Amsterdam „Darf nicht so weitergehen“: Sexismus-Problem an den Stränden der Niederlande
Kein Bikini mehr: Immer mehr Frauen klagen über Sexismus und die brutale Anmache der Männer am Strand.
Maartje läuft über den Strand von Scheveningen in den Niederlanden. Zwei junge Männer verfolgen sie. Sie laufen ihr in kurzem Abstand hinterher. Einer sagt plötzlich: „Lauf etwas langsamer du Schlampe, damit wir deinen Hintern besser sehen können.“ Maartje wird sauer. Sie schreit: „Verpisst euch.“ Die beiden Jungs geben ihr Stalking auf.
Das ist kein Einzelfall. Andere Frauen berichten über eine viel direktere und brutalere Anmache von Männern, die sie in Scheveningen am Strand oder auf dem berühmten Boulevard unterhalb des Kurhaus-Hotels erleben. Dass den Damen nachgepfiffen wird, ist noch die harmloseste Variante. Manche Männer rufen den Frauen im „Vulgo-Ton“ zu, dass sie mit ihnen ins Bett wollen. Das F-Wort fällt immer häufiger am Scheveninger Strand. Die 23-jährige Maartje hat daher beschlossen, dass sie fortan nicht mehr im Bikini am Strand in Scheveningen spazieren gehen wird. Sie will fortan ein Strandkleid über ihren Bikini tragen, wenn sie am Strand entlang spazieren geht.
Maartje erlebt, was in den Niederlanden inzwischen „Strand- oder Straatintimidatie“ genannt wird. Gemeint damit ist die sexuelle Belästigung von Frauen im öffentlichen Leben. Aus einer Untersuchung der Stadt Den Haag geht hervor, dass fast die Hälfte aller Frauen darüber klagt, dass man sie in der Öffentlichkeit sexuell belästigt. Nicht nur verbal, sondern sogar physisch. Frauen berichten, sie würden häufig „betatscht“ und Mann fasse sie oft in die Haare oder auf den Hintern.
Stadtrat Arjen Kapteijns (Grüne) meint dazu: „Das ist nicht akzeptabel. Die Frauen müssen sich sicher fühlen in unseren Straßen und auf unseren Stränden.“ Der Grüne Stadtrat ist mit seiner Meinung nicht alleine. Der Haager Stadtrat hat nun beschlossen, ab dem heutigen Mittwoch eine Anti-Sexismus-Kampagne zu starten. Unter dem Motto „#gedraagje“ - beherrsche dich – startet sie, in den sozialen Medien und auf Plakaten.
Außerdem wird eine Webseite unter „scheveningenmeldt.nl“ eingerichtet. Das ist ein digitaler Meldepunkt auf dem Frauen angeben und melden können, wenn und wo sie öffentlich am Strand oder auf der Straße sexuell belästigt worden sind.
„Das kann und darf so nicht weitergehen. Jetzt, da am kommenden Wochenende wieder tropische Temperaturen vorhergesagt sind, wird es am Strand von Scheveningen für Frauen wieder sehr unangenehm werden,“ fürchtet Danielle Harkx (51).
In einem Interview mit dem „Algemeen Dagblad“ berichtet sie ausführlich darüber, was ihr am Strand von Scheveningen schon so alles nachgerufen und was ihr von Männern dort angeboten wurde. „Ich bin wirklich nicht auf den Mund gefallen. Aber manchmal verschlägt es mir wirklich die Sprache, wenn ich höre, was so manche Männer zu mir sagen, wenn ich am Strand spazieren gehe. Ich fühle mich dann richtig bedroht. Jetzt passiert mir das. Aber ich will nicht, dass das meiner 13-jährigen Tochter auch passiert. Der Strand gehört uns allen. Dort will ich nicht sexuell belästigt werden. Ich wohne jetzt schon 30 Jahre in Scheveningen. Aber so schlimm wie heutzutage war es noch nie. Ich hoffe, dass die Kampagne der Stadt Wirkung zeigt und dass bestimmte Männer wieder lernen, sich zu beherrschen.“