Ostfriesland-Fan aus dem Rheinland Bei ihm zeigt der Kompass immer nach Norden
Roland Pöche wohnt unweit von Koblenz und dem berühmten Lorelei-Felsen am Rhein. Den Norden lernte er in seiner Bundeswehrzeit in Schleswig-Holstein kennen und Ostfriesland als Tourist.
Rhauderfehn - Roland Pöche ist ein typischer Rheinländer. Immer gut gelaunt, fröhlich und kontaktfreudig. Und der Mann mit der gemütlichen Figur, den schneeweißen Haaren und der dunklen Brille hat Hummeln im Hintern, wie man so sagt. Denn der 74-Jährige reist gern. Bis vor zwei Monaten am liebsten auf seiner Gold Wing, dem „Rolls Royce“ unter den Motorrädern, weil die Maschine einen „unglaublichen“ Komfort biete, schwärmt Pöche. Inzwischen ist er aber auf ein Fiat-500-Cabriolet umgestiegen.
Aber mit seiner Gold Wing lernte der Rheinländer nicht nur andere Gold-Wing-Fahrer und -Fahrerinnen kennen, er machte mit ihnen auch viele Ausflüge in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich. Und weil Roland Pöche nicht nur ein liebenswerter Unterhalter ist, sondern auch ein guter Organisator, tüftelte er viele Touren aus.
Er lebt auch, wo andere Urlaub machen
1999 reiste er auf einer vom ADAC geführten Tour nach Emden. Den Norden Deutschland kannte der ehemalige Bundeswehrsoldat aus seiner Zeit in Schleswig-Holstein. Sechs Jahre lang leitete der gelernte Kraftfahrzeugmeister dort eine Waffen- und Kfz-Werkstatt und versorgte die Kameraden mit Waffen, Munition, Material und Gerät. Er mochte den Norden und das Meer sofort – obwohl er selbst in einer Gegend lebt, wo andere Urlaub machen.
Pöche wohnt mit seiner Frau Dagmar, die einen Laden mit Fototechnik, Tabak, Zeitschriften und Lotterie hat, in Emmelshausen, einer Kleinstadt im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Koblenz, wo Rhein und Mosel am Deutschen Eck zusammenkommen, Bingen und der berühmte Felsen mit der Lorelei-Statue sind nicht weit.
Mit dem GA immer vor Ort
Trotzdem war Roland Pöche allein in diesem Jahr schon drei Mal in Ostfriesland. Genauer: in Rhauderfehn. Station macht er immer im Hotel Meyerhoff in Holterfehn. Rhauderfehn und der General-Anzeiger, den er jeden Morgen online kurz aufruft, um die Überschriften zu lesen, sind Roland Pöche ans Herz gewachsen. „Meine Frau und ich lieben Ostfriesland“, sagt er und man hört das Ausrufezeichen, das den Satz beendet.
Nach seiner ersten Reise vor 23 Jahren, kam er immer wieder. Ein Urlaub mit Mitgliedern eines Schweizer Golden-Wing-Clubs ist ihm besonders in Erinnerung. Jeden Tag habe er die Schweizer mit einem anderen Thema überrascht. Mal besichtigten sie ein Schöpfwerk und lernten, wie es funktioniert, mal ging es in den schiefen Kirchturm in Suurhusen, oder sie waren dabei, wie Heuler – das sind kleine Seehunde – gefüttert wurden. Die Motorradfahrer standen nicht nur vor einer Mühle, sie waren auch drin. Roland Pöche ist nie bange, zum Telefon zu greifen und Müller, Bürgermeister und Tourismus-Chefs oder -Chefinnen anzurufen.
Das „kompass-tv“-Rätsel hat‘s ihm angetan
Und der Vater von zwei erwachsenen Töchtern und Opa von vier Enkelinnen bleibt auch zu Hause über die Heimatzeitung mit Ostfriesland verbunden. Dabei mag Pöche das Rätsel „kompass-tv“ besonders gern. Jeden Sonnabend ruft er sich beim Frühstück das Video auf und rätselt mit. „Na, wo geht es denn heute hin?“, frage ihn immer seine Frau, sagt Pöche und lächelt. Neulich hat er die Mühle in Idafehn sofort erkannt. Ein Foto des Bauwerks samt Gold Wing hat er selbst in seiner Sammlung. Er mag es auch, wenn er in der Lokalzeitung was wiedererkennt: zum Beispiel „Fokko“, nachdem die Figur nach einem Unfall kopfüber aus der 1. Südwieke ragte.
Die Weite, die Wieken, all das genießen Roland und Dagmar Pöche so oft sie können. Doch wie viele Touristen immer wieder in Ostfriesland Urlaub machen, werde nicht erfasst, sagt Wiebke Leverenz auf Nachfrage. Sie ist Pressesprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) mit Sitz in Leer auf Nachfrage. Seit 2005 bewirbt die OTG die gesamte ostfriesische Halbinsel: Dazu gehören die Landkreise Ammerland, Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie die kreisfreien Städte Emden und Wilhelmshaven.
Der Tourismus sei in Ostfriesland großer Wirtschaftsfaktor, so Leverenz. Allerdings wurden während der Corona-Pandemie massive Umsatzeinbußen verzeichnet, fügt die Pressesprecherin hinzu. Die Umsätze seien nach 2019 durch die Pandemie und ihre Folgen um rund ein Drittel gefallen. Vor drei Jahren „belief sich der Bruttoumsatz im Tourismus noch auf 3,2 Milliarden Euro“, heißt es in einer Pressemitteilung.