In neuer Mission Pastorin Katrin Krüger verlässt Kirchengemeinde Marienhafe
Überraschend wird Pastorin Katrin Krüger die Kirchengemeinde Marienhafe verlassen und sich anderen Aufgaben widmen. Ihre Begründung stimmt nachdenklich.
Marienhafe - Neue Hiobsbotschaft für die lutherische Kirche im Brookmerland: Ein weitere Pfarrstelle wird frei. Dieses Mal trifft es die größte Kirchengemeinde Marienhafe-Upgant-Schott. Deren Pastorin Katrin Krüger wird nach dreijähriger Tätigkeit aufhören. Ab 2023 werde sie als Schulpastorin an den Berufsbildenden Schulen II in Emden arbeiten, bestätigte die Theologin auf Anfrage. Grund für ihre Entscheidung, sich beruflich noch einmal zu verändern, sind die Arbeitsbedingungen in Marienhafe.
Keinesfalls habe ihr Entschluss mit der Region und den Menschen dort zu tun. „Ich liebe das Brookmerland und fühle mich dort sehr wohl“, betont die 41-Jährige. Wie sehr, zeigt sich auch daran, dass sie und ihr vierjähriger Sohn möglichst im Brookmerland wohnen bleiben wollen und dort jetzt eine neue Wohnung suchen.
Ideen nicht verwirklicht
Zum 1. Februar 2023 müssen sie das Pfarrhaus räumen. Bis dahin will sie dafür sorgen, dass sie die Gemeinde „geordnet und mit erledigten Aufgaben“ übergeben kann. Krüger spricht von Aufgaben, nicht von Ideen. Davon habe sie noch viele, nur leider nicht verwirklichen können. Und genau da beginnt das Problem. Die Kirchengemeinde habe ein „strukturelles Problem“. Für eine Pastorin sei sie zu groß. Sie scheue sich nicht vor Arbeit und habe in den vergangenen Jahren mehr getan, als eigentlich ihre Pflicht sei, so Krüger. Das Pensum sei aber allein nicht zu schaffen. „Das brennt einen auf Dauer aus“, sagt sie.
Zur Verdeutlichung: Krüger ist für 4249 Gemeindemitglieder zuständig. Zum Vergleich: Ihre neue Kollegin in Rechtsupweg/Siegelsum betreut 1918. In Osteel ist Kollege Carsten Greite, der ebenfalls zum 1. August geht (wir berichteten in dieser Woche), für 1616 Menschen der Seelsorger, Pastor Riesebeck in Leezdorf für 1243 – alle für das gleiche Gehalt und den gleichen Urlaubsanspruch wie Krüger. Zwar hat sie Diakonin Monika Bauer an ihrer Seite, nur hilft das auch nur bedingt. Bei allem Respekt für deren viele gute und engagierte Arbeit ersetze Bauer keine zweite Pastorin, sagt Krüger. Eine Diakonin habe eine andere Ausbildung und Zuständigkeit. Bestimmte Dinge dürfe sie ihr gar nicht abnehmen, erklärt Krüger.
Früher immer zwei Pastoren
Zur Erinnerung: Früher wurden Marienhafe und Upgant-Schott stets von zwei Pastoren betreut. Mit der Pensionierung von Pastor Volker Köster 2008 begann die Stellenkürzung. Sie habe wiederholt auf das Problem hingewiesen. „Passiert ist aber nichts“, so Krüger. Bei ihrem Amtsantritt sei ihr versichert worden, dass das zu schaffen sei. Ihr selbst seien die Dimensionen damals nicht klar gewesen. Inzwischen sind sie es.
So leid es ihr tue und so sehr sie das Gemeindepfarramt auch liebe: „Auf Dauer ist das nicht meine Stelle“, sagt die Theologin, die sich auf ihre neue Tätigkeit freut. Auch, weil sie in ihrer früheren Kirchengemeinde in der Landeskirche Hessen-Nassau als Pfarrerin regelmäßig unterrichten musste. Sie hat Schulerfahrung und zudem ein Spezialvikariat in Religionspädagogik absolviert. Die Emder BBS, wo sie ein viermonatiges Praktikum absolviert hat, hätten sie mehreren Bewerbern vorgezogen, berichtet Krüger.
Entscheidung verdient Respekt
Ein Kommentar von Thomas Dirks
Pastorin Katrin Krüger geht. Für Marienhafe und Upgant-Schott ist das ein herber Schlag, der nachwirken wird. Mit der 41-Jährigen verliert die größte Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Brookmerland eine professionelle, einfühlsame, selbstbewusste, geradlinige und vor allem moderne Seelsorgerin. Dass sie hinwirft, ist bitter. Noch bedauerlicher wird ihr Rückzug beim Blick auf dessen Hintergründe. Krüger selbst ist kein Vorwurf zu machen. Aus Verantwortung für sich und den ihr anvertrauten Menschen zieht sie die Notbremse. Das verdient Respekt. Dass sie dauerhaft nicht die Arbeit erledigen kann und will, die in einer so großen Kirchengemeinde normalerweise zwei Seelsorger leisten, ist nachvollziehbar und zu akzeptieren. Krügers Rücktritt ist die traurige Folge von Fehlern, die weit vor ihrer Zeit gemacht wurden und die andere zu verantworten haben. So haben die Kirchenvorstände, vor allem deren ehemaligen Vorsitzenden, es in der Vergangenheit versäumt, rechtzeitig und energisch für den Erhalt der zweiten Pfarrstelle zu kämpfen. Statt laut genug gegen die Stellenkürzung anzugehen, wurde diese nahezu klaglos hingenommen, was sich nun rächt. Die gestrichene zweite Pfarrstelle wiederzubekommen, scheint utopisch. Umso mehr sollte alles versucht werden, in anderer Form bessere Arbeitsbedingungen für die Nachfolger von Pastorin Krüger zu schaffen. Sonst werden sich solche wohl erst gar nicht finden.