OOWV-Verbandsversammlung Wasserverband kündigt höhere Wasserpreise an
Inflation, Klimawandel, Ukraine-Krieg: Der Wasserverband OOWV sieht sich gezwungen, zum Jahreswechsel die Preise anzuheben.
Aurich/Oldenburg - Zum Jahreswechsel wird das Wasser teurer: Das kündigt der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) nach seiner Verbandsversammlung am Mittwochvormittag an. Wasserknappheit, Klimawandel, Millionen-Investitionen, steigende Energiekosten, Inflation und Fachkräftemangel werden als Gründe für die Verteuerung genannt.
Die Situation der öffentlichen Wasserversorgung spitze sich wegen dieser Ursachen weiter zu, sagt Verbandsvorsteher Sven Ambrosy. Der OOWV wirtschafte zwar sparsam, könne alle Kosten aber nicht auffangen. Wie viel Trinkwasser im kommenden Jahr kosten wird, sagt er jedoch noch nicht. Denn darüber werde die Verbandsversammlung erst im Dezember entscheiden.
OOWV will Steigerung der Abwasserpreise „abmildern“
Im Augenblick kosten 1000 Liter Wasser 98 Cent. Der Preis wurde Anfang 2021 von 90 Cent angehoben, weil das Land die Wasserentnahmegebühr pro Kubikmeter auf 15 Cent verdoppelt hatte. Die letzte „richtige“ Preiserhöhung liegt nach Angaben eines OOWV-Sprechers knapp 30 Jahre zurück. Im Geschäftsjahr 2021 habe der OOWV der Pandemie mit Robustheit getrotzt, so Ambrosy. Die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung seien gewährleistet.
Um Preissteigerungen bei den Schmutzwasserkosten abzumildern, bereitet der OOWV den Umstieg aufs Gebührenrecht vor. Der Grund dafür liegt laut Ambrosy im Steuerrecht. Denn aktuell würden die Kosten für Schmutzwasser in Anlehnung an das Niedersächsische Kommunalabgabengesetz als Entgelt kalkuliert. „Der Gesetzgeber will hierauf künftig eine Umsatzsteuer erheben.“ Die durchschnittlichen Kosten für die Abwasserbeseitigung würden um weitere zehn Prozent steigen. Durch die Einführung von Gebühren weicht der OOWV einer Besteuerung aus, da diese nicht umsatzsteuerrechtlich bewährt sind.
Preissteigerungen beim Bau treffen auch Wasserverband
Der OOWV versorgt im Nordwesten mehr als eine Million Menschen und betreibt insgesamt 15 Wasserwerke. Für zwei weitere Wasserwerke werden derzeit Standorte gesucht. Im Abwasserbereich sind es 45 Kläranlagen, die die Entsorgung des Schmutzwassers für 38 Kommunen und einen Zweckverband sicherstellen. Damit sind laut Ambrosy erhebliche Investitionen in den Ausbau und Erhalt der Infrastruktur verbunden. So nehme der OOWV in der Trinkwassersparte im Jahr 2022 rund 52,6 Millionen Euro in die Hand, um Leitungen zu erneuern und Anlagen aufzurüsten. Im Abwasserbereich beliefen sich die Investitionen auf 54,5 Millionen Euro. Im Jahr 2021 habe der Verband erstmalig in seiner Geschichte die Bilanzsumme von einer Milliarde Euro überschritten.
Die Vermögens- und Finanzlage sei stabil, doch das Umfeld verändere sich dramatisch, beschrieb Geschäftsführer Karsten Specht die Situation. Hierbei wirkten sich vor allem die Folgen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs aus. „Preisanstiege, Materialengpässe sowie gestörte Lieferketten betreffen nicht nur uns, sondern auch die von uns beauftragten Bauunternehmen. Es fällt allen Beteiligten immer schwerer, Zeit- und Kostenpläne in Bauprojekten einzuhalten.“
Wasserwerke laufen am Limit
Obendrein habe der Nordwesten weiterhin mächtig Durst. Die Ausweisung und Erschließung von Bau- und Gewerbegebieten sowie die geplante Ansiedlung von Firmen in der Wasserstoff-Industrie treibe den Wasserbedarf in immer neue Höhen. Das macht sich bemerkbar: Die bestehenden Wasserwerke laufen, wie berichtet, überwiegend am Limit. Demgegenüber stehen begrenzte Wassermengen und jahrelange Verfahren, wenn es um die Erhöhung von Wasserrechten geht. „Durch komplexe Antragsverfahren können wir mit dem Tempo, in dem sich Landkreise und Kommunen entwickeln, kaum Schritt halten“, betont Specht.
Lösungen hat der OOWV in einem Wasserversorgungskonzept zusammengefasst, das in Teilen bereits umgesetzt wird. So kann der Verband durch die spezielle Aufbereitung von gereinigtem Abwasser zur Verwendung für industrielle Zwecke jährlich rund 3,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser einsparen. Auch mit benachbarten Wasserversorgern wird bereits kooperiert. Der Mehrbedarf lässt sich dadurch jedoch nicht vollständig kompensieren.
Wasserwerke gibt es nicht auf die Schnelle
Wasserversorgung läuft auf Reserve
Wasserwerke der Region an der Kapazitätsgrenze
OOWV erhöht Preis für Trinkwasser