Osnabrück  Hito Steyerls Rückzug verschärft Krise der Documenta

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 08.07.2022 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Künstlerin Hito Steyerl Foto: dpa
Künstlerin Hito Steyerl Foto: dpa
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Die Documenta kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt zieht Kunststar Hito Steyerl ihren Beitrag aus Kassel ab. Der Schritt verschärft die Krise des Kunstformats weiter.

Wer ihr Video "Animal Spirits" auf der Documenta fifteen noch sehen will, muss sich beeilen. Hito Steyerl zieht ihren Beitrag aus Kassel ab. Das bedeutet mehr als den Verlust eines brillant gemachten Werkes, mehr als den Rückzug eines der wenigen Kunststars von dieser Ausgabe der Weltkunstschau, die sonst nur auf Kollektive setzt. Steyerls Rückzug vertieft vor allem die Vertrauenskrise, in die die Documenta mit dem Skandal um die antisemitischen Bildmotive der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi geraten war. Vor Steyerl hatte sich auch schon Maron Mendel von der Bildungsstätte seine Zusammenarbeit mit der Documenta eingestellt.

Für die Weltkunstschau verschärft sich die Krise damit immer mehr. Insbesondere der Rückzug Steyerls wiegt schwer. Sie gilt nicht nur als Star der Kunstszene, sondern auch als eine ihrer klügsten Beobachterinnen. Ihr Wort hat deshalb ebenso Gewicht wie ihre Taten. So hatte sie erst 2021 auf das Bundesverdienstkreuz verzichtet. Ihr Grund: Der Umgang der Politik mit der Kultur in der Corona-Krise. Nun macht sie klar, was sie von dieser Documenta und ihrem Krisenmanagement hält: nichts. Natürlich zieht dieser spektakuläre Abgang die Aufmerksamkeit auch auf Steyerl selbst. Ihr Schritt ist aber viel mehr als Marketing in eigener Sache.

Die Leitung der Documenta fifteen scheint handlungsunfähig, findet immer noch keine Sprache zum Thema Antisemitismus. Das wird mit Steyerls Schritt noch einmal offensichtlich. Nicht nur Generaldirektorin Sabine Schormann gelingt es nicht, in dieser für die Documenta entscheidenden Frage endlich die Initiative zu ergreifen, auch Ruangrupa als kuratorisches Leitungsteam bleibt seltsam unsichtbar. Dabei sollten Kommunikation und Kooperation die kulturellen Leitwährungen dieser Documenta sein. Mehr als dürre Entschuldigungen bringt Ruangrupa aber nicht zusammen. So langsam wird es eng für die Documenta. Hoffentlich wird ihre Zukunft in diesen Tagen nicht verspielt.

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