Berlin  Ukraine-Krieg: Diese Aussage bereut Botschafter Andryj Melnyk

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 22.06.2022 12:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat sich für eine umstrittene Aussage entschuldigt. Foto: imago images/Metodi Popow
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat sich für eine umstrittene Aussage entschuldigt. Foto: imago images/Metodi Popow
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Mit einer forschen Rhetorik versucht der ukrainische Botschafter Andryj Melnyk, die Aufmerksamkeit für den Krieg in seinem Heimatland hochzuhalten. Einmal ist er über das Ziel hinausgeschossen – und entschuldigt sich.

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist ein Mann in der deutschen Öffentlichkeit besonders präsent: Andryj Melnyk, der ukrainische Botschafter in Deutschland. Immer wieder fordert der 46-Jährige militärische Unterstützung für sein Land, um sich gegen Russland verteidigen zu können.

Dabei fällt Melnyk oft mit sehr provokanten Aussagen auf und geht an die Grenzen dessen, was für einen Diplomaten sagbar ist. Seine dringlichste Botschaft ist die Lieferung von schweren Waffen, lange hat er Deutschland vorgeworfen, dabei zu zögerlich zu agieren.

Angesprochen auf seine forsche Rhetorik gab der Botschafter allerdings zu, nicht alle Aussagen so wieder treffen zu würden. Konkret ging es dabei um seine Äußerung, dass sich die ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland nicht wohl fühlen würden: „Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese Äußerung bereue. Ich möchte mich entschuldigen, sollte ich dabei viele tausende Deutsch beleidigt haben, die sich wirklich engagieren“. Das sei keine glückliche Äußerung von seiner Seite gewesen.

Zuvor hatte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Joachim Herrmann, die Vorwürfe des ukrainischen Botschafters strikt zurückgewiesen. „Das ist eine Unverschämtheit und geht vollkommen an der Realität vorbei, das ist einfach falsch”, sagte der CSU-Politiker und bayerische Innenminister in einem Interview mit unserer Redaktion.

Melnyk denkt aber nicht daran, seine Kommunikationsstrategie zu ändern. „Ohne diese Präsenz und ohne, dass die Menschen verstehen, worum es geht, kann es uns nicht gelingen, die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass die Ukraine um ihr Leben kämpft“, sagt Melnyk.

Am 21. Juni (Dienstag) veröffentlichte die Bundesregierung im Internet indes eine Liste mit den bisherigen Waffenlieferungen. Bekannt wurde auch, dass kürzlich mit der Panzerhaubitze 2000 die ersten schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine eingetroffen sind. Botschafter Melnyk sagte im „FAZ Podcast für Deutschland“ dazu: „Ich begrüße die Lieferung der Panzerhaubitzen.“ Auf Twitter bedankte er sich für den Erhalt der Waffen, allerdings mahnte Melnyk auch zu weiteren Zusagen von Waffen.

Die erfolgten Waffenlieferungen könnten Melnyk etwas milder gegenüber der Bundesregierung gestimmt haben, zumindest blieb die sonst so scharfe Kritik an der Ampel-Koalition in den letzten Tagen aus. Dazu könnte auch der Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Italien und Rumänien beigetragen haben. Die vier Staatschefs hatten bei ihrem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj klar bekundet, den EU-Beitrittskandidatenstatus für die Ukraine zu befürworten.

„Das Eis wurde gebrochen. Wir haben jahrelang daran gearbeitet und bis zuletzt hatte man in Berlin kein sicheres Gefühl, dass die Ampel-Regierung diese historische Zielsetzung für uns, aber auch für die EU, unterstützt“, sagte Melnyk im FAZ-Podcast. Umso erfreulicher sei es, dass diese Zusage ausgesprochen wurde.

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