Osnabrück  Teuere Energie, knappes Personal: Was bedeutet das für Konzerte?

Ralf Doering
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Von Ralf Doering
| 05.07.2022 17:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Voller Erfolg: Veranstalter FKP Scorpio ist völlig zufrieden mit dem Publikumszuspruch beim diesjährigen Hurricane Festival. Foto: DPA/Daniel Reinhardt
Voller Erfolg: Veranstalter FKP Scorpio ist völlig zufrieden mit dem Publikumszuspruch beim diesjährigen Hurricane Festival. Foto: DPA/Daniel Reinhardt
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Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturinstitutionen ist der Geschäftsführer des Konzertveranstalters FKP Scorpio, Stephan Thanscheidt, zufrieden mit der Auslastung der großen Festivals und Konzerte. Erwartungen an die Politik äußert er im Interview trotzdem.

Frage: Das Hurricane Festival scheint gut gelaufen zu sein, bei den Rolling Stones wird es ähnlich sein. Doch wie ist der Zuspruch bei kleineren Festivals?

Antwort: Hurricane, Southside, Tempelhof Sounds, Highfield oder M’era Luna: Wir selbst sind mit unseren eigenen Formaten jedweder Größe hochzufrieden. Auch unsere im Vergleich zu den genannten Veranstaltungen kleineren Herbst-Festivals mit rund viertausend Gästen sind entweder ausverkauft oder schon sehr voll. Das können leider nicht alle kleineren Formate von sich behaupten, denn in der Branche mehren sich Festivalabsagen, die mit der geringen Nachfrage begründet werden.

Frage: Von mehreren Richtungen hört man, es sei schwieriger geworden, Personal für die Arbeit rund um Festivals zu finden. Wie ist die Situation bei Technikern und Aushilfen, wie sieht es im Catering-Bereich aus?

Antwort: Technik, Security, Catering und vieles mehr: Personal ist in allen Bereichen der Wertschöpfungskette tatsächlich knapper geworden. Viele Menschen, insbesondere aus kleineren Betrieben oder Solo-Selbstständige, waren in der Pandemie gezwungen, sich ein neues Auskommen zu suchen. Diese Fachkräfte fehlen jetzt, was auch wir zu spüren bekommen, aber durch unser großes Netzwerk und rechtzeitige Vorbereitung abfedern konnten.

Frage: Im Herbst beginnt die neue Club-Saison. Wie schlagen gestiegene Energiekosten auf die Veranstalter durch?

Antwort: Grundsätzlich sind die gestiegenen Energiekosten Teil einer Gesamtentwicklung, die die Produktion von Live-Events deutlich teurer macht. Auch Material und Personal sind als Folge der Pandemie deutlich kostspieliger als zuvor.

Frage: Corona ist nach wie vor ein Thema. Wie sichern Sie sich gegen Corona-bedingte Ausfälle ab, wenn zum Beispiel Künstler kurzfristig absagen müssen?

Antwort: Wir sichern uns über die von der Bundesregierung anberaumten Programme ab, die bis Ende des Jahres aktiv sind. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nach dem 1. Januar 2023 allerdings überhaupt keine Sicherheiten mehr, da die staatlichen Fonds auslaufen und in der privaten Versicherungswirtschaft ohnehin keine pandemiebezogene Absicherung mehr möglich ist. Daher ist es Aufgabe der Politik, weiterhin für Planbarkeit zu sorgen, indem entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Frage: Wie verhält sich das Publikum - kauft es wieder längerfristig im Voraus Tickets, oder warten die Menschen lieber ab?

Antwort: Während und nach der Omikron-Welle haben wir natürlich ein höheres Maß an Unsicherheit verspürt, mittlerweile ist das Kaufverhalten so wie immer – nur dass sich die Nachfrage auf mehr Veranstaltungen verteilt, da ja viele Events erst mal nachgeholt werden müssen während neue Formate auf den Markt drängen. Dieser Rückstau wird aber von entsprechend begrenzter Dauer sein.

Frage: Schaffen Sie zusätzliche Kaufanreize, zum Beispiel Frühbucherrabatte?

Antwort: Nein, das ist nicht nötig.

Frage: Gehen Sie das Risiko ein, unbekanntere Acts zu verpflichten, oder setzen sie auf etablierte Künstler?

Antwort: Wir sehen keinen Grund, warum wir auf Nummer Sicher gehen sollten. Die Nachwuchsförderung ist fest in der DNA unseres Unternehmens verankert, dementsprechend bieten wir Nachwuchstalenten genauso wie großen Namen eine Bühne – was immer so war und Teil unseres Selbstverständnisses ist.

Frage: Noch gibt es „Überhänge“ aus den Jahren 2020 und 2021. Wie hoch ist die „No-Show-Quote“, also der Anteil an Menschen, die Tickets gekauft haben, aber nicht kommen?

Antwort: Das Vertrauen der Gäste ist nach der Omikron-Welle schnell gestiegen, was anhand der rapide gesunkenen No-Show-Quoten sichtbar ist. Vor zehn Wochen lag die Zahl der Menschen, die trotz Ticket nicht zu unseren Events gekommen ist, noch zwischen 20 und 50 Prozent, mittlerweile ist ihr Anteil auf unter 10 Prozent gesunken.

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