Hamburg Sieben Kinderbücher, die Du guten Gewissens verschenken kannst
Papa geht arbeiten, Mama kocht und während ihr Sohn Abenteuer erlebt, ist seine Schwester brav zu Hause und spielt mit Puppen: Klingt nach dummen Klischees, findet sich aber noch in vielen Kinderbüchern. Doch es gibt genug Autoren, die es besser machen wollen.
In diesem Text erfährst Du:
Wie wichtig Bücher und der Zugang zu ihnen für Kinder ist, das stellt heute wohl niemand mehr infrage. Doch es ist nicht nur wichtig, dass die Kinder lesen, sondern auch, was sie lesen. Beziehungsweise, was ihnen vorgelesen wird. Denn schon ganz früh entsteht in den kleinen Köpfen eine Vorstellung von der Welt da draußen. Und diese Vorstellung sollte doch möglichst bunt und vielfältig sein, oder?
Doch noch immer gibt es genug Kinderbücher, in denen nur Männer und Jungs Abenteuer erleben, während die Mädchen brav zu Hause sitzen und hübsche Kleider tragen. Oder in denen Papa zu doof zum Windeln wechseln ist und deswegen natürlich Mama die ganze Care-Arbeit erledigen muss. Wir Erwachsenen wissen (hoffentlich), dass das wenig mit der Realität zu tun hat. Doch woher sollen die Kinder es wissen?
Außerdem ist es wichtig, dass Kinder, die anders sind, auch Bücher und Helden haben, mit denen sie sich identifizieren können. Deswegen hier unsere Liste von Büchern, die ein differenziertes Bild unserer Welt vermitteln:
Die Prinzessin in der Tüte von Robert Munsch und SaBine Büchner
Das Schloss von Prinzessin Lissy wird von einem Drachen zerstört, der auch noch ihren Prinzen entführt. Mit viel Mut und lustigen Ideen besiegt die Prinzessin nur mit einer Tüte bekleidet den Drachen. Doch statt ihr zu danken, meckert der Prinz über ihr Outfit.
Manchmal braucht es gar nicht mehr als eine Umkehrung der Rollen und schon wird aus einer Drachen-Geschichte ein überraschender Plot. Das Buch ist bereits 1980 erschienen, macht aber immer noch Freude. Ab vier Jahren, geht aber auch schon etwas eher.
Little People BIG DREAMS
Knapp 50 verschiedene Bücher umfasst diese Serie inzwischen. Ein Zeichen dafür, wie gut die wunderschönen Illustrationen und tollen Texte bei Eltern und Kindern ankommen. Jedes Buch widmet sich einer herausragenden Persönlichkeit und erzählt deren Lebensgeschichte kindgerecht nach. Indem die Geschichten im Kindesalter der Protagonisten beginnen, ist das Identifikationspotenzial hoch.
In Deutschland startete die Reihe vor drei Jahren mit den Ausgaben zu Marie Curie, Frida Kahlo, Coco Chanel, Amelia Earhart, Rosa Parks und Anne Frank. Es sind Geschichten von kleinen Mädchen, die ihre Träume verwirklicht und die Welt verändert haben. Inzwischen gibt es auch Bücher über beeindruckende Männer wie Stephen Hawking, Pablo Picasso oder Martin Luther King. Doch die Frauen sind noch immer in der Überzahl.
Empfohlen werden die Bücher ab vier Jahren, sie eignen sich aber auch noch für ältere Kinder. Und sie brauchen einen engagierten Vorleser – da die Geschichten knapp gehalten werden und viele große Themen wie Diskriminierung oder Sklaverei streifen, ist ein begleitendes Gespräch mit den Kindern wichtig.
Ich hab eine Freundin, die ist Notärztin von Ralf Butschkow
Dieses kleine Bilderbuch gehört zu einer ganzen Berufe-Reihe der Lesemaus-Bücher, die in unterschiedlichen Formaten erhältlich sind. Neben der Notärztin gibt es auch Geschichten über die Architektin, die Tierärztin, den Imker oder den Polizisten. Wieder eine Kleinigkeit, die vieles verändert: Denn in den meisten Kinderbüchern geht es ganz selbstverständlich zum Kinderarzt und nicht zur Ärztin.
In den Buch, das für Kinder ab drei Jahren empfohlen wird, erzählt Notärztin Anja aus ihrem Berufsalltag und hilft ihrer Freundin Marie, die sich das Bein gebrochen hat.
Raffi und sein pinkes Tutu von Riccardo Simonetti
Raffi spielt gerne Fußball und trägt am liebsten Sporttrikots. Doch statt einer kurzen Hose wählt er dazu ein pinkes Tutu – zumindest zu Hause. Als er es zum ersten Mal in der Schule trägt, beginnen Mobbing und Hänseleien. Doch Raffi bleibt mutig und am Ende des Buches lernen die kleinen Leser, dass es doch eigentlich ziemlich toll ist, wenn man anders ist.
Influencer Riccardo Simonetti hat sich bei dem Buch auch von seiner eigenen Kindheit inspirieren lassen. Die Geschichte von Raffi eignet sich für Kinder ab vier Jahren.
Das NEINhorn von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn
Einhörner sind süß und glücklich und ganz und gar liebreizend. Bis auf eines, das NEINhorn. Denn ja, es sagt zu allem Nein und hat an nichts von dem, was die anderen Einhörner lieben, wie rosa Wolken und Schokolade und anderem Plüsch, Freude. Es ist aus tiefstem Herzen grummelig - und nicht bereit, sich an seine Familie anzupassen.
Also nimmt es Reißaus. Doch statt ganz alleine bockig zu sein, findet es Freunde, die das kleine NEINhorn genau so nehmen, wie es ist: Einen Waschbären, der nicht zuhören will, einen Hund, dem echt alles schnuppe ist, und eine Prinzessin, die immer Widerworte gibt.
Inzwischen sind mehrere Bücher über das NEINhorn und seine Freunde erschienen. Sie richten sich an ein Publikum ab drei Jahren.
Maxi, beeil dich! von Danielle Graf und Katja Seide
In der Geschichte für Kinder ab zwei Jahren geht es um die morgendliche Hektik, die wohl in den meisten Familien entsteht, wenn alle pünktlich zu Kita, Schule oder Arbeit aufbrechen müssen. In dem Buch ist es Maxis Vater, der die fast unmögliche Aufgabe lösen muss, seinen Sohn rechtzeitig aus dem Haus zu bekommen. Klingt nach einer lächerlich kleinen Veränderung zu anderen Geschichten, ist aber ganz genau das, worum es geht: Andere Realitäten abseits des „Mama kümmert sich um alle“-Modells zu zeigen, das immer noch viele Kinderbücher transportieren.
Von den Autoren ist auch das Buch „Alex, abgeholt“ empfehlenswert. Es beschreibt das Abholen aus der Kita und warum dabei nicht immer alles reibungslos verläuft.
Wimmelbücher von Constanze von Kitzing
Wimmelbücher sind ein Klassiker unter den Kinderbüchern. In Deutschland sind vor allem die Bücher von Ali Mitgusch bekannt und heiß geliebt. Eine tolle Alternative bieten aber auch die Wimmelbücher von Constanze von Kitzing. In ihnen sind Menschen mit und ohne Behinderung, mit unterschiedlichen Hautfarben und in verschiedenen Rollen zu entdecken. Neben den Wimmelbüchern hat von Kitzing weitere erfolgreiche Kinderbücher geschaffen. So zum Beispiel das kleine Buch „Ich mag“, das Kinder und ihre Vorlieben zeigt – ohne Geschlechter- oder sonstige Klischees.
Die Wimmelbücher werden ab einem Alter von zwei Jahren empfohlen, können aber abhängig vom Kind auch vorher schon Spaß machen. Es gibt zwei Bände: „Komm, wir zeigen dir unsere Kita“ und „Komm, wir zeigen dir unseren Wald“.