Pläne für „An der Diere“ vorgestellt  Politik soll Stellung zu umstrittenem Baugebiet nehmen

| | 24.06.2022 16:27 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
An der Leerer Landstraße in Aurich soll ein neues Baugebiet entstehen. Das Projekt ist aber umstritten. Foto: Aiko Recke
An der Leerer Landstraße in Aurich soll ein neues Baugebiet entstehen. Das Projekt ist aber umstritten. Foto: Aiko Recke
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Die Auricher Stadtverwaltung hat den aktuellen Planungsstand zum Baugebiet „An der Diere“ vorgestellt. Das Projekt steht an einem Wendepunkt.

Aurich - Noch gehen die Planungen für das Baugebiet „An der Diere“ in Aurich weiter voran. Die Verwaltung erwartet nun aber eine Rückmeldung aus der Politik, bevor weitere Vorarbeiten in Auftrag gegeben werden. „Investoren brauchen Klarheit“, erklärte die Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Donnerstag im städtischen Bauausschuss. „Soll in weitere Gutachten investiert werden oder bleiben wir auf diesem Stand stehen?“, fragte sie. Die Verwaltung würde aktuell bei dem umstrittenen Projekt „keinen Schritt weiter gehen“.

Für einige Ausschussmitglieder kam die Aufforderung der Verwaltung überraschend. Reinhard Warmulla (Linke) kritisierte, dass das Thema vor der Sitzung nicht angekündigt wurde. Gleicher Meinung war Gila Altmann (Grüne): „Wir können das noch nicht bewerten, die Unterlagen müssen erst studiert werden.“ Busch-Maaß betonte daraufhin, dass es noch nicht um einen Beschluss zu dem Projekt gehe. Man wolle lediglich den aktuellen Sachstand mitteilen. Die Diskussion zum Projekt soll nun in der nächsten Sitzung des Ausschusses erfolgen.

Wohneinheiten und Gewerbe geplant

Busch-Maaß stellte die bisherigen Pläne gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des beauftragten Planungsbüros vor. Das Baugebiet liegt zwischen der Leerer Landstraße (B 72) und dem Ems-Jade-Kanal an der namensgebenden Straße „An der Diere“. Es umfasst etwa 136.000 Quadratmeter. Zwischen 117 und 158 Wohneinheiten könnten dort entstehen. Im Bereich an der Bundesstraße ist außerdem die Ansiedlung von Gewerbe sowie der Bau eines Feuerwehrhauses geplant. Auch Seniorenwohnen ist dort möglich. In der Mitte ist zudem eine freie Fläche um einen bereits bestehenden Graben vorgesehen. Die Erschließung soll über die Leerer Landstraße erfolgen. Im südlichen Bereich ist eine Anbindung an den Radweg entlang des Ems-Jade-Kanals möglich. Das Baugebiet sieht nach derzeitigem Stand sowohl Einzel- und Doppelhäuser als auch Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser vor. Die bestehenden Wallhecken sollen laut Planungsbüro möglichst nicht beeinträchtigt werden – an einigen Stellen müssen sie aber verlegt werden.

Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD) sagte im Anschluss der Präsentation, dass ihre Fraktion den Bau des Feuerwehrhauses akzeptiere – nicht aber eine Wohnbebauung. „Es gibt bereits genügend Baugebiete, auf dem Kasernengelände entsteht ein ganz neuer Stadtteil. Der Druck ist bei den aktuellen Baukosten eher rückläufig“, meinte sie. Arnold Gossel (CDU) befürwortete die Pläne, insbesondere den Schutz der Wallhecken. Auch Richard Rokicki (AWG) sprach sich dafür aus, die Pläne weiter voranzutreiben. „Wir hecheln beim Bauen immer hinterher“, sagte er.

Das Baugebiet ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Neben der Frage, ob es weiteren Bedarf an Bauplätzen gibt, ist das Gelände für Forscher interessant. Naturschützer vermuten auf dem Gelände des Baugebietes sogenannte Pingo-Ruinen. Dabei handelt es sich um geologische Überreste von Hügeln aus der Eiszeit. Außerdem soll das Gebiet ebenfalls von Kiebitzen beheimatet sein. Damit kommen weitere Bedenken seitens des Naturschutzes hinzu.

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