Flüchtlingsunterkunft  Utlandshörn wird zur Dauereinrichtung

| | 20.06.2022 19:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eigentlich sollten in der Flüchtlingsunterkunft in Utlandshörn Flüchtlinge nur kurz unterkommen und dann in Wohnungen weitervermittelt werden. Doch dieser Plan des Landkreises scheitert gerade. Foto: Landkreis Aurich
Eigentlich sollten in der Flüchtlingsunterkunft in Utlandshörn Flüchtlinge nur kurz unterkommen und dann in Wohnungen weitervermittelt werden. Doch dieser Plan des Landkreises scheitert gerade. Foto: Landkreis Aurich
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Dem Kreis Aurich fehlen fast 250 Wohnungen für Flüchtlinge. Deshalb müssen Menschen aus der Ukraine nun längerfristig in der Flüchtlingsunterkunft in Utlandshörn bleiben.

Norden - Eigentlich sollte die Flüchtlingsunterkunft Utlandshörn nur eine zentrale Erstaufnahme, ein „Willkommenszentrum“, für die Menschen aus der Ukraine sein. So hatte es der Landkreis Aurich Anfang März selbst mitgeteilt. Maximale Aufenthaltsdauer: sieben Tage. Jetzt wird klar: Der Landkreis Aurich kann sein selbstgestecktes Ziel nicht einhalten. Aus dem Übergangsheim wird eine Dauerlösung. Das bestätigte Kreissprecher Rainer Müller-Gummels auf Nachfrage.

Das Problem: Dem Kreis fehlt für die Flüchtlinge nach eigenen Angaben Wohnraum für insgesamt 118 Alleinreisende und für 129 Personen mit Familienhintergrund.

Weil wöchentlich erheblich weniger Wohnungen zur Verfügung stehen, als Geflüchtete aufgenommen werden müssen, kann die ursprünglich vorgesehene Verweildauer in Utlandshörn nicht eingehalten werden, teilte Müller-Gummels mit. Wie lange die Menschen zurzeitdurchschnittlich in Utlandshörn bleiben, hat der Kreis noch nicht ermittelt. Mangels Wohnraum findet derzeit aber eine Entwicklung in Richtung einer Dauerunterbringung statt, heißt es.

Bewohner von Werkstätten müssen ausziehen

Deshalb müssen jetzt auch die Bewohner der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) aus Utlandshörn ausziehen. Nach ersten Schätzungen des Landkreisses können dadurch in Utlandshörn 100-110 Personen zusätzlich untergebracht werden.

Schon einmal waren die Unterbringungsmöglichkeiten am Deich aufgestockt worden. Jetzt gibt es insgesamt 138 Plätze, von denen aktuell 129 Plätze belegt sind.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Genau abschätzen kann der Kreis nicht, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Wochen tatsächlich in den Landkreis Aurich kommen werden. Offiziell erreichen derzeit wöchentlich 25 Flüchtlinge aus der Ukraine und 25 aus anderen Drittstaaten den Landkreis Aurich, heißt es von Rainer Müller-Gummels dazu. In den vergangenen sieben Tagen seien zudem aber noch 36 Personen eigenständig angereist. Auch darauf müsse der Landkreis kurzfristig reagieren. „Es gibt also eine gewisse Planungsunsicherheit, was die Zahl der tatsächlich in den Landkreis Aurich kommenden Geflüchteten betrifft“, so der Kreissprecher.

Unterkunft in Aurich bald bezugsfähig

Wie berichtet, soll Ende des Monats in Aurich eine weitere Großunterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. Voraussichtlich im Juni können die ersten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Gebäude auf dem früheren Auricher Kasernengelände einziehen. Derzeit werde ein Gebäude mit einer Kapazität von rund 130 Personen hergerichtet. Zugleich prüfe der Landkreis zwei weitere Gebäude auf dem großen Gelände mit Kapazitäten von jeweils 150 bis 180 Menschen, so der Leiter des Kreis-Ordnungsamts, Marcel Schäfer im Auricher Sozialausschuss.

In Utlandshörn waren laut Schäfer bislang 302 Menschen untergebracht. Dort gab es zunächst 86 Plätze – und 40 Notplätze. Insgesamt 965 Personen wurden dort registriert. Insgesamt sind seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine knapp 980 Ukrainer in den Kreis Aurich geflüchtet. Es werden aber noch mehr. In diesem Jahr muss der Kreis Aurich gut 3100 Flüchtlinge aufnehmen – etwa 1200 waren es bislang, weitere 1900 sind also noch zu erwarten.

Pro Woche hat Niedersachsen 75 Ukrainer angekündigt – tatsächlich sind es laut Schäfer 25 bis 50. Dazu kommen wöchentlich 25 weitere Flüchtlinge aus anderen Staaten. Die Kreisvolkshochschulen haben bereits acht Sprachkurse für 119 Teilnehmer aus der Ukraine angeboten.

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