Hannover  Afrikanische Schweinepest im Emsland: Sauen und Ferkel werden getötet

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 02.07.2022 12:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Verdacht hat sich bestätigt: Im Landkreis Emsland in Niedersachsen ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. (Symbolfoto) Foto: Frederik von Erichsen/dpa
Der Verdacht hat sich bestätigt: Im Landkreis Emsland in Niedersachsen ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. (Symbolfoto) Foto: Frederik von Erichsen/dpa
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Nun ist es amtlich: In Niedersachsen gibt es den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest. Das hat das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Samstag bestätigt. Betroffen ist ein Betrieb aus dem Emsland. Hunderte Schweine werden notgetötet.

„So ‘ne Schiete”, entfuhr es Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am Ende der Pressekonferenz. Sie hatte gerade das verkündet, was viele seit Jahren befürchtet haben: Die Afrikanische Schweinepest hat Niedersachsen erreicht. Nicht nur das. Die Tierseuche ist auf einem Betrieb in Emsbüren im Landkreis Emsland ausgebrochen und damit in der Hochburg der deutschen Schweinehaltung.

Jetzt herrscht Seuchenalarm. Gelingt es nicht, den Ausbruch einzudämmen, hätte das noch fatalere Folgen als ohnehin schon. Millionen Schweine werden in der Region Weser-Ems und im angrenzenden Westfalen gehalten.

Die Pest ist für Menschen zwar ungefährlich, für Schweine aber fast immer tödlich. Sie bekommen sehr schnell sehr hohes Fieber, sie fressen nicht mehr, die Haut verfärbt sich. Es endet mit dem Tod. All das kann sich binnen weniger Stunden abspielen.

Dem betroffenen Schweinehalter in Emsbüren im Landkreis Emsland war wohl Ende der Woche aufgefallen, dass es mindestens einer Sau im Stall nicht gut ging. Der Betrieb hält Sauen und verkauft Ferkel an andere Schweinehalter. Bei einer Tierseuche eine besonders brisante Konstellation.

Der hinzugerufene Tierarzt alarmierte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Dessen Laboruntersuchungen bestätigten: Es ist die Afrikanische Schweinepest. Zur Sicherheit prüften auch noch die Tierseuchen-Experten des Bundes beim Friedrich-Loeffler-Institut. Das Ergebnis blieb dasselbe. Am Samstagmorgen traf die Rückmeldung bei den Behörden in Niedersachsen ein.

Für die Schweine auf dem Betrieb ist dies das Todesurteil - egal, ob schon infiziert, oder noch nicht. Die 280 Sauen und 1500 Ferkel werden am Sonntag notgetötet. Eine Spezialfirma übernimmt diese Aufgabe.

Womöglich werden noch weitere Schweine in Niedersachsen gekeult: Der betroffene Hof lieferte im möglichen Infektionszeitraum nach Angaben des Agrarministeriums Ferkel an einen anderen Betrieb in der Gemeinde Freren, ebenfalls Landkreis Emsland.

Hier soll noch im Laufe des Wochenendes entschieden werden, was mit den Tieren geschieht. Um wie viele Schweine es auf diesem sogenannten Kontaktbetrieb geht, war am Samstag vorläufig nicht klar.

Weitere Verbindungen zu anderen Höfen haben die Behörden bislang nicht entdeckt. Auch nicht zu einem landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Uckermark, Brandenburg, auf dem ebenfalls am Freitag die Seuche entdeckt wurde. Hier werden 1300 Schweine notgetötet.

Aber auch so hat der Ausbruch Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Westen von Niedersachsen: Die Behörden werden eine Sperrzone um den Hof errichten, Radius: zehn Kilometer. Er umfasst Teile der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim. Das angrenzende Westfalen und die Niederlande sind nicht berührt.

Innerhalb des Radius liegen nach Behördenangaben 296 weitere Höfe mit insgesamt 196.000 Schweinen. Sie werden nicht nur unter besondere Beobachtung gestellt. Für sie gelten spätestens ab Dienstagfrüh - so lange brauchen die Behörden, um entsprechende Verfügungen rauszugeben - Transportverbote für Schweine. Auch Gülle darf nicht mehr ausgebracht werden. Nur in Absprache mit den Veterinärämtern dürfen Schweine aus diesen Betrieben zu Schlachthöfen gebracht werden.

Agrarministerin Otte-Kinast appellierte an die Bauern in der Region, nun nicht in Hektik zu verfallen und Schweine quer durchs Land zu transportieren, um die Restriktionen ab Dienstag zu umgehen. “Wir müssen verhindern, dass sich diese Tierseuche ausbreitet”, sagte Otte-Kinast. Aus dem Punkteintrag im Emsland dürfe kein Flächenbrand werden.

Wie der Erreger in den Stall kam, ist indes noch vollkommen unklar. Schweineställe sind in der Regel gut nach außen hin abgeschottet. Ein Staubkorn könne aber schon reichen, an das sich das Virus gehaftet hat, betonte Michael Kühne, oberster Tierseuchenbekämpfer im Landwirtschaftsministerium.

Die Einschränkungen gelten nun zunächst für mindestens einen Monat. Transitverkehr mit Schweinen ist nicht betroffen. Emsbüren grenzt an die Autobahnen 31 und 30, auf denen viele Tiertransporte unterwegs sind. In der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es zwei sehr große und mehrere kleine Schweineschlachthöfe.

Schutzzäune werden indes nicht aufgebaut im Emsland. Dies wäre notwendig geworden, wäre der Erreger bei Wildschweinen nachgewiesen worden. Das ist bislang in Niedersachsen anders als in anderen Bundesländern nicht der Fall. Mehr als 4000 Kadaver mit dem Virus sind in den zurückliegenden Jahren vor allem in ostdeutschen Bundesländern entdeckt worden.

Tierhaltungen waren bislang nur vereinzelt betroffen, zuletzt ein kleiner Biobetrieb in Baden-Württemberg. Den größten Ausbruch verzeichnete ein schweinehaltender Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern. Hier mussten im vergangenen Jahr mehr als 4000 Schweine notgetötet worden.

Schon da herrschte Alarmstimmung in Niedersachsen. Der Hofbesitzer aus dem Landkreis Rostock war kurz vor Ausbruch noch in Niedersachsen jagen und hatte einen Bauernhof mit Schweinen im Landkreis Hameln-Pyrmont besucht.

Damals blieb Niedersachsen noch verschont von der Seuche. Nun trifft es auf eine ohnehin krisengebeutelte Branche. Die Schweinefleischpreise sind niedrig. Unter anderem, weil der Export nach den ersten Schweinepest-Nachweisen in Brandenburg zusammengebrochen war. China will kein Fleisch mehr aus Deutschland. Angesichts der aktuellen Ausbrüche wird sich daran erst einmal auch nichts ändern.

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