Älteste Schule feiert Jubiläum Auricher Lambertischule besteht seit 125 Jahren
Als die Lambertischule gebaut wurde, herrschte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm II. Die Monarchie gibt es nicht mehr, die Schule aber ist lebendiger denn je.
Aurich - Sie ist die älteste aktive Schule Aurichs: Am Freitag feierte die Lambertischule ihr 125-jähriges Bestehen. Im Jahr 1897 wurde das Gebäude in der Lambertistraße in Betrieb genommen. Es war zugleich das erste Haus, das speziell für eine Schule entworfen worden ist in der Stadt. Seitdem seien sicherlich über 50.000 Kinder in der Lambertistraße zur Schule gegangen, schätzte Schulleiter Kai Münzel während der Feierstunde am Freitagvormittag.
Gestartet ist die Lambertischule dabei mit 518 Kindern, die die damalige Volksschule bis zur achten Klasse besuchten. Enge Verhältnisse waren das, denn erst 1929 wurde mit einem ersten Anbau die Schule quasi doppelt so groß.
Neues Haus wurde schnell zu klein
Die Schülerzahlen waren in den 1920er-Jahren so stark gestiegen, dass der Anbau erforderlich wurde. Nicht absehbar war zu der Zeit, was durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs geschehen sollte. „Im Spitzenjahr besuchten 1576 Kinder die Lambertischule“, zitierte Münzel aus der Schulchronik. Aus heutiger Sicht waren das unhaltbare Zustände: Bis zu 48 Kinder waren in einer Klasse, von denen es an der Lambertischule bis zu 33 gab. Ähnlich große Schulen verfügen heute über Kollegien mit 150 Lehrern. Damals kümmerten sich 22 Lehrkräfte um die 33 Klassen. 13 von ihnen mussten zwei Klassen leiten. Das Ganze war im Schichtbetrieb organisiert.
Heute hingegen gibt es mehr Platz in der Schule, wenngleich sie immer noch die größte Grundschule Aurichs ist mit ihren 201 Kindern. Und dennoch musste lange dafür gekämpft werden, endlich eine angemessene Aula samt Mensa zu bekommen. Erst vor fünf Jahren konnte der jüngste Anbau eröffnet werden. Jahrelang hatte Schulleiter Kai Münzel bei der Politik darauf hingewiesen, dass ausgerechnet die größte Grundschule keinen Veranstaltungsraum besaß. Schulfeiern und andere Ereignisse wurden bis dahin äußerst beengt im Zeichensaal durchgeführt.
Neue Reilschule bekam 1953 einen Teil der Kinder
Einen Teil der Kinder gab die Lambertischule im Jahr 1953 ab. Damals wurde die Reilschule in einem ehemaligen Krankenhaus gegründet, und die Lambertischule erhielt ihren Namen. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Schule waren die Umwandlung in eine Grundschule sowie die Einrichtung der ersten Inklusionsklasse Ostfrieslands im Jahr 1989.
Schon früh wurde die Lambertischule international. Bereits 1930 konnten die Schüler freiwillig Englisch und Französisch lernen. Im Jahr 1969 gab es einen Modellversuch, ab der dritten Klasse Englisch zu unterrichten. „Das ist heute eine Selbstverständlichkeit.“ Auf Reisen ging man auch gerne: So waren Lambertischüler vor zehn Jahren beim 60-jährigen Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. in London zu Gast.
Schulleiter als Motor von Entwicklungen
Vorreiter war die Schule und blieb es bis in die jüngste Vergangenheit. Erst seit wenigen Jahren ist die Lambertischule eine teilgebundene Ganztagsschule und hat als eine von drei Schulen in Niedersachsen den kooperativen Hort mit entwickelt.
Bürgermeister Horst Feddermann lobte das Projekt in seinem Grußwort. „Es ist ein Erfolg, und Sie haben es gemacht.“ Damit meinte er die gesamte Schule, insbesondere aber auch Leiter Kai Münzel. Denn der Schulleiter sei stets der Motor von Entwicklungen. Die Stadt Aurich habe sich dabei nie gescheut, in die Bildung zu investieren, betonte Feddermann.
Förderkreis feiert runden Geburtstag
Für die Investitionen, vor denen die Stadt sich dann doch gescheut hat, gibt es seit 30 Jahren den Förderkreis der Lambertischule. Er feierte seinen Geburtstag ebenfalls am Freitag. Für den Vorstand betonte Johann Janßen, dass man mit den Spenden der Mitglieder die Stadt Aurich nicht aus der Verantwortung entlassen wolle. Gleichwohl habe die Schule in den vergangenen drei Jahrzehnten von der Arbeit des Förderkreises profitiert. Es seien Computer angeschafft worden, als die Stadt noch nicht einsah, was Grundschüler damit anfangen könnten. Die Bücherei wurde ebenso unterstützt wie der Musikunterricht. Auch Pausenspiele wie zum Beispiel ein Kletternetz für 10.000 Euro wurden angeschafft. Einräder, Bilderrahmen und Bühnenbeleuchtung – Johann Janßen hätte mit der Aufzählung noch lange weitermachen können. Er hörte dann doch auf, um das jüngste Geschenk zu übergeben: Seit Freitag besitzt die Schule nun ein großes Zelt, mit dem man bei Aktivitäten im Freien vor dem wankelmütigen ostfriesischen Wetter geschützt ist.
Zwei besondere Geschenke gab es von einer ehemaligen Schülerin der Lambertischule. Henrike Tertilt hat innerhalb weniger Tage einen Kurzfilm über ihre alte Grundschule gedreht. Dazu gab es einen besonderen Kuchen von der 15-Jährigen. Denn dieser war mit einem Bild der Lambertischule verziert. Sie habe eine schöne Zeit in der Lambertischule verbracht, an die sie immer gerne zurückdenke. Darum habe sie sich die Geschenke überlegt, sagt die Schülerin, die jetzt das Gymnasium Ulricianum besucht, auf ON-Nachfrage.
Mit einem großen Schulfest ging der Lamberti-Feiertag am Freitagnachmittag zu Ende.