Steigende Milchpreise Noch profitieren Landwirte in Ostfriesland davon – aber wie lange?
Der Weltmarkt treibt die Preise für Molkereiprodukte hoch. Gleichzeitig ist „Bio“ kaum noch gefragt. Die Bauern in der Region sind trotz höherer Einnahmen in Sorge.
Aurich – Ob im Supermarkt oder auf der Strom- und Gasabrechnung – dass die Kosten für Verbraucher gestiegen sind, fällt in nahe zu allen Bereichen auf. Vor allem Milchprodukte sind nun teuerer als noch vor einigen Wochen. Und davon profitieren die Landwirte. Doch sie haben mit neuen Sorgen zu kämpfen.
Der allgemeine Grund für die Preissteigerung: Die Nachfrage an Milchprodukten steigt und das Angebot geht zurück. Im ersten Quartal dieses Jahres sei in Norddeutschland im Vergleich zum Vorjahr zwei Prozent weniger Milch produziert worden, sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten. Er ist Leiter der Fachbereiche Betriebswirtschaft, Markt, Unternehmensberatung, Familie und Betrieb, sozioökonomische Beratung bei der Landwirtschaftkammer Niedersachsen (LWK). Während in Deutschland weniger Milch produziert wurde, stieg die Nachfrage auf dem Weltmarkt enorm an. So wurden zum Beispiel Länder, wie die USA, die eigentlich selbst als Exporteur gelten zum Kunden. Im Zuge des Babymilchskandals sei massenweise Milchpulver aus Deutschland in die USA geflossen. „Das ist schon sehr putzig“, sagt Hortmann-Scholten.
Kaum noch Nachfrage nach Bioprodukten
Diese erhöhte Nachfrage führt nicht nur dazu, dass sich die Preise für die Verbraucher erhöhen. Beim Milcherzeuger kommt mehr Geld an. Mittlerweile zahlen die Molkereien in der Region laut Angaben der LWK um die 50 Cent für den Liter konventionelle Milch und rund 55 Cent an die Bio-Höfe. Bis vor einigen Monaten kamen durchschnittlich nur rund 30 Cent für konventionelle Milch bei den Bauern an, sagt Hortmann-Scholten. Und damals gab es einen wesentlich bedeutenderen Preisunterschied zwischen Bio- und konventioneller Milch. Bis zu 30 Cent mehr erhielten Bauern, die Biomilch produzierten. Doch nun gibt es weniger Abnehmer der Bioprodukte. „Die Leute legen ein Angstsparen an den Tag“, sagt sagt Hortmann-Scholten. Die Umsätze der Bioverbände seien bundesweit um 18 bis 20 Prozent zurückgegangen.
Die Preissteigerung habe im vergangenen halben Jahr etappenweise stattgefunden, sagt Hortmann-Scholten. Der 24. Februar, der Tag an dem Russland den Angriffskrieg auf die Ukraine begann, habe das jedoch beschleunigt. Der Krieg in der Ukraine ist gleichzeitig auch ein Grund für steigende Kosten der Milcherzeuger. Denn einige Futtermittel wie Soja und Rapsschrot werden von dort nach Deutschland importiert. Seitdem die Häfen, zum Beispiel in Mariupol, blockiert sind, kommt in Deutschland nicht mehr viel an. Denn auf den Landweg umzusteigen, ist nicht einfach. In der Ukraine gibt es anderes Schienennetz als in Deutschland. Um die Ware mit Güterzügen hierher zubekommen, müsste man an der Grenze alles umladen.
Futtermittelpreise schnellen in die Höhe
Das zusätzliche Geld können die Milcherzeuger gut gebrauchen. Denn nicht nur die Futtermittelpreise schnellen in die Höhe. „Wir gehen davon aus, dass sich die Stromkosten in der Milchviehindustrie verdoppeln werden“, sagt Hortmann-Scholten. Und auch bei den angestiegenen Futterkosten ist kein Ende in Sicht. Nun komme es noch mehr auf die eigene Ernte der Landwirte an. Doch auch da gibt es, unabhängig von dem Krieg in der Ukraine, immer größer werdende Probleme. „Es gibt einen großen Flächenwettkampf zwischen Umweltschützern und Landwirten“, sagt Hortmann-Scholten. Immer mehr Flächen seien geschützt und dürften nicht bewirtschaftet werden. Zudem sei auch am Pachtmarkt keine Entspannung in Sicht.
Für die Milcherzeuger wird es laut LWK noch einige Zeit so weitergehen. Damit sie gut durch die Krise kommen, müsse der Preis pro Liter bei konventioneller Milch zwischen 52 und 57 Cent liegen, so Hortmann-Scholten. Doch er ist guter Hoffnung. Man gehe davon aus, dass die Preise noch für mindestens sechs bis acht Monate so bleiben, wenn nicht sogar ansteigen, sagt Hortmann-Scholten. „Es gibt nie einen zufriedenen Bauern. Aber die Zuversicht ist zurückgekehrt.“