Osnabrück  Corona-Pandemie: Wie Theater ihr Publikum zurückgewinnen wollen

Ralf Doering
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Von Ralf Doering
| 03.07.2022 11:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vorbereitung für Uraufführung der Naturoper ·Wölfe· Foto: Jens Büttner
Vorbereitung für Uraufführung der Naturoper ·Wölfe· Foto: Jens Büttner
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Eigentlich könnte alles gut sein: Theater und Museen, Kinos und Konzertsäle dürfen seit einigen Monaten wieder öffnen wie vor der Corona-Pandemie. Doch das Publikum reagiert zurückhaltend. In einer Serie fragen wir in Kulturinstitutionen nach, wie die Saison zu Ende geht und wie das Publikum zurückgewonnen werden soll.

Seit die Corona-Auflagen für Theater gefallen sind, dürfen sich die Geschäftsführer wieder über ausverkaufte Vorstellungen freuen. Das Vor-Corona-Niveau der Auslastungszahlen erreichen die Theater trotzdem nicht. Gleichzeitig treibt der russische Angriffskrieg in der Ukraine die Preise für Energie nach oben und heizt die Inflation an. Was bedeutet das für die Theater im Norden? Wir haben nachgefragt: In Schwerin, Flensburg, Osnabrück und Hamburg.

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin: In der Szene herrscht gedämpfter Optimismus. In der zu Ende gehenden Spielzeit sind die Auslastungsquoten und die reinen Zuschauerzahlen gestiegen im Vergleich zur Spielzeit davor. Aber die Zahlen liegen unter denen der Vor-Corona-Zeit. Christian Schwandt, Geschäftsführender Direktor des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin rechnet für dieses Kalenderjahr mit 60000 Zuschauern, nach 35000 im Jahr 2020 und 45000 im Jahr 2021. Vor Corona, im Jahr 2019 verkaufte das Theater 144000 Tickets. Trotzdem: Der Anstieg in diesem Jahr stimmt ihn hoffnungsfroh.

Schleswig-Holsteinisches Landestheater: Intendantin und Geschäftsführerin Ute Lemm vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater vermeldet ebenfalls “Publikumszuwachs gegenüber der letzten Saison.” Aber sie sagt auch: “Corona ist nicht vorbei.” Zwei Jahre habe man den Menschen gesagt, “haltet Abstand.” Das wirkt nach: “Die Menschen haben sich auf dem Sofa eingerichtet”, sagt Lemm.

Theater Osnabrück: Matthias Köhn, Kaufmännischer Direktor des Theaters Osnabrück, rechnet für die zu Ende gehende Spielzeit mit einer Auslastung von 66 Prozent - in normalen Jahren erreicht das Theater 80 bis 82 Prozent. “Die Kunden sind noch vorsichtig”, konstatiert er. Aber: “Es gibt durchaus volle Vorstellungen.”

Staatsoper Hamburg: An der Staatsoper Hamburg sind das die Premieren. “Seit Ende April 2022 spielen wir unser Programm wie geplant ohne Einschränkungen und sehen einen Angleich der Verkaufszahlen an frühere Jahre”, teilt der Geschäftsführende Direktor Ralf Klöter mit. Im November durfte das Haus die Platzlimitierung aufheben; die Auslastung erreichte für November und Dezember “fast das Niveau der Monate November und Dezember im Jahr 2019.” Kurz darauf, im Januar und Februar dieses Jahres, habe der Besuch “10 bis 30 Prozentpunkte unter demjenigen der Vorjahre ohne Pandemie” gelegen. Zuletzt erzielten Neuproduktionen Zahlen wie vor der Pandemie, während bei Repertoireaufführungen die Auslastung zehn bis fünfzehn Prozent unter dem Niveau der Vorjahre liege.

Schwerin: Der nächsten Spielzeit blickt Klöter “optimistisch entgegen”, und die anderen Häuser tun es ihm gleich. Dabei hat sich eine bedrohliche Kulisse aufgebaut. Niemand weiß, wie sich die pandemische Lage entwickelt, niemand weiß, welche Höhen die Energiekosten erklimmen werden. Schwandt ist sich “sicher, dass die Leute kommen.” Und notfalls kämpft mir mit Sonderangeboten ums sein Publikum.

Osnabrück: Sein Osnabrücker Kollege Köhn hält davon nichts. “Ich bin kein Freund davon, Tickets zu verramschen”, sagt der Osnabrücker Geschäftsführer. Er rührt lieber die Werbetrommel, legt gezielte Aktionen auf und exakt zugeschnittene Angebote. Aber er rechnet mit “25 Prozent weniger Vorstellungseinnahmen.” Gleichzeitig steigen nicht nur Energiekosten, sondern auch Gagen und Gehälter. “Das werden wir nicht alleine schaffen”, sagt Köhn. “Da müssen die Zuschussgeber entscheiden, was sie wollen.” Anders gesagt: Köhn sieht das Land Niedersachsen und die Stadt Osnabrück in der Pflicht, bei den Zuschüssen fürs Theater nachbessern. Letztlich müssen das Landesparlament in Hannover und das Stadtparlament in Osnabrück entscheiden, ob das Theater mehr Geld bekommt.

Flensburg: Lemm hingegen weiß bereits, dass ihre Landesbühne Mehrkosten selbst erwirtschaften muss. Deshalb setzt sie aufs Publikum: “Dessen Lust neu zu wecken, ist unsere Herausforderung”, sagt sie. “Wir werden alles tun, damit Menschen wieder ins Theater kommen.”

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