Hannover Niedersachsen: Bernd Althusmanns letzte Chance
Bernd Althusmann greift an. Bei der Landtagswahl im Oktober will er Ministerpräsident von Niedersachsen werden. Es ist seine zweite und letzte Chance.
Nach zunächst schlappen Umfragewerten für die CDU sitzt Spitzenkandidat Bernd Althusmann dem Amtsinhaber Stephan Weil von der SPD jetzt im Nacken. Die SPD büßt an Beliebtheit ein, liegt aktuell bei 30 Prozent und die CDU steigert sich auf 27 Prozent.
Kein Wunder, dass Althusmann beim Parteitag am Wochenende in Lingen die Muskeln spielen ließ und sich als anpackender Krisenmanager präsentierte. Die SPD sei ermattet und könne sich in der Opposition erholen. Er wolle Weil - 63 Jahre alt und seit Februar 2013 Ministerpräsident von Niedersachsen - in den Ruhestand schicken, sagte der angriffslustige Spitzenkandidat und CDU-Landesvorsitzende, der nach seinem im Jahr 2017 gescheiterten Versuch, Weil zu beerben, nun einen neuen Anlauf unternimmt.
Dabei weiß Althusmann nur zu gut, dass es seine letzte Chance ist. Verliert er erneut gegen den bei den Bürgern deutlich bekannteren und beliebteren Amtsinhaber, ist das Ende seiner politischen Karriere eingeleitet. Ob der 55-Jährige aber den aktuellen Auftrieb bis zur Wahl in drei Monaten hochhalten kann, ist fraglich. Intern wird ihm nachgesagt, zu viel an sich zu reißen, zu wenig zu delegieren und sich dabei zu verzetteln.
Bei allem Wahlkampfgetöse um das höchste Amt im Bundesland ist es für die Menschen in Niedersachsen entscheidend, dass Regierungschef Weil und sein Stellvertreter Althusmann in der Großen Koalition bis zur Wahl im Oktober weiter professionell zusammenarbeiten. Zu groß sind die aktuellen Krisen und Herausforderungen. Bis jetzt trennen die beiden ihre derzeitige politische Verantwortung und ihren Konkurrenzkampf erstaunlich gut. Noch. Ob das so bleibt? Auch daran werden die Spitzenkandidaten sich am Ende messen lassen müssen.