Westerland  Prügel angedroht: Sylter Ordnungsamt im schwierigen Kampf gegen Wildcamper

Nils Leifeld
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Von Nils Leifeld
| 16.06.2022 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Foto: Nils Leifeld
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Wildcampen ist in Deutschland verboten – auf Sylt tun es trotzdem momentan viele 9-Euro-Urlauber. Ordnungsamt und Polizei stoßen dort beim Kampf gegen das Wildcampen an ihre Grenzen. Woran liegt das?

Nikolas Häckel brachte es in der Hauptausschusssitzung am Dienstagabend, 14. Juni, auf den Punkt: „Wir haben aktuell das Problem einer Großstadt und sind ausgestattet wie ein Dorf“, so der Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Damit spielte der Verwaltungschef auf die zahlreichen Punker an, die sich aktuell auf der Insel aufhalten – und Wildcampen, trotz Verbots.

Eine große Herausforderung gebe es seiner Meinung nach im Bereich der Fußgängerzone und an den Stränden. Gleichzeitig könne nicht viel getan werden: „Wir haben wenig Rechte, die wir umsetzen können, unsere Möglichkeiten sind beschränkt.“ So könne der Aufenthalt im öffentlichen Raum nicht verboten und das Schlafen in den Hauseingängen nur von den Eigentümern der Gebäude gemeldet werden.

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Kontrollen des Ordnungsamtes gebe es regelmäßig, doch seien auch dort aufgrund von Personalknappheit die Hände mehr oder weniger gebunden. „Im Außendienst des Ordnungsamtes sind vier Personen beschäftigt – mehr Kräfte bietet der Stellenplan nicht“, so Häckel gegenüber shz.de. „Die Mitarbeiter des Außendienstes werden verstärkt durch sechs Personen eines Sicherheitsdienstes, der an den Wochenenden (donnerstags bis sonntags) bis Ende August von mittags bis nachts präsent ist.“

Grundsätzlich gebe es mehrere unregelmäßige Streifgänge über den Tag verteilt, bereits morgens würde gegen das sogenannte Wildcampen vorgegangen, dann über den Tag verteilt unterschiedliche Streifgänge durchgeführt – teilweise gemeinsam mit der Polizei, so Häckel. Und trotzdem kann dem Problem nicht Einhalt geboten werden.

Mehr Personal allein würde das Problem allerdings auch nicht lösen. So zumindest drückte sich Gabriele Gotthardt, Ordnungsamtsleiterin, im Hauptausschuss aus. „Weil unsere Eingriffsmöglichkeiten sehr beschränkt sind.“ So dürften sie keine Personen festhalten oder Personalien aufnehmen, geschweige denn Fotos von Widrigkeiten machen. Vielmehr forderte sie kreative Maßnahmen, um den Raum zurückzuerobern.

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Weiter ins Detail gehen zu den Wildcampern am Strand oder an der Promenade wollte Häckel nicht. Stattdessen verwies er an den ISTS, beziehungsweise dessen Chef Peter Douven, „dies ist konzessionierte Fläche zugunsten des ISTS.“ Gegenüber shz.de wollte sich Douven nicht öffentlich äußern, jedoch wurde er im Hauptausschuss deutlich.

„Jeder, der runter zum Strand geht, kann ein, positiv dargestellt, buntes Bild sehen. Ich kann es nicht mehr als positiv sehen. Wir haben täglich sehr viel zu tun, alles wieder so herzurichten, wie es war“, so Douven. Dazu kämen negative Rückmeldungen der Stammgäste. Weiter könne der ISTS zwar am Strand von seinem Hausrecht Gebrauch machen, jedoch nur theoretisch: Hinweise des Personals an Wildcamper oder Gruppen mit lauter Musik, würden häufig ignoriert und teilweise mit Prügel gedroht.

„Ich kann nur empfehlen, der Gruppe nicht durch Dinge wie extra Toiletten entgegenzukommen.“ Seit dem 1. Juni gilt das 9-Euro-Ticket bundesweit. Von diesem Tag an halten sich Gruppen von Punkern auf Sylt auf. Das Ticket ist noch bis Ende August gültig.

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