Hamburg  Seuche in Schweinehochburg: Diese Schweinehaltung hat keine Zukunft mehr

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 03.07.2022 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Schwein wird auf einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest getötet. Ähnliche Szenen spielen sich gerade in Niedersachsen und Brandenburg ab. Foto: dpa-Zentralbild
Ein Schwein wird auf einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest getötet. Ähnliche Szenen spielen sich gerade in Niedersachsen und Brandenburg ab. Foto: dpa-Zentralbild
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In der Schweinehochburg Niedersachsens im Emsland bricht die Afrikanische Schweinepest aus. Dabei steckte die Branche auch so schon in einer schweren Krise. Welche Zukunft hat sie noch? Eine ernüchternde Analyse.

Die deutsche Schweinehaltung in ihrer jetzigen Form befindet sich im Niedergang. Die Bauern verdienen mit ihren Tieren schon lange kein Geld mehr und schließen Ställe. In den Schlachthöfen bleiben Schlachthaken leer. Und der Verbraucher? Macht immer öfter einen Bogen ums Schweinefleisch.

Ein Scheitelpunkt dieser Entwicklung zeichnet sich noch lange nicht ab, eine Konsolidierung ist nicht erkennbar. Zumal auch politisch keinerlei Impulse gesetzt werden. Halbgare Kennzeichnungspläne der Bundesregierung für Schweinefleisch verunsichern Schweinehalter mehr, als das sie Perspektive böten.

Ausgerechnet in diese Zeit fällt nun der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im deutschen Schweinegürtel. Millionen Tiere werden hier gehalten. Nicht auszudenken, wenn der Ausbruch außer Kontrolle geriete.

Angesichts der Entwicklung stellt sich einmal mehr die Frage: Wie soll der gesellschaftliche Wunsch und die politische Forderung nach einer besseren Tierhaltung - ergo: mehr Frischluft fürs Schwein - umgesetzt werden, wenn außerhalb der Ställe ein tödliches Virus grassiert? Einen Impfstoff gibt es nicht.

Die Antwort lautet: Mit dieser Dichte an Tierhaltung wie in der Region Weser-Ems oder in Westfalen ist die Zielvorstellung einer Freiluft-Schweinehaltung vorläufig nicht möglich. Zustände wie in der Geflügelhaltung, wo routiniert jedes Jahr Zehntausende Tiere wegen der Vogelgrippe gekeult werden, würden in der Schweinehaltung ganz sicher nicht akzeptiert. Die Empathie mit dem Schwein ist ausgeprägter als mit einer Pute.

Die Politik scheint aus dieser vielschichtigen Krise der Schweinehaltung keinen Gestaltungsauftrag abzuleiten. Die Gesellschaft, wohl gerade mit anderen Sorgen befasst, fordert es auch nicht ein. Auch wenn die Landwirtschaft als solche in Niedersachsen beispielsweise ein ebenso wichtiger Wirtschaftszweig ist wie der Autobau, ohne den manche Regionen keine Wohlstandsperspektive hätten.

In der akuten Notsituation, die die Schweinepest auf fast 300 Höfen auslöst, zeichnet sich kein Hilfsprogramm ab. All das bedeutet: Der Niedergang geht weiter.

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