Osnabrück  Morgenland Festival: Was plant Michael Dreyer für die Zukunft?

Ralf Doering
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Von Ralf Doering
| 19.06.2022 11:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Morgenland Festival Foto: HERMANN PENTERMANN
Morgenland Festival Foto: HERMANN PENTERMANN
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Das Morgenland Festival 2022 war anders als die Festivals davor. Wie hat sich das ausgewirkt? Und wie geht es weiter, wenn Festivalleiter Michael Dreyer zur NDR Bigband wechselt? Darüber spricht Dreyer im Interview.

Frage: Das Morgenland Festival startete dieses Jahr nicht in der Marienkirche, sondern im Theater mit der Uraufführung der Oper „Songs for Days to Come“ in Kooperation mit dem Theater Osnabrück. Ist das ein Modell für die Zukunft?

Antwort: Ich bin über die Kooperation sehr glücklich und denke, dass wir auch in der Zukunft eng mit dem Theater zusammenarbeiten werden. Dieses gemeinsame Projekt hätte keiner von uns alleine stemmen können – aber gemeinsam konnten wir doch eine außergewöhnliche Produktion realisieren. Dass die Eröffnung in St. Marien weggefallen ist, fanden sicher einige Menschen schade, und auch mir hat es gefehlt, das Publikum zu begrüßen. Aber zeitlich sind wir mit dem Festival sowieso schon nach vorne gerückt, um diese Kooperation zu ermöglichen, und mit einer traditionellen Eröffnung wäre es dann noch früher gewesen.

Frage: Setzen Sie die Kooperation fort?

Antwort: Mit Intendant Ulrich Mokrusch habe ich einen Kollegen gefunden, mit dem man solche Projekte gut denken kann. Natürlich ist das manchmal anstrengend, aber wir haben das gut gemeinsam durchlebt. Für nächstes Jahr planen wir ein großes Open-Air-Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester und der kurdischen Sängerin Aynur Dogan.

Frage: Das diesjährige Festival hat nachgeholt, was durch Corona aufgeschoben werden musste. Wie ist das insgesamt aufgegangen?

Antwort: Vor zwei Jahren war „Balkans Beyond Brass“ geplant, und darauf sollte „Musik der Roma –Identität und Projektion“ aufbauen. Da bin ich unter anderem auf Marc Sinan gekommen, weil es wenige Ansätze gibt, sich über die zeitgenössische Musik mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dieses Jahr kamen nun die Lieblingsprojekte der letzten beiden Jahre zusammen: Ivo Papasov oder Merima Ključo und Jelena Milušić zum Beispiel. Wir haben auch ein Verantwortungsgefühl den Musikern gegenüber und haben ihnen versprochen, ihre Konzerte nachzuholen, sobald es möglich ist. Dadurch hatte das Festival dieses Jahr keinen Schwerpunkt wie sonst. Die Frage ist: Hat das Publikum das vermisst?

Frage: Die meisten Konzerte waren ja sehr gut besucht.

Antwort: Das ist tatsächlich sehr beglückend. Alle kämpfen ums Publikum – wir kämpfen auch! Aber ich war doch jeden Abend erleichtert.

Frage: Blicken wir nach vorn: Das Kulturjahr 2023 steht im Zeichen der Jubiläums 375 Jahre Westfälischer Friede. Was trägt das Morgenland Festival bei?

Antwort: Die großen Eckpunkte stehen fest. Aber die verraten wir noch nicht.

Frage: Schade. Noch mehr bewegt die Fans des Morgenland Festivals die Frage, wie es weitergeht, wenn Sie ab 1. Juli Manager der NDR Big Band werden. Gibt es eine Nachfolgeregelung?

Antwort: Wir strukturieren die Arbeit und das Team neu, damit ein Teil meiner derzeitigen Arbeit auf dieses Team umgelegt werden kann. Für das Jahr 2023 mache ich nur die Programmleitung und habe das Programm jetzt schon fast komplett konzipiert. Ich habe also meine Hausaufgaben gemacht und kann bereits Anträge fürs nächste Jahr schreiben.

Frage: Und dann?

Antwort: 2024 feiern wir 20 Jahre Morgenland Festival. Auch dafür bleibe ich Programmleiter, aber bis dahin müssen wir die Umstrukturierung hinkriegen. Dabei wird eine Mitarbeiterin eine wichtige Rolle übernehmen, die schon seit zehn Jahren dabei ist. Das gibt mir ein gutes Gefühl, weil ich weiß, dass die Arbeit in guten Händen liegt.

Frage: Wer übernimmt die künstlerische Leitung über 2024 hinaus?

Antwort: Das ist offen.

Frage: Aber irgendwann müssen Sie sich entscheiden.

Antwort: Ja. Das wird in diesem Jahr passieren.

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