Stockholm  Schweden in Sorge: Saudis wollen großen Teil des Gesundheitssektors kaufen

André Anwar
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Von André Anwar
| 15.06.2022 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Capio steht kurz vor dem Verkauf. Foto: dpa/Philipp Schulze
Capio steht kurz vor dem Verkauf. Foto: dpa/Philipp Schulze
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Nach Angaben der Regierung in Stockholm steht das größte private Gesundheitsunternehmen Schwedens, Capio, möglicherweise kurz vor dem Verkauf an die Vereinigten Arabischen Emiraten. Schwedens Regierung hält das für problematisch.

Die Saudis wollen einen großen Teil von Schwedens Gesundheitssektor einkaufen. Es geht um das größte Krankenhäuser, Polykliniken und andere betreibende Privatunternehmen von Captio. In den Vereinigten Arabischen Emirate herrschen andere Bräuche und es gibt keine Demokratie. Deshalb sieht Schwedens rotgrüne Regierung mehrere Risiken bei einem solchen Geschäft und fragt sich unter anderem, wie sich dies auf die Daten schwedischer Patienten auswirken könnte.

„Wir sind sehr besorgt“, kommentierte Schwedens Sozialministerin Lena Hallengren. Sie hat hat das schwedische Institut für Verteidigungsforschung beauftragt zu untersuchen, wie sich solche ausländischen Interessen auf das schwedische Gesundheitswesen auswirken können. Sie kritisiert grundsätzlich, dass ausländische Akteure Unternehmen aufkaufen, die im schwedischen Wohlfahrtswesen tätig sind. Capio ist zwar ein Privatunternehmen, wird aber über Leistungs-Abrechnungen durch Schwedische Steuerzahler bezahlt. 

“Wir brauchen Transparenz und demokratische Kontrolle über das Gesundheitswesen. Die schwedischen Abgeordneten können für die Gesundheitsversorgung zur Verantwortung gezogen werden, aber nicht, wenn die Eigentümer in Frankreich, Australien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sitzen“, sagte die Sozialministerin dem öffentlich rechtlichen Sender SVT.

Die Sozialministerin ist der Ansicht, dass der Einfluss ausländischer Interessen auf das schwedische Gesundheitswesen begrenzt werden muss, da das Gesundheitswesen eine für die Gesellschaft wichtige Tätigkeit ist. Sie hält es für besonders problematisch, geschlossenen und undemokratischen Staaten Einfluss auf das schwedische Gesundheitswesen zu geben.

„Wir wissen nicht, wie andere Länder das schwedische Gesundheitswesen beurteilen werden. Wird es eine bedarfsgerechte Versorgung geben und werden Krankenhäuser und Gesundheitszentren erhalten bleiben?“, fragt sich Lena Hallengren. Der Gesundheitsdienstleister Capio sagt, dass es kein offizielles Angebot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten für sein Eigentümerunternehmen Ramsay Healthcare gibt. Sollte das Unternehmen aber von den Saudis übernommen werden, gäbe es für die rund 900.000 schwedischen Patienten.

„Patienteninformationen sind vertraulich und es ist eine Straftat, Patientendaten an unbefugte Personen oder Organisationen weiterzugeben“, so Liza Manestam, Capio-Sprecherin. 

Die Sozialministerin ist auch darüber beunruhigt wie die ausländischen Investoren einige der schwedische Krankenhäuser und Gesundheitszentren aus Rentabilitätsgründen schließen könnten. „Capio arbeitet im Auftrag der schwedischen Regionen, in denen wir gemeinsam die Bedürfnisse des Gesundheitswesens erfüllen und eine qualitativ hochwertige Versorgung bieten. Die Bedürfnisse der Patienten und das allgemeine Engagement der Regionen für die Pflege sind die Richtschnur unserer Arbeit“, so Manestam.

Aber auch die bürgerliche Opposition hat bedenken. Die christdemokratische Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für soziale Angelegenheiten, Acko Johansson, hält es für richtig , dass Fragen rund um den Aufkauf durch die Vereinigen Emirate untersucht wird.

Es gäbe mehrere Gründe, die Sicherheitsaspekte von ausländischem Eigentum in Schweden zu bewerten, sagt er. Es sei deshalb gut, dass die Regierung die Übernahme eines großen Teils von Schwedens Gesundheitssektors durch die Saudis überprüft- Ob und in welcher Form die Übernahme stattfindet - Ausgang offen.