Sylt Dosenbier und Meerbad: So feiern Niklas, Paul und Tatze auf Sylt
Den Start des Billigtickets nutzten am Mittwoch die ersten Urlauber für einen Trip nach Sylt. Unter ihnen auch rund 30 Linksalternative. Wir haben uns mit ihnen über Punks, Respekt und die „oberen Zehntausend“ unterhalten.
Strahlenden Sonnenschein und milde Temperaturen nutzten am Mittwoch Urlauber für einen Ausflug mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt. Während einige nur mit dem Ziel auf die Insel kamen, um hier einen entspannten Tag zu verbringen, kamen andere mit einer politischen Absicht.
„In der alternativen Subkultur wird man schnell mit Vorurteilen konfrontiert: Wir wollen hier auf Konfrontationskurs gehen und zeigen: guckt mal, so schlimm ist es gar nicht“, sagt Paul aus Bielefeld. Gemeinsam mit elf Freunden ist der 24-Jährige am frühen Morgen von Nordrhein-Westfalen gestartet und am Nachmittag auf der Insel angekommen.
Mit Bier, Musik und dem Partyspiel Bier-Pong feierten sie am Mittwoch friedlich am Strand. Einige wagten auch einen Sprung in die noch frische Nordsee. Ziel der Gruppe sei es, Präsenz zu zeigen und nicht in eine Ecke gedrängt zu werden und - unabhängig von sexueller Orientierung, Vorlieben und Aussehen:
Schaden wollen sie dabei demnach niemandem und auch politische Aktionen seien auf Sylt nicht geplant. „Stress machen wollen wir nicht: Wir wollen Respekt und so genommen werden, wie wir sind“, sagt der 24-Jährige.
Anlass für die Reise sei unter anderem die bundesweite Medien-Berichterstattung über das Billigticket und die „Angst auf Sylt vor dem Pöbel“, sagt Paul. „Innerhalb unserer Bubble kamen die Äußerungen der Sylter sehr elitär rüber.“ Daraufhin hatte es sie gereizt, Vorurteile abzubauen und zu zeigen, dass es auch alternative Subkulturen gibt.
Unterwegs hatten die Freunde im Zug Gleichgesinnte getroffen, unter anderem aus Berlin, Leipzig und Kiel.
Die Reaktionen auf die für Sylt eher ungewöhnliche Truppe, die mit Musik und Dosenbier am Strand feierte, seien gemischt, berichtet Patrick (20). Während einige ihnen auf dem Weg vom Bahnhof zum Strand sowie im Zug zugeprostet hatten und nette Reisetipps gaben, zeigten sich andere eher irritiert. Die symbolische Nachricht ihrer Reise sei zu sagen, „dass ist nicht eure Insel, auch wenn wir nicht das Geld haben, um hier zu übernachten“.
Für Leo (27), Politikwissenschafts-Student aus Berlin, steht die symbolische Freiheit des Reisens mit dem Billigticket im Vordergrund. Anlass dazu sei für ihn ein Artikel aus der Bild-Zeitung zur „Angst der Sylter vor den 9-Euro-Touristen gewesen“.
Nach einer Nacht auf der Insel wollen fast alle wieder abreisen. Dabei sei es ihnen wichtig, weder Kippen noch Müll am Strand zu hinterlassen, um zum Beispiel für andere Punks, die in den kommenden Wochen nach Sylt reisen, ein positives Bild zu hinterlassen.
Der von vielen erwartete Ansturm der 9-Euro-Touristen war am Mittwoch zunächst ausgeblieben. Die Züge waren am Morgen zunächst nur halbvoll von Hamburg auf die Insel gerollt - unter ihnen viele Berufspendler. Einsätze oder ein Chaos, die in Zusammenhang mit 9-Euro-Urlaubern stehen, habe es bis zum frühen Abend nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Sylter Polizei auf Nachfrage. Wie auch die Verantwortlichen der Bahn, von Nah.SH und der Bundespolizei, rechnet er damit, dass es erst am Pfingst-Wochenende turbulenter wird auf Sylt