Prozess am Landgericht  16-Jährige soll zur Prostitution gezwungen worden sein

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 23.06.2022 18:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Statue von Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit. Foto: DPA
Eine Statue von Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit. Foto: DPA
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Gegen eine 37-Jährige aus Aurich hat am Mittwoch der Prozess begonnen. Doch die Beweisaufnahme gestaltet sich schwierig.

Aurich – Unter dem Vorwand, als Kindermädchen in Aurich gebraucht zu werden, machte eine heute 19-jährige Slowakin sich 2019 auf den Weg nach Ostfriesland. Dort sollen ihr dann kurz nach der Ankunft die Ausweispapiere weggenommen und sie zur Prostitution gezwungen worden sein. Auch Gewalt und Drohungen sollen im Spiel gewesen sein. Beschuldigt wird eine 37-Jährige aus Aurich, die ebenfalls aus der Slowakei stammt. Am Mittwoch hat vor dem Landgericht Aurich der Prozess gegen sie begonnen. Doch die Beweisaufnahme gestaltet sich schwierig.

Besonders schwere Zwangsprostitution und Zuhälterei lautet der Vorwurf gegen die Angeklagte. Sie soll die heute 19-Jährige mehrmals wöchentlich zum Geschlechtsverkehr mit Freiern in einem Waldstück gezwungen haben. Das Geld, was die Männer ihr dafür gaben, soll die Angeklagte eingezogen haben. Insgesamt geht es laut Anklageschrift um rund 5400 Euro.

19-Jährige kann nicht zum Gerichtstermin erscheinen

Die Angeklagte wies die Vorwürfe von sich. „Ich habe sie nicht verkauft, geschlagen oder irgendetwas“, sagt sie am Mittwoch vor Gericht. Es sei die Idee der Mutter des Mädchens gewesen, dass sie nach Deutschland kommen und ihr mit den Kindern helfen könne. Man kenne sich aus der Heimat in der Slowakei. Die Schuldfrage zu klären, gestaltet sich nicht einfach. Denn die heute 19-Jährige konnte am Mittwoch nicht als Zeugin vernommen werden. Trotz großem Aufwand sei es nicht möglich gewesen, die Frau zum Gerichtstermin zu bestellen, sagt der Richter. Sie halte sich wieder in der Slowakei auf und habe auf die letzte Anfrage des Landeskriminalamtes nicht reagiert.

Als Ersatz für die persönliche Anhörung wurde ein Teil der fast dreistündigen Videoaufnahme ihrer polizeilichen Vernehmung gezeigt. Darin zu sehen ist die heute 19-Jährige, wie sie die vorgeworfene Tat, teils unter Tränen, den Beamten schildert. „Sie wirkte schüchtern, ruhig und ängstlich“, sagte eine der Polizeibeamtinnen, die sie vernahm, vor Gericht. Die heute 19-Jährige habe Angst gehabt, wieder zu der Angeklagten zurückzumüssen. Sie sei dort geschlagen worden und habe nichts zu essen bekommen. Bei der Polizei schilderte sie, nachdem sie der Angeklagten mehrmals gesagt habe, sich nicht mehr prostituieren zu wollen, weggelaufen zu sein. Ein heute 68-jähriger Blomberger, den sie über die Angeklagte kannte, habe sie dann nach Leer zu einer Frau gebracht, die ebenfalls aus der Slowakei stammt. Dort sei dann die Polizei gerufen worden.

Angeklagte will Unschuld mit Video beweisen

Der 68-Jährige sagte als Zeuge vor Gericht aus. Laut Anklageschrift soll er einer der Freier der heute 19-Jährigen gewesen sein. Er bestätigte, sie an dem Tag nach Leer gefahren zu haben und sie auch vorher schon einige Male gesehen zu haben. Er habe ihr aus Mitleid auch manchmal Geld gegeben oder Geschenke, wie zum Beispiel ein Handy und Kleidung, gemacht. Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt zu haben, stritt er jedoch ab. „Ich weiß nicht, ob man das so nennen kann“, sagte er.

Erst nach mehreren Nachfragen des Richters und der Staatsanwältin sagte er, die Minderjährige habe mal anzüglich vor ihm getanzt und sei mehrmals nur „leicht betucht“ gewesen. Auch Küsse habe es gegeben. Ob sie oder die Angeklagte Sexarbeit betrieben hätten, könne er nicht sagen. Zwar habe er die Angeklagte mehrmals in einer Art Bordell gesehen, was sie da gemacht habe, wisse er jedoch nicht. Auch die anderen Zeugen konnten nicht eindeutig bestätigen, dass die Angeklagte in dem Gewerbe tätig war.

In der Aussage der Beschuldigten kam ein weiteres Video zur Sprache. Es soll ihre Unschuld beweisen. Darauf soll zu sehen sein, wie die heute 19-Jährige sich für die Vorwürfe gegen die Angeklagte entschuldigt. Für den Prozess sind zwei Fortsetzungstermine angesetzt. Am Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche will das Gericht die Videos anschauen und schließlich ein Urteil fällen.

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