Osnabrück  Morgenland All Star Band bringt Rosenhof zum Brodeln

Ralf Doering
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Von Ralf Doering
| 09.06.2022 14:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Intensive Momente: Ibrahim Keivo, Dima Orsho und Jelena Milušić beklagen, gemeinsam mit der Morgenland All Star Band, Krieg und Elend in ihren Heimatländern. Foto: Swaantje Hehmann
Intensive Momente: Ibrahim Keivo, Dima Orsho und Jelena Milušić beklagen, gemeinsam mit der Morgenland All Star Band, Krieg und Elend in ihren Heimatländern. Foto: Swaantje Hehmann
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Die Konzerte der Morgenland All Star Band zählen immer zu den Höhepunkten des Morgenland Festivals. Diesmal wurde die Formation zur Plattform für sieben sehr persönliche musikalische Ausdrucksformen.

Yasamin Shahhosseini ist eine begnadete Erzählerin. Das hat die iranische Musikerin und Komponistin schon 2019 beim Morgenland Festival gezeigt, das demonstriert sie in diesem Jahr aufs Neue.

Sie stellt eine Melodie der lautenähnlichen Oud vor, übergibt sie an den Klarinettisten Kinan Azmeh, der sie auf seine hauchzarte, lyrische Art weiterentwickelt. Reihum wandert die Erzählung durch die Morgenland All Star Band, über Geiger Ziya Gückan an Moslem Rahal mit der orientalischen Flöte Ney und zu Michel Godard mit seiner Serpent, diesem schlangenförmigen Instrument mit dem melancholisch rauchigem Klang. Unendlich fließt die Melodie auf den sanften Rhythmen, die Andreas Müller am Bass sowie Rony Barak an der Rahmentrommel Daf und Bodek Janke an der Tabla erzeugen.

Die Komposition der jungen Iranerin mit ihrer unendlichen Melodie verdient die poetischsten Worte, denn sie gestaltet den innigen Höhepunkt dieses Konzerts, für den das Morgenland Festival einmal wieder in den Rosenhof gegangen war. Es gab noch weitere Höhepunkte an diesem Abend: Der aufwühlende Schrei gegen Krieg und Barbarei, den die bosnische Sängerin Jelena Milušić in einer Komposition der Akkordeonistin Merima Ključo formulierte, das Terzett, zu dem Dima Orsho und Ibrahim Keivo diese Klage erweiterten – Keivo unterstrich mit packenden Gesten seiner Arme, was seine Stimme mehr weinte als sang.

Damit hebt sich dieses Konzert ab von all den Abenden, die die Morgenland All Star Band bisher beim Festival bestritten hat. „Seven Premiers“ stand über dem Abend im fast ausverkauften Rosenhof, denn sieben Kompositionen stellten sich erstmals dem Urteil des Publikums. Die Idee dahinter war während des Lockdowns entstanden: Finanziert von verschiedenen Osnabrücker Einrichtungen konnte Festivalleiter Michael Dreyer sieben Aufträge vergeben, um den Künstlern während des Lockdowns ein paar Einnahmen zu verschaffen.

Damit werden die All Stars, die ja so etwas wie die künstlerische Quintessenz des Morgenland Festivals repräsentieren, an diesem Abend zur Plattform für sehr persönliche musikalische Stile. Entsprechend vielfältig war der Abend, von der herzergreifenden Erzählung über die Klage bis hin zum Obertongesang des kasachischen Musikers Jalgasbek Iles, der in knackigen Rock mündet. Allerdings hört man dem Abend auch an, mit welch heißer Nadel er gestrickt war und dass den Kompositionen der letzte Feinschliff fehlte. Deshalb loteten die All Stars nur punktuell ihr Potenzial aus – was aber nur deutlich macht, welche künstlerische Kraft in diesem Ensemble steckt. Denn ein mitreißender Abend war es allemal.

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