an Steuerrückzahlungen in Höhe von rund 200.000 Euro konnte sie sich nicht erinnern. Und auch 130.000 Euro, die am selben Tag, an dem sie auf ihrem Konto eingingen, zu ihrem Sohn flossen, hatte sie keine Erklärung. Vor Gericht hatte sie angegeben, nur das Geld von einem Hausverkauf gehabt und das alles dem Angeklagten gegeben zu haben. „Ich habe das alles verdrängt“, sagte sie zu den Bewegungen auf ihrem Konto.

Einer ihrer Söhne war am Montag als Zeuge geladen. „Für mich war das ganz klar eine Beziehung“, sagte der 52-Jährige. Der Angeklagte sei bei seiner Mutter selbstverständlich ein und aus gegangen, habe mit ihr Pläne für den Ausbau eines Hauses in der Schweiz geschmiedet und die Kinder und Enkelkinder beschenkt.

Auch der Sohn vertraute ihm

Davon, dass seine Mutter dem 59-Jährigen ihre ganze Altersvorsorge gegeben haben soll, hat der Sohn erst nach einigen Jahren erfahren. „Ich war völlig perplex. Es war ein Schlag in die Magengrube für mich“, sagte er. Er und seine zwei Brüder hätten daraufhin ein Gespräch mit ihrer Mutter und dem 59-Jährigen geführt. Dort habe der Angeklagte zugegeben, rund 400.000 Euro bekommen zu haben und versichert, diese nach einem gewonnenen Gerichtsprozess zurückzuzahlen.

Einen Vertrag über die Vereinbarung habe er nicht unterschreiben wollen. Trotzdem hätten sie ihm geglaubt, sagte der Sohn. Man habe sich nach drei Monaten noch einmal zusammensetzen wollen. Doch dazu sei es nie gekommen. Der Angeklagte sei immer unterwegs, angeblich in Reha, gewesen. Aufgeflogen sei alles, als seine Mutter von der Ehefrau des 59-Jährigen erfahren habe, dass er im Ausland arbeite, sagte der Sohn. Der Prozess wird am 26. Juli fortgesetzt. Dann will die Kammer ein Urteil sprechen.

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