Kritik an Kirchenaustritten  Scharfe Töne aus Norden

| | 27.06.2022 19:52 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Superintendent des Kirchenkreises Norden, Dr. Helmut Kirschstein, führte Pastorin Katrin Krüger 2019 in ihr Amt in Marienhafe ein. Foto: Andrea Henkelmann
Der Superintendent des Kirchenkreises Norden, Dr. Helmut Kirschstein, führte Pastorin Katrin Krüger 2019 in ihr Amt in Marienhafe ein. Foto: Andrea Henkelmann
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Nach Kritik von Marienhafer Pastorin äußert sich Superintendent Dr. Helmut Kirschstein zur Pfarrstellensituation im Brookmerland. Zudem kanzelt er austretende Kirchenmitglieder ab.

Brookmerland - Zu einer Stellungnahme zur Pfarrstellen-Situation im Brookmerland sieht sich der Superintendent des Kirchenkreises Norden, Dr. Helmut Kirschstein, veranlasst. Hintergrund ist die Ankündigung der Marienhafer Pastorin Katrin Krüger, ihre Stelle in Marienhafe nach nur dreijähriger Tätigkeit zu verlassen und ab Februar 2023 als Schulpastorin an den Berufsbildenden Schulen II in Emden zu arbeiten. Zur Begründung für ihre Entscheidung hatte Krüger auf die Arbeitsbedingungen in Marienhafe verwiesen. Die Kirchengemeinde habe ein „strukturelles Problem“ und sei mit 4229 Gemeindemitgliedern zu groß für eine Pastorin, so Krüger.

Das sieht Kirschstein offenbar anders. In einer Mitteilung äußert er zunächst Verständnis: „Zur persönlichen Situation der engagierten Pastorin passt gegenwärtig ein Einsatz sicherlich besser, der sich an einem festen Stundenplan orientieren kann“, so Kirschstein. Er freue sich darüber, dass Krüger ihr „großes Potenzial“ nun insbesondere für junge Menschen einbringen werde, schickt er voraus.

„Marienhafe steht nicht schlechter da“

Dann stellt er fest: „Marienhafe steht grundsätzlich nicht schlechter da als andere Gemeinden im Kirchenkreis Norden.“ Krüger sei nicht allein für die 4229 Gemeindeglieder in Marienhafe zuständig, sondern könne sich, wie berichtet, auf die „nicht minder engagierte“ Gemeindediakonin Monika Bauer verlassen. Bauer arbeite seit 2013 „pastoral“, übernehme im Wechsel mit der Pastorin also nicht nur den regelmäßigen Predigtdienst, sondern sei auch seelsorgerlich für einen Teil der Gemeinde zuständig und werde „bis zu einem gewissen Umfang“ bei Trauerfeiern eingesetzt. Der Arbeitsumfang von Diakonin Bauer werde im Sinne einer 0,75-Pfarrstelle berechnet, sodass die große Gemeinde Marienhafe rechnerisch 1,75 Pfarrstellen umfasse. Die Gemeinde selbst habe sich unter Befürwortung ihres früheren Pastors Eskil Wohlberg für diese Lösung entschieden, nachdem man – wie in anderen Kirchengemeinden auch – ab 2013 auf eine Viertel-Pfarrstelle verzichten musste, so der Superintendent.

Das „Gebot der Fairness und Vergleichbarkeit“ habe auch sonst allen Planungen im Kirchenkreis Norden zugrunde gelegen. So hätten die Pfarrämter Rechtsupweg/Siegelsum (zusammen 1918 Gemeindemitglieder, Anm. d. Red.) und Osteel/Leybucht (1959) deshalb eine etwas geringere Zahl von Gemeindegliedern zu betreuen, weil sie für zwei Gemeinden, für zwei Kirchenvorstände und auch weitere Gemeindekreise zuständig seien, erklärt Kirschstein. Zudem verweist er darauf, dass Leezdorfs Pastor Peter Riesebeck nicht nur in seiner 1243 Mitglieder zählenden Gemeinde arbeite, sondern auch mit einem Viertel Stellenanteil im Religionsunterricht am Norder Ulrichsgymnasium. Wie berichtet, soll dieser Anteil künftig auf eine halbe Stelle angehoben werden.

Superintendent erkennt keine Fehler

„Es kann sich also niemand ungerecht behandelt fühlen“, so der Superintendent. Bei der jüngsten Tagung der Kirchenkreissynode habe niemand aus dem Brookmerland den aktuellen Planungen für den Zeitraum 2023 bis 2028 widersprochen. Das Gesamtpaket sei mit großer Mehrheit verabschiedet worden, betont Kirschstein.

Selbstverständlich wäre es schön, wenn in den Kirchengemeinden des Brookmerlands und überhaupt im Kirchenkreis Norden mehr Pastorinnen und Pastoren eingesetzt werden könnten, so der Superintendent. „Planerische Fehler“ könne er aber nicht erkennen. Alle Verantwortlichen hätten über viele Jahre vorbildlich für den Erhalt von Pfarrstellen gekämpft, betont er.

Kritik an Austritten

Der entscheidende Fehler liege bei denjenigen, die aus der evangelischen Kirche austreten und sich dann beschwerten, dass die Kirche zu wenig Personal vorhalte. „Wer der Kirche seine finanzielle Unterstützung entzieht, darf sich nicht wundern, dass die Betreuung vor Ort nicht im erwünschten Sinn fortgeführt werden kann“, kritisiert Kirschstein.

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