Zu trockene Sommer Wasserversorgung läuft auf Reserve
Zu wenig Niederschläge und ein zu hoher Verbrauch: Der Wasserverband OOWV schlägt Alarm und sucht nach Wegen für mehr Versorgungssicherheit.
Aurich/Brake - Wasser ist ein kostbares Gut – und es ist ein knappes Gut. Immer öfter muss der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) dazu aufrufen, sparsam mit Wasser umzugehen. Erst vor zwei Wochen waren die Kapazitätsgrenzen der 15 Wasserwerke zeitweise erreicht, nur noch aus den Speichern konnten die Verbraucher versorgt werden.
„Wir fahren auf Reserve“, sagt OOWV-Sprecher Heiko Poppen auf ON-Anfrage. Bereits jetzt habe die jährliche Trinkwasserabgabe mit rund 85 Millionen Kubikmetern die Menge erreicht, die erst für 2028 prognostiziert worden sei. Dabei betrügen die Wasserförderrechte unverändert knapp 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr.
Zwei neue Wasserwerke werden gebraucht
Diese Förderrechte müssen nun ausgeweitet werden. Denn die Kommunen weisen immer neue Bau- und Gewerbegebiete aus, zudem wird bei Trockenheit die Gartenbewässerung mehr eingeschaltet. Der OOWV ist deswegen laut Poppen auf der Suche nach Standorten für zwei neue Wasserwerke – auch im Landkreis Aurich. „Wir müssen im gesamten Verbandsgebiet suchen“, sagt Poppen. Denn der OOWV stoße auf erheblichen Widerstand in den Kommunen, wenn es um zusätzliche Wasserrechte geht.
Der Verband wird laut Poppen verantwortlich gemacht, wenn das Grundwasser absinkt oder der Wasserstand in Gewässern abnimmt. „Der OOWV fördert aber nur so viel Wasser wie benötigt wird und wenn unsere Abgaben steigen, folgen wir damit lediglich einem steigenden Bedarf.“ Mehr Baugebiete, mehr Gewerbegebiete würden nun einmal einen steigenden Bedarf nach sich ziehen. Hinzu komme die Problematik, dass durch automatisierte Gartenbewässerungssysteme der Verbrauch teilweise sprunghaft ansteigt.
Kommunen wollen Förderung drosseln
Viele Kommunen wollen bei Verhandlungen über die Wasserförderrechte dem Verband daher lieber weniger zugestehen als mehr. Hinzu kommt die Konkurrenz aus der Nachbarschaft. So will die Verkehr und Wasser GmbH, zuständig für die Versorgung der Stadt Oldenburg, im Hegeler Wald in Großenkneten Wasser fördern. Das Gebiet liegt außerhalb des VWG-Gebietes, dort ist der OOWV bereits mit seinem größten Wasserwerk vertreten. Es gibt erheblichen Widerstand gegen eine weitere Förderung.
Um die Nachfrage bedienen zu können, setzt der OOWV auch auf die Nutzung von Brauchwasser. In etlichen industriellen und gewerblichen Prozessen kann dieses laut Poppen Anwendung finden. Der OOWV habe mit verschiedenen Partnern Projekte gestartet, mit denen insgesamt 3,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch Brauchwasser in verschiedenen Qualitäten ersetzt werden könne. Außerdem werde das Verbundnetz gestärkt, zum Beispiel durch den Bau einer neuen Transportleitung über 40 Kilometer vom Landkreis Friesland in den Landkreis Wesermarsch für 60 Millionen Euro. So können sich die 15 Wasserwerke besser untereinander aushelfen.
Verbraucher sollen Wasser auffangen
Generell gelte aber, so Poppen, dass es genug Wasser für alle gebe, wenn jeder sorgsam damit umgehe. Engpässe ließen sich vermeiden, wenn vor allem auf die Bewässerung des Rasens mit Trinkwasser verzichtet werde. Hilfreich sei es auch, den Wasserverbrauch zu den Spitzenzeiten in den Morgen- und Abendstunden zu reduzieren und das Duschen oder Wäschewaschen beispielsweise auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.
Verstärkt soll nun auch mit den Kommunen im Verbandsgebiet über die Regenrückhaltung gesprochen werden. Der OOWV will dazu beitragen, im Winter Wasser aufzufangen, um im Sommer einen Vorrat zu haben. Es gebe bereits Kommunen, die den Bau von Zisternen fördern würden. Auch Rigolen, mit deren Hilfe Wasser besser vor Ort versickern könne, seien hilfreich. Wichtig sei es auch, wo möglich Flächen zu entsiegeln.