Osnabrück Olaf Zimmermann: Das hätte das Ende der Documenta sein können
Mit antisemitischen Bildern können wir nicht leben: Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, kritisiert die Documenta-Leitung und fordert ein Umsteuern.
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, fordert eine organisatorische Neuausrichtung der Documenta. "Die Frage ist doch, wie eine internationale Großausstellung im 21. Jahrhundert geführt werden muss, um erfolgreich zu sein. Ich finde es notwendig, dass Bund, Land und Kommune bei dieser Aufgabe zusammenwirken", sagte Zimmermann im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Kulturexoperte attestiert der Leitung der Documenta einen massiven Kontrollverlust. Die organisatorischen Defizite seien viel gravierender als vor fünf Jahren, als die Documenta wegen eines deutlichen Defizits im Etat in Schieflage geriet. "Der Kontrollverlust der Documenta vor fünf Jahren betraf das Defizit im Budget und damit Geld. Damals wurden schon massive Probleme bei der Steuerung Documenta deutlich. Jetzt betrifft der Kontrollverlust die inhaltliche Seite und das ist viel schlimmer", stellte Zimmermann fest.
Nach seiner Ansicht sei die Documenta nun konkret gefährdet gewesen. Zimmermann deutlich: "Ich freue mich sehr darüber, dass die Documenta nicht abgesagt worden ist. Der Antisemitismusskandal hätte das Ende der Documenta sein können. Die Institution Documenta ist jetzt jedenfalls massivst beschädigt". Es helfe jetzt nicht weiter, in Kassel beleidigt zu reagieren. Nach den Worten Zimmermanns muss die Leitung der Documenta proaktiv reagieren und den Dialog aufnehmen. Dabei sieht Zimmermann vor allem die künstlerische Leitungsgruppe Ruangrupa in der Pflicht.
Olaf Zimmermann kritisierte zugleich den Umgang mit Ruangrupa. "Es ist nicht gut, dass die Leute von Ruangrupa jetzt in einigen Medien wie unmündige Kinder dargestellt werden, die nicht so richtig gewusst hätten, was sie tun. Das ist tendenziell rassistisch. Ruangrupa wissen genau was sie tun und müssen jetzt auch Verantwortung übernehmen. Sie gehören nicht, wie bei der letzten Diskussion in Kassel ins Publikum, sondern auf das Podium", sagte der Geschäftsführer des Kulturrates. Laut Zimmermann ist der Vergleich von Ruangrupa mit Joseph Beuys nicht zielführend: "Jetzt werden permanent Ruangrupa und Joseph Beuys verglichen. Der Vergleich passt nicht. Beuys hat auf der Documenta permanent die Debatte geführt. Ruangrupa macht das nicht, sie verweigern die Auseinandersetzung. Beuys war als Künstler eingeladen, er hat die Documenta seinerzeit nicht kuratiert."
Zugleich geht Zimmermann mit den Verantwortlichen der Documenta ins Gericht. Der Skandal um die antisemitischen Bildmotive sei absehbar gewesen. Dennoch habe man in Kassel nicht umgesteuert. "Der Skandal um Antisemitismus auf der Documenta hätte nicht passieren müssen. Das war ein Eklat mit Ansage. Es ist mir unverständlich, warum man die Warnungen vor möglichen antisemitischen Inhalten nicht ernst genommen und den Zentralrat der Juden nicht sofort mit eingebunden hat", sagte Zimmermann. In der Beurteilung der inzwischen Bilder der Künstlergruppe Taring Padi ist er eindeutig: "Ein solches antisemitisches Werk wie von Taring Padi kann man in Deutschland nicht zeigen. Wir können damit nicht leben und das ist gut so".