ÖPNV in Aurich  Neuer ZOB lässt auf sich warten

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 04.07.2022 17:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Neben der Sparkassen-Arena soll der neue Auricher ZOB auf dem Gelände der Kreisbahn gebaut werden. Foto: Romuald Banik
Neben der Sparkassen-Arena soll der neue Auricher ZOB auf dem Gelände der Kreisbahn gebaut werden. Foto: Romuald Banik
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Schon 2024 hätte der neue Auricher ZOB fertig sein sollen. Doch wichtige Vorarbeiten konnten bislang nicht erledigt werden.

Aurich - Seit November 2020 steht es fest: Es soll einen neuen ZOB neben der Sparkassen-Arena in Aurich geben. Verworfen wurde damals der Plan, den Auricher ZOB auf dem ehemaligen VOST-Gelände am Wallster Weg neu zu bauen. Schon 2024, so die ersten Schätzungen der Kreisverwaltung, hätte der Busbahnhof in Betrieb gehen können. Jetzt zeigt sich, dass das alles wohl sehr viel länger dauern wird. Denn wichtige Vorarbeiten haben sich wegen der Corona-Pandemie verzögert.

Notwendig sind laut Kreissprecher Nikolai Neumayer Verkehrszählungen, ehe mit dem Bau begonnen werden kann. Diese Zählungen seien von der Stadt Aurich beauftragt worden, hätten aber bislang nicht durchgeführt werden können. Denn wegen der Corona-Pandemie seien auf den Auricher Straßen weniger Autos unterwegs gewesen als zu normalen Zeiten. Eine Zählung hätte daher ein verfälschtes Bild gegeben. Mittlerweile sind die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie weitgehend wieder aufgehoben worden. Gezählt wurden die Fahrzeuge dennoch nicht.

Alter ZOB ist überlastet und eng

An der erneuten Verzögerung waren umfangreiche Bauarbeiten schuld, durch die die Verkehrsströme in der Stadt umgelenkt worden seien. Zu den betroffenen Straßen gehören die Leerer Landstraße, die Große Mühlenwallstraße und die Julianenburger Straße.

Der jetzige ZOB direkt am Pferdemarkt gilt als überlastet und zu eng. Grade in Coronazeiten hat sich gezeigt, dass die Schüler, die insbesondere mittags in Scharen an der Stelle zu den Bussen strömen, nicht genug Platz haben, um Abstand zu halten. Ein weiterer Nachteil am jetzigen Standort ist, dass Busfahrer kaum Platz haben, um ihre Pause zu verbringen. Ihre Fahrzeuge stehen im Grunde im Weg, solange die Fahrer ihre Auszeit nehmen. Auch diese Situation würde mit dem neuen ZOB entzerrt werden. Dennoch werden auch in Zukunft Busse am Pferdemarkt abfahren, der alte ZOB wird nicht aufgegeben. Die Haltestelle wird auch benötigt für die Realschüler. Der alte ZOB wird daher zur reinen Haltestelle degradiert werden, an der die Busse nicht längere Zeit stehen werden.

Traum: Bahnreaktivierung mit neuem ZOB

Der alte Traum der Auricher Stadtpolitik war es, den ZOB auf dem ehemaligen VOST-Gelände zu realisieren. Dort wäre dann auch genug Platz für einen Bahnsteig gewesen. Ausgeschlossen ist eine Bahnanbindung auch bei der Sparkassen-Arena nicht. Doch die Querung des Wallster Weges im Einmündungsbereich zur Emder Straße sowie die Tatsache, dass auf der alten Bahnstrecke mittlerweile ein Raiffeisenmarkt und ein Parkplatz entstanden sind, erschweren das Vorhaben. Sollte der Personenverkehr auf der Schiene tatsächlich wieder nach Aurich kommen, wäre auch ein Haltepunkt am Wagenweg denkbar. Dort gibt es seit der Reaktivierung der Strecke Aurich-Abelitz sogar schon einen Bahnsteig. Der Vorteil: Personenzüge könnten bis nach Tannenhausen fahren. Der Nachteil: Die Züge würden nicht neben den Bussen am ZOB halten.

Entlang der Emder Straße würde der Personenzug bis zum neuen ZOB an der Sparkassen-Arena fahren. Foto: Heino Hermanns
Entlang der Emder Straße würde der Personenzug bis zum neuen ZOB an der Sparkassen-Arena fahren. Foto: Heino Hermanns

Dennoch ist der Plan, Personenzüge nach Aurich zu holen, noch nicht aufgegeben. Noch vor den Sommerferien soll der Auftrag für ein Gutachten erteilt werden, mit dem die Machbarkeit untersucht werden soll. Laut Neumayer soll damit der Gesamtaufwand abgeschätzt werden der nötig ist, um Aurich wieder an die Bahn anzubinden. In die Hände spielen könnte den Bahnbefürwortern auch ein zweites Gutachten, das die Verkehrsregion-Nahverkehr Ems-Jade (VEJ) im vorigen Jahr in Auftrag gegeben hat. Völlig ohne Vorgaben soll darin überprüft werden, welche Schienenverbindungen in Ostfriesland sinnvoll seien. Das Gutachten ist laut VEJ-Geschäftsführer Tilly Rachner fertig, liege dem VEJ aber noch nicht vor. Ende Juli könne dazu mehr gesagt werden, so Rachner auf ON-Anfrage. Dann stehe auch fest, ob Aurich-Abelitz zu den sinnvollen Zugverbindungen gehört oder nicht.

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