Kassel Obdachlose fragen: Wie hält es Runagrupa mit dem Geld?
Die Documenta-Macher von Ruangrupa setzen auf die Basis: Leser der Obdachlosen-Zeitung „Asphalt“ fragen nach. Und mit einem Mal gibt sich Ruangrupa wortkarg. In einem Punkt besonders.
War das ein Coup: Die Künstlerliste der nächsten Documenta in der Obdachlosenzeitung! Ruangrupa, Leitungskollektiv der Documenta 15, hob den Vorhang zum Allerheiligsten jeder neuen Ausgabe der Weltkunstschau in "Asphalt". Wir sind anders als der Kunstbetrieb: Das war das Signal. Aber wieviel von diesem Betrieb steckt in Ruangrupa? "Asphalt" ist Medienpartner der von dem Kollektiv aus Jakarta verantworteten Kasseler Kunstausstellung. Pünktlich zum Start durften nun "Asphalt"-Leser Ruangrupa Fragen stellen. Die Antworten lesen sich mal witzig, mal klingen sie nach Pressemitteilung. Und in einem Punkt vermeidet es Ruangrupa, Farbe zu bekennen.
Die Leser kommen jedenfalls auf den Punkt. Beispiel: Wie passt die hierarchische Organisation der Documenta zur propagierten Idee des Lumbung, der gemeinschaftlich bewirtschafteten Reisscheune? Müsste Documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann nicht sofort gehen? "Es erfordert anfangs Mut, sich auf den lumbung-Prozess einzulassen", antwortet Ruangrupa vieldeutig. Nicht die einzige Passage, in der das Kollektiv, das so gern auf Basisdemokratie setzt, ins Schwurbeln kommt. Kann es überhaupt nach dieser Documenta noch eine weitere geben? Und wird steht es mit dem Kontakt dieser Documenta zu den "einfachen Menschen"? Klare Fragen, vage Antworten von "radikaleren KuratoInnen" und einer Praxis, die fortgesetzt werden soll.
Und wie hält es Ruangrupa mit dem Geld? Was die Kunstwelt gern beschweigt, "Asphalt"-Leser sprechen es unverblümt an. Kann man von dieser Kunst, wie Ruangrupa sie anbietet, überhaupt leben? Ruangrupa antwortet mit dem Verweis auf Mindestlohn. Ob das nach der Doumenta so bleiben wird? Die Gruppenprozesse, die Ruangrupa moderiert, sind auch ein Geschäftsmodell, die Mitglieder der Gruppe eher Berater als Kuratoren. Das passt zu einer Optimierungswelt, die fern ist vom Asphalt der Obdachlosen. Und welche Kunst wird zugunsten von "Asphalt" versteigert? Sehr heikle Frage, denn sie berührt das Verhältnis dieser Documenta zum angeblich so fernen Kunstmarkt. Ruangrupa zieht die Jalousie herunter. Einige Drucke bisheriger Documenta-Ausgaben kommen wohl unter den Hammer. Wie gut, wenn man immer auch ein wenig Kunst in der Reissscheune hat.