Hannover Niedersachsens Grüne: Selbstbewusst, aber nicht überheblich
Wird in Niedersachsen eine Grünen-Politikerin Ministerpräsidentin? Das ist nicht gesagt, aber auch nicht ausgeschlossen. Die Luft wird jedenfalls dünn für Amtsinhaber Stephan Weil (SPD). Ein Kommentar.
Die Grünen haben einen Lauf. Wenn jetzt schon Landtagswahl wäre, kämen sie einer aktuellen Umfrage zufolge auf erstaunliche 22 Prozent. Zur Erinnerung: 2017 lag das Ergebnis der Grünen bei gerade mal 8,7 Prozent.
Die Partei ist längst erwachsen geworden. Das beweisen auf Bundesebene nicht nur Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Außenministerin Annalena Baerbock, sondern in Niedersachsen auch die beiden Spitzenkandidaten Julia Willie Hamburg und Christian Meyer. Statt in ihrem aktuellen Umfrage-Höhenflug schon nach der Staatskanzlei und dem Amt des Ministerpräsidenten zu greifen, geben sie sich bescheiden und deuten nur an, dass sie auf alle Szenarien vorbereitet seien.
Die Grünen wissen nur allzu gut, wie fragil Umfragewerte sind und bis zur Wahl am 9. Oktober sind es noch drei Monate. In einem Vierteljahr kann viel passieren. Diese bittere Erfahrung musste auch Ex-Kanzlerkandidatin Baerbock machen.
Die Grünen haben bewusst darauf verzichtet, einen Kandidaten für das Ministerpräsidenten-Amt zu benennen und ins Rennen zu schicken. Erlauben sie sich im Wahlkampf keine großen Fehler und verfangen ihre Wahlplakate mit knackigen Botschaften bei den Bürgern, ist ein Einzug in die Staatskanzlei aber nicht ausgeschlossen.
Nach dem Prinzip der Grünen, den Frauen den Vortritt zu lassen, würde dann Julia Willie Hamburg die Nachfolge des aktuellen Regierungschefs Stephan Weil antreten. Doch der erfahrene SPD-Politiker ist ein professioneller Wahlkämpfer und nicht zu unterschätzen. Und dass die CDU der SPD momentan in den Umfragen näher rückt, macht einen Weil zunächst nicht nervös, aber es spornt ihn an. Kurzum: Der Dreikampf zwischen SPD, CDU und nun auch den Grünen bleibt spannend.