Berlin  Diese AfD-Politiker wollen Parteichef werden

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 07.06.2022 19:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kein Raum für AfD-Parteitag in Berlin Foto: DPA
Kein Raum für AfD-Parteitag in Berlin Foto: DPA
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Die beiden AfD-Politiker Nicolaus Fest und Norbert Kleinwächter wollen AfD-Parteichefs werden. Der Machtkampf um den Vorsitz nimmt an Fahrt auf.

Nicolaus Fest will Parteichef der AfD werden. Das gab Fest am vergangenen Montag per Internetvideo bekannt. Beim Bundesparteitag im sächsischen Riesa soll in anderthalb Wochen neben neuen Parteichefs auch ein neuer Vorstand gewählt werden. Innerhalb der Partei gibt es bereits Streit um die Posten in dem Gremium.

„Wir sind uns alle einig, dass unsere Partei in keinem guten Zustand ist“, sagte der ehemalige Chef des Notvorstandes der Berliner AfD und Nachfolger von Jörg Meuthen als Fraktionschef im Europaparlament. Die Partei habe mit herben Wahlniederlagen zu kämpfen. Dabei müsse seiner Meinung nach die aktuelle politische Situation mit Inflation, Corona-Politik und anderen Krisen der AfD die Wähler „in die Arme treiben“. Er wolle die Partei wieder auf ein gemeinsames Ziel vereinen und Streitigkeiten zwischen den Parteiflügeln beilegen. Daher wolle er alle Parteiflügel in seinem Vorstand repräsentieren, auch um die Parteibasis besser zu mobilisieren.

Fest war früher Kulturchef bei der „Bild“ und stellvertretender Chefredakteur der „Bild am Sonntag“. Sein Vater Joachim Fest hat eine berühmte Hitlerbiographie geschrieben. In der Vergangenheit hat er vor allem Aufsehen erregt, in dem er sich über den Tod des EU-Parlamentspräsidenten Sassoli gefreut hatte und Gastarbeiter als Gesindel bezeichnet hatte. In seiner Zeit als Chef der Berliner AfD hatte Fest gefordert, auch den offiziell aufgelösten Flügel um Björn Höcke und Andreas Kalbitz besser in die Partei zu integrieren.

Auch der bisherige Amtsinhaber Tino Chrupalla will auf dem kommenden Parteitag wieder antreten. Laut „TAZ“ wird parteiintern darüber spekuliert, ob er das im Team mit der bisherigen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion und baden-württembergischen Landessprecherin Alice Weidel tut. Die beiden waren schon bei der jüngsten Bundestagswahl als Spitzenduo angetreten, aber stehen wegen des schlechten Wahlergebnisses in der Kritik. Nach den enttäuschenden Ergebnissen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen war der Ton auch gegenüber den beiden schärfer geworden.

Zudem werde in der Partei über eine Kandidatur des als rechtsextrem geltenden Thüringer Landessprecher und Fraktionschefs Björn Höcke gemunkelt. Dieser soll in der Partei eine Menge Unterstützung haben und sich Chancen auf ein Bundesamt ausrechnen. Laut TAZ werde spekuliert, ob er nicht wenigstens für den Parteivorstand kandidieren wolle. Höcke hatte im Vorfeld des Parteitags die Abschaffung der bisherigen Doppelspitze der Partei beantragt. Daher ist auch unklar, wie viele Sprecherposten es überhaupt gibt. Zudem will der Landesverband Brandenburg auch das Auftrittsverbot des wegen rechtsradikaler Umtriebe aus der Partei ausgeschlossenen Andreas Kalbitz kippen.

Auch das weniger radikale Lager, das bis zu seinem Rückzug aus der Politik von Jörg Meuthen angeführt wurde stellt einen Kandidaten als Bundessprecher auf: Meuthens ehemaliger Generalsekretär Joachim Wundrak hat den AfD-Außenpolitiker Norbert Kleinwächter ins Spiel gebracht. Dem geborenen Augsburger fehlt es aber laut „TAZ“ schon im eigenen Landesverband Brandenburg an Unterstützung.

Auch der nordrhein-westfälische Landeschef Rüdiger Lucassen soll kandidieren wollen, wenn die Doppelspitze abgeschafft wird. Gleiches wird dem bayerischen AfD-Politiker Peter Boehringer nachgesagt, der im Bundestag Haushaltspolitik macht. Laut Einschätzung der „TAZ“ dürften ihre Chancen aber dünn sein.

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