Schwerin Pro & Kontra: Sollte Prostitution in Deutschland verboten werden?
In vielen EU-Ländern gilt bereits ein Sexkauf-Verbot – nicht so in Deutschland. Aber ist das richtig so? Zwei Redakteure diskutieren.
Am 2. Juni 1975 begann im französischen Lyon der berühmte „Hurenstreik“. Wochenlang besetzten über 100 Sexarbeitende die Kirche Saint-Nizier, um gegen zunehmende Repressionen zu kämpfen. Das Datum gilt seitdem als Internationaler Hurentag und Ausgangspunkt der Selbstorganisation von Sexarbeitenden.
Heute gilt in Frankreich und sieben weiteren Ländern, unter anderem Schweden, Norwegen, Kanada und Israel, das sogenannte Nordische Modell: Prostituierte bleiben straffrei, allerdings gibt es ein „Sexkaufverbot“, das Freier und Zuhälter kriminalisiert. In Spanien wird – nachdem dort das Sexualstrafrecht jüngst bereits deutlich verschärft wurde – gerade ein entsprechendes Gesetz vorbereitet.
In Deutschland bleibt die einvernehmliche Prostitution indessen weiterhin für alle Beteiligten legal. Aber ist das richtig so, oder sollte auch in Deutschland das Nordische Modell oder gar ein vollständiges Verbot eingeführt werden? Redakteurin Katharina Golze findet: Prostitution braucht Sicherheit durch einen rechtlichen Rahmen, denn sie findet legal wie illegal statt. Volontär Alexander Kruggel meint: Prostitution ist gleichbedeutend mit sexuellem Missbrauch, der nur durch ein hartes Verbot verhindert werden kann.