Mangel an Freiwilligen  An Brookmerlander Schule fehlen gern gesehene Helfer

| | 22.06.2022 18:47 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit den noch amtierenden „Bufdis“ warben Vertreter der Brookmerlander Grundschulen und der Verwaltung für die Freiwilligenstellen. Foto: Thomas Dirks
Mit den noch amtierenden „Bufdis“ warben Vertreter der Brookmerlander Grundschulen und der Verwaltung für die Freiwilligenstellen. Foto: Thomas Dirks
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Brookmerlander Schulleiter und die Verwaltung schlagen Alarm: Es mangelt an Bundesfreiwilligendienstlern. Das könnte ungewollte Auswirkungen auf den Unterrichtsalltag haben.

Brookmerland - Sie sind Mädchen und Jungen für fast alles. Sie leiten nahezu selbstständig Arbeitsgemeinschaften, sie betreuen Kinder vor, während und nach dem Unterricht und sie geben ihnen Hilfestellung, spielen und bemuttern sie auch mal, wenn es sein muss: Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes (Bfd), sogenannte „Bufdis“, sind aus dem Alltag von Brookmerlands Schulen nicht mehr wegzudenken. Mehr noch: Wie Leiterinnen und Leiter mehrerer Grundschulen in einem Pressegespräch betonten, seien die „Bufdis“ eine echte Bereicherung und eine unverzichtbare Stütze.

Um so größer ist jetzt die Sorge, dass es die gerne gesehenen Helfer zum Beginn des neuen Schuljahres nicht in ausreichender Zahl geben könnte. Danach sieht es aus. Schulleiter und Verwaltung schlagen Alarm und werben, was das Zeug hält.

Noch Stellen unbesetzt

Es gebe Bewerber, aber nicht mehr so viele wie noch in früheren Jahren, berichtete stellvertretender Verwaltungschef Jochen Behrends. Wie er sagte, könnten voraussichtlich nicht alle zwölf Bfd-Stellen, die die Samtgemeinde als Schulträgerin finanziert und verwaltet, besetzt werden. Über die Gründe wird gerätselt. Nach Ansicht von Kirstin Rehfeldt, Leiterin der „Leezder Dörpschool“, bevorzugten viele Schulabsolventen eine Lehrstelle. „Auch Corona hat gebremst“, stellte Insa Clemens fest. Vor der Pandemie sei das Interesse an den Freiwilligen-Stellen größer gewesen. In der coronabedingten Homeschooling-Phase wurden die Helfer kaum gebraucht. Das müsse sich erst wieder normalisieren. „Der Schub ist noch nicht wieder da“, sagte Brookmerlands neue Schulamtsleiterin Manuela Isokeit.

Mit einem eindringlichen Appell haben sich die Schulchefs daher an Interessierte gewandt. Die Rektoren bitten darum, sich für die Freiwilligen-Stellen zu melden. Zugleich betonten sie erneut die noch immer wachsende Bedeutung der Freiwilligen. Eine „wertvolle Unterstützung“ und „riesige Bereicherung“, so der Leiter der Grundschule Upgant-Schott, Werner Knippelmeyer, seien diese. An Brookmerlands größter Grundschule waren zuletzt fünf „Bufdis“ im Einsatz.

Einschnitte drohen

Angesichts einer zunehmenden Zahl erzieherischer Aufgaben, Problemen mit verhaltensauffälligen und unterschiedlich begabten Kindern, Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Inklusion und der Flüchtlingsbetreuung sei man dankbar für alle helfenden Hände, hieß es. Fehlten diese, wie jetzt zu befürchten, drohten Einschnitte bei einigen schulischen Angeboten. Die seien dann nicht mehr im gewohnten Umfang zu leisten, hieß es. Von einem derzeit wieder diskutierten sozialen Pflichtjahr will man indes nichts wissen. Während Behrends immerhin noch von „Bedarf dafür“ sprach, lehnte Insa Clemens ein solches verordnetes Jahr ab. „Hier nur die Zeit abzusitzen, hat keinen Sinn“, sagte sie.

Freiwilligendienstler sollten geeignet, heißt: qualifiziert, mindestens talentiert sein. Stichwort Talent: müssen nicht nur tun, was die Schule vorgebe, sondern könnten und sollten auch ihre speziellen Begabungen und Interessen verwirklichen können. „Sie bringen neue Ideen und Inspirationen in den Schulalltag. Wir sind sehr dankbar, dass wir sie haben“, sagte Knippelmeyers voraussichtliche Nachfolgerin Maren Bille. „Ihr seid Euer Geld wert“, sagte Isabell Grandek, Leiterin der Grundschule Rechtsupweg.

„Win-win-Situation“

Von einer neudeutsch „Win-win-Situation“ ist die Rede. Es bringe sowohl Vorteile für die Absolventen wie für diejenigen, in deren Dienste sie sich stellten. Ein Jahr haben „Bufdis“ Gelegenheit, sich zu orientieren, erste Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln und beispielsweise zu prüfen, ob der Lehrerberuf ihnen liegt oder nicht. Die „Bufdis“, die die Grundschule Upgant-Schott im vergangenen Jahr beschäftigt hat, seien „belastbar, engagiert und verantwortungsbewusst“ gewesen, lobte Knippelmeyer.

Er erinnerte daran, dass die Freiwilligendienstler in dem Jahr renten-, sozial- und krankenversichert seien und ihre Eltern für diese Zeit weiterhin Kindergeld erhielten. Begleitet werden die Absolventen in den Schulen von der Kreisvolkshochschule, die Kurse und Fortbildungen für sie organisiere. Jeder „Bufdi“ erhält ein monatliches Taschengeld in Höhe von 325 Euro und einen Fahrtkostenzuschuss.

Interessierte können sich entweder direkt an die Schulen oder die Samtgemeinde Brookmerland wenden.

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