Jobcenter des Landkreises Aurich Hartz IV für fast 1100 Flüchtlinge aus Ukraine
Ursprünglich erhielten die Kriegsflüchtlinge Asylbewerberleistungen. Durch einen Zuständigkeitswechsel sind sie nun besser abgesichert. Bevor sie arbeiten können, gibt es aber noch Herausforderungen.
Aurich - Seit knapp einem Monat sind die Jobcenter für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zuständig. Wie der Leiter des Kreis-Jobcenters, Ewald Focken, auf ON-Anfrage mitteilte, bekommen im Landkreis Aurich jetzt 1095 ukrainische Flüchtlinge Hartz-IV-Leistungen – die sogenannte Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Sozialgesetzbuch II. Bisher bekamen die Kriegsflüchtlinge Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Die Hartz-IV-Leistungen seien höher und böten eine bessere Absicherung, unter anderem dank einer Krankenversicherung, so Jobcenter-Chef Focken.
Insgesamt sind den Angaben zufolge 513 sogenannte Bedarfsgemeinschaften hinzugekommen, davon 227 in Aurich und 286 in Norden.
Mehr als zwei Drittel sind weiblich
Von den 1095 Menschen sind 750 weiblich (rund 69 Prozent). Erfasst wurden 355 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sowie 197 junge Erwachsene unter 25 Jahren. 285 Betroffene sind 25 bis 39 Jahre alt und 258 älter als 40 Jahre.
Zunächst musste das Jobcenter den eigentlichen Leistungsbezug und damit auch die Krankenversicherung sicherstellen. Anschließend wurde damit begonnen, die beruflichen Kenntnisse, den Bedarf an Sprachförderungen und die Möglichkeiten und Motivation zur Aufnahme einer Arbeit auszuloten, so Focken. Die Sprachkenntnisse seien ganz unterschiedlich, pauschal lasse sich darüber nichts sagen. Erste Sprachkurse konnten bereits realisiert werden, betont der Amtsleiter.
Vereinzelt haben Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine auch bereits eine Arbeit aufgenommen, so Focken.
Hauptproblem weiterhin Wohnraum
Die Probleme, die den Landkreis derzeit am stärksten fordern, seien die Unterbringung in dauerhaften Wohnraum, die Kinderbetreuung und die Aufnahme in den Schulen. Erst nach Zuweisung einer Wohnung können diese Anforderungen umgesetzt werden, heißt es vom Landkreis.
Bezüglich der Leistungsgewährung wäre es hilfreich, wenn alle Geflüchteten zeitnah über ein Konto verfügen würden, da sonst nur Scheckzahlungen veranlasst werden können. „Hier gab es Verzögerungen und Probleme, da durch zwischenzeitliche Umzüge die Postanschrift nicht mehr stimmte“, heißt es vom Jobcenter.
Ansonsten habe die Umstellung aber weitgehend reibungslos geklappt. Um die mehr als 1000 zusätzlichen Hartz-IV-Empfänger betreuen zu können, hat das Jobcenter drei neue Mitarbeiter eingestellt.