Osnabrück Kurze Röcke, bauchfrei: Das sagen Lehrer zu leicht bekleideten Schülerinnen
Bauchfrei, hauteng, Jogging-Hosen: Was denken Lehrer wirklich, wenn sie auf Schülerinnen in besonders kurzen Röcken und Schülern in Jogginghosen treffen? Und was fürchten Lehrer im Umgang mit leicht bekleideten Mädchen?
Jede Generation nutzt Kleidung, um sich auszudrücken, zu präsentieren, zu provozieren. Was denken Lehrerinnen und Lehrer über den Stil ihrer Schüler? Wo darf man hinschauen, wo nicht? Was darf wer dazu sagen? Fünf Pädagogen erzählen anonym von ihrem Schulalltag und Konflikten mit Teenagern und Eltern.
Früher konnte ich Schüler am Arschgeweih erkennen. Da waren auch noch String-Tangas modern. Abgesehen von der Mode hat sich im Vergleich zu heute nicht so viel geändert, würde ich sagen. Und ich bin jetzt seit 22 Jahren Lehrer. Nur bei den Jungs beobachte ich mehr Oberkörperfreiheit - die tragen ihre Shirts und Hemden offener als früher. Bei den Mädchen sind es immer so zehn Prozent der Schülerinnen, die sehr offenherzig herumlaufen, würde ich sagen. Ich finde das immer ein bisschen billig und unseriös. Irritieren lasse ich mich davon aber nicht. Ich bin da gefestigt. Aber ich achte schon darauf, nicht auf die falschen Stellen zu schauen. Wichtig ist auch, mit einer solchen Schülerin nicht nach der Stunde allein im Klassenraum zu sein. Da können schnell Gerüchte entstehen. Da muss man etwas aufpassen.
Ich hatte einmal eine Schülerin, die an der Tafel stand und fast nichts anhatte. Sie trug Hotpants und ein Tank Top ohne BH. Ich stand seitlich zur Tafel, habe das gesehen und dachte: Das gibt‘s doch gar nicht. Ich finde das ablenkend und belästigend. Das gehört nicht in die Schule. Wenn sowas häufiger vorkommt, würde ich die Schülerin nach der Stunde an die Seite nehmen und ihr etwas dazu sagen. Ich weiß auch von Kollegen, dass sie das schon gemacht haben. Bei einer Schülerin habe ich es mal scherzhaft versucht und gesagt: Wenn dir zu kalt wird, kann ich dir eine Wolldecke geben. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass heute mehr Schülerinnen freizügiger herumlaufen als früher. Das hängt eher vom jeweiligen Typ ab.
Ich finde es schlimm, wenn die Schülerinnen halbnackt unterwegs sind. Manche Röcke gehen so gerade über den Hintern und im Klassenraum sitzen sie dann nicht unbedingt mit übereinandergeschlagenen Beinen. Ich bin Klassenlehrerin - wenn ich das mitbekomme, spreche ich meine Mädels darauf an. Als Frau kann ich das gut machen. Manchmal kommen auch Kollegen zu mir und bitten mich um Unterstützung. Ich sage den Schülerinnen dann: Du darfst anziehen, was du möchtest, aber schau dann, wie du dich hinsetzt oder zieh noch was über. Es ist es wichtig, die Schülerinnen ernst zu nehmen und sich nicht über sie lustig zu machen. Natürlich wollen sie rebellieren. Aber es ist ein Unterschied, ob man in einer zerrissenen Hose oder einem ultrakurzen Rock dasitzt. Ich mache ihnen klar, dass es Gefahren mit sich bringt, so unterwegs zu sein. Wenn sie so im Bus sitzen, kann es sein, dass da jemand ein Foto macht. Das wollen sie ja auch nicht. In der Regel nehmen sie das an und am nächsten Tag sieht man, dass sie darüber nachgedacht haben. Die Jogginghosen bei den Jungs finde ich dagegen nicht so dramatisch.
Bei den Mädchen beginnt das Sexy-sein-wollen ab der 8. Klasse. Für meine Kollegen ist das schwierig: Wenn ein Mathelehrer hinter einer Schülerin mit tiefem Ausschnitt steht, um das Matheheft zu kontrollieren, wird die Schülerin häufig doch nervös und zupft an ihrer Kleidung herum. In solchen Fällen unterstütze ich die Kollegen und spreche die Mädchen an. Als Frau ist das einfacher. Die Schülerinnen denken vorher nicht darüber nach, was ihre Kleidung für die Lehrer bedeutet. Die Kollegen sind für sie wie ein Stück Kreide oder eine Tafel. Sie wollen für die Jungs in der Klasse sexy sein. Wenn ich das Thema Kleidung anspreche, gucken mich manche Schülerinnen ganz empört an und sagen, das sei hier doch nur Schule. Manchmal rufen auch Eltern die Schulleitung an und sagen, ich hätte in die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder eingegriffen. Aber wir haben hier auch einen Erziehungsauftrag. Und es gibt aus meiner Sicht nur ganz wenige Berufe, in denen es sinnvoll ist, so herumzulaufen. Man muss aber auch sagen, dass es früher, in der Zeit der Arschgeweihe, String-Tangas und tief sitzenden Jogging-Hosen schlimmer war. Ich denke, ich bin auch gelassener geworden. Wenn ich eine Schülerin zwei, drei Mal angesprochen habe, denke ich: Wenn du dich dann immer doch so kleidest, dann mach es eben.
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Just heute habe ich eine Schülerin angesprochen, die bauchfrei trug. Ihre Klassenlehrerin hatte mit ihr auch schon darüber gesprochen. Ich habe sie kurz an die Seite genommen und gebeten, darauf zu achten. Ich finde, die Schule ist kein Ort für zu tiefe Ausschnitte, bauchfrei oder zu kurze Hosen. Im Moment ist es ja in, viel bauchfrei zu tragen - teilweise sieht man da zehn bis fünfzehn Zentimeter Haut. Wenn ein so leicht bekleidetes Mädchen vor mir sitzt, versuche ich, explizit nicht dahin zu schauen. Ich glaube aber auch, dass die Schülerinnen bei ihrer Kleiderwahl weniger das Lehrpersonal, als ihre Mitschüler im Kopf haben. Über uns machen sie sich wahrscheinlich gar keine Gedanken. Bei den Jungs würde ich mir wünschen, dass einige mal nicht mehr mit Jogginghose kommen. Aber die Geschichte mit den Tops finde ich schon schwieriger. Wir haben gerade in unsere Schulordnung aufgenommen, dass keine Kleidung getragen werden soll, die zu viel Haut zeigt. Wir unterrichten ja auch nicht nur, sondern bereiten auch aufs Berufsleben vor. Wichtig ist dabei, dass da Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Elternvertreter an einem Strang ziehen.