Westerland  Gemeinde hat genug: Wie Sylt den Punkerhorden beikommen will

Barbara Glosemeyer
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Von Barbara Glosemeyer
| 24.06.2022 09:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Betonklötze, ein Brunnen ohne Wasser und jetzt ein Zaun: Sind das die geeigneten Mittel gegen Punks in der Innenstadt? Bürgervorsteher Frank Zahel wünscht sich drastischere Maßnahmen.

Das vierte Wochenende nach der Einführung des 9-Euro-Tickets steht bevor und damit die Befürchtung, dass erneut Hunderte Punks auf die Insel kommen. Die Lage spitzt sich zu, weil die Existenzen umliegender Geschäfte ernsthaft gefährdet sind und Wildpinkelei, Pöbeleien und Ruhestörung nicht duldbar sind. Um Herr der Lage zu werden, wurden jetzt Betonklötze gegen das Wildpinkeln gestapelt, es wurde das Brunnenwasser abgelassen und am Donnerstagmorgen ließ die Gemeinde Sylt den Brunnen umzäunen.

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Mögliche Lösungen sollte auch ein Runder Tisch bringen, der am Donnerstagmorgen mit Bürgermeister Nikolas Häckel und Vertretern von Ordnungsamt, Polizei, Tourismus stattfand. Über die Ergebnisse wurden gestern nur wenig bekannt. In der Hauptausschussitzung am kommenden Dienstag steht das Punk-Problem unter dem Titel „Situation Westerländer Innenstadt“ erneut auf der Tagesordnung. Noch wird um richtige und vor allem wirkungsvolle Lösungen gerungen und diskutiert.

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Bürgervorsteher Frank Zahel äußerte bereits am Montagabend im Gespräch mit shz.de seine Sorgen angesichts der sich zuspitzenden Lage. „Grundsätzlich sind erst einmal alle auf dieser Insel willkommen − von List bis Hörnum soll hier jeder seine Lebensform ausleben dürfen − und mir ist völlig egal, ob er lila oder gelbe Haare hat“, sagt Zahel. Aber das gelte nur, wenn man sich so verhalte, wie man es sich auch von jedem anderen wünsche, schränkt der Bürgervorsteher ein. Und das sei ganz deutlich bei einigen Sylt-Gästen, die seit drei Wochen die Insel belagerten, nicht der Fall und deshalb nicht länger hinnehmbar. „Wir können nicht tolerant gegenüber Menschen sein, die andere einschüchtern, aggressiv betteln, massiv Alkohol konsumieren, ihr Umfeld verdrecken und die Existenz von Gewerbetreibenden gefährden“, so Zahel. Kein Ort der Welt dürfe so etwas zulassen.

Um die Polizei zu unterstützen, deren Hände gebunden seien solange keine Straftat vorliege, spricht sich der Bürgervorsteher dafür aus, Sicherheitsdienste zu beauftragen, die für Ruhe und Ordnung sorgen und die Betreffenden ansprechen sollen. Darüber regt Zahel an, rechtlich prüfen zu lassen, ob man an den neuralgischen Punkten in der Westerländer Innenstadt wie am Bahnhof, an der Strandstraße und am Brunnen ein Alkoholverbot verhängen könnte. Die Stadt Hamburg hatte während der Pandemie Alkoholverbote in den Partyzonen auf der Reeperbahn und St. Pauli verhängt, um größere Menschenansammlungen und erhöhte Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

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Darüber hinaus würde sich Zahel wünschen, dass mit Blick auf eine gerade erst beginnende Saison das Problem inselweit diskutiert würde und dafür in einem nächsten Schritt ein Treffen stattfindet, an dem auch die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Amtsgemeinden teilnehmen können. „Es ist gut und richtig, wenn wir uns inselweit abstimmen und miteinander gemeinsame Lösungen finden“, so Zahel abschließend.

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