Riesa  SS-Magazine beim Parteitag? AfD-Chefin Weidel kommt in Erklärungsnot

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 20.06.2022 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die neue AfD-Co-Chefin auf dem Bundesparteitag im sächsischen Riesa. Foto: dpa/Sebastian Kahnert
Die neue AfD-Co-Chefin auf dem Bundesparteitag im sächsischen Riesa. Foto: dpa/Sebastian Kahnert
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Zum Abschluss des abgebrochenen AfD-Parteitages gab die neue Co-Chefin Alice Weidel der ARD ein kurioses Interview. Der Inhalt: Versuche der Rechtfertigung gegenüber fragwürdigen Waffen-SS-Magazinen im Eingang der Halle.

Es war ein ereignisreicher Parteitag für Alice Weidel und die AfD: Am Samstag wurde Weidel zusammen mit Tino Chrupalla, der schon zuvor die Partei geführt hatte, zur AfD-Chefin gewählt. Ein klare Unterstützung für die beiden war dabei allerdings nicht erkennbar. Während Weidel noch gut 67 Prozent erhielt, wurde Chrupalla mit nur 53 Prozent von den Delegierten regelrecht abgestraft.

Nach den personellen Entscheidungen sollte es am Sonntag dann um die inhaltliche Auseinandersetzung gehen. Und die hatte es in sich: Das Lager rund um den thüringischen Landeschef und Rechtsextremisten Björn Höcke beantragte eine umstrittene Europa-Resolution, die Debatte darüber war so hitzig, dass der Parteitag im Anschluss abgebrochen wurde.

Zum Ende des Parteitages am Sonntagabend gab die neue AfD-Chefin Alice Weidel der ARD noch ein Interview. In der Sondersendung „Bericht vom Parteitag“ konfrontierte ARD-Mann Oliver Schmidt Weidel mit der Frage, ob die AfD ein Problem mit Rechtsextremisten habe. Weidel antwortete darauf knapp: „Wir haben kein Problem mit Rechtsextremisten.“

Schmidt bohrte im Hinblick auf die Aussage von Björn Höcke, die AfD definiere selber, was extremistisch sei, weiter nach: „Was ist rechtsextrem?“ Weidel reagierte genervt: „Was ist linksextrem? Was ist islamistisch? Das kann ich ihnen nicht beantworten, was rechtsextrem ist.“

Weiter zitierte Schmidt rassistische und extremistische Aussagen von Christina Baum, einer neu in den Bundesvorstand gewählten AfD-Politikerin. In den sozialen Netzwerken schreibt Baum etwa: „Ich stelle immer deutlicher fest, dass die autochthonen Deutschen, das hellhäutige, hier seit Jahrhunderten ansässige Volk, fast keine Interessenvertreter mehr hat.“ Weidel sagt dazu: „Na gut. Die Aussage kenn ich nicht, das muss man sich angucken.“

An den Inhalt des zweiten Zitats gerichtet, in dem Baum die Korrektur des Staatsangehörigkeitsrechts im Zusammenhang mit dem Fotos eines Babys mit schwarzer Hautfarbe forderte, meinte die AfD-Chefin: „Also das ist natürlich kompletter Blödsinn. Moment mal, Moment mal, Herr Schmidt. Eins nach dem anderen. Sie haben in anderen Parteien auch Menschen, die eine extremistische Vergangenheit haben oder auch schwer extremistisch sind.“ In dem Zusammenhang nannte sie auch das Bundesinnenministerium, dem sie ein Problem mit Linksextremismus attestierte.

Dass Christina Baum mehr Stimmen als Co-Chef Tino Chrupalla bekommen hatte, rechtfertigte Weidel damit, dass die Aussagen „so nicht bekannt gewesen sind“. Als Schmidt mit dem Hinweis fortfahren will, es noch konkreter zu machen, bemerkt Weidel: „Sie haben es schon konkret genug gemacht.“

Davon ließ sich Schmidt nicht abbringen und berichtete von kostenlosen Magazinen, die am Eingang der Halle verteilt werden. In dem Magazin werden Kalender beworben, die Männer der Waffen-SS unter Hervorhebung ihrer Waffentaten zeigen. Das irritierte Weidel: „Was haben wir mit dieser Zeitung zu tun? Das verstehe ich jetzt nicht.“

Schmidt vermutete, dass die AfD den Verlag zum Parteitag eingeladen habe. „Keine Ahnung, haben wir glaube ich nicht eingeladen“, entgegnete Weidel. Schmidt fragte, ob das in der AfD normal sei. Weidel: „Das ist überhaupt nicht normal, ich wundere mich gerade.“ Als Rechtfertigung nannte die AfD-Chefin: „Ich bin dahinten am arbeiten, ich sehe das da vorne nicht, das muss ich mir angucken. “ Sie blieb etwas ratlos zurück: „Was soll ich dazu sagen? Dazu kann ich gar nichts mehr sagen.“

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