Widerstand gegen neuen Sportplatz  Massive Bedenken der Naturschützer

| | 30.05.2022 21:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Dämmerung sind am Tjücher Moortun in Marienhafe Fledermäuse aktiv. Sie könnten durch die nördlich des Baggersees (im Hintergrund rechts) geplante Sportanlage beeinträchtigt werden, befürchten Naturschützer. Foto: Sarah Dirks
In der Dämmerung sind am Tjücher Moortun in Marienhafe Fledermäuse aktiv. Sie könnten durch die nördlich des Baggersees (im Hintergrund rechts) geplante Sportanlage beeinträchtigt werden, befürchten Naturschützer. Foto: Sarah Dirks
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Nabu und BUND lehnen das geplante Sportzentrum in Marienhafe ab. Welche Befürchtungen sie haben und was sie fordern.

Marienhafe - Erhebliche Bedenken gegen die geplante zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe haben die Naturschutzverbände Naturschutzbund (Nabu) und BUND geäußert. In ihren Stellungnahmen zu den derzeit laufenden Planverfahren lehnen beide das Bauvorhaben ab. Zugleich kritisieren sie die bisher ausgelegten Unterlagen als lückenhaft.

Auf der Fläche nördlich des Kiessees am Tjücher Moortun in Marienhafe (im Bild parallel rechts zu den Wasserflächen) soll das neue Sportgelände entstehen. Foto: Thomas Dirks
Auf der Fläche nördlich des Kiessees am Tjücher Moortun in Marienhafe (im Bild parallel rechts zu den Wasserflächen) soll das neue Sportgelände entstehen. Foto: Thomas Dirks

Eine umfassende Stellungnahme sei derzeit nicht möglich, da „elementare Planungsunterlagen“ nicht vorlägen, heißt es in den Ausführungen des Nabu. So fehle neben aktuellen Gutachten vor allem der Umweltbericht. Das beklagt auch der BUND. „Der grundlegende Umweltbericht liegt bislang nicht vor“, schreibt Vorsitzender Rolf Runge. Beide Verbände halten eine Umweltprüfung für unbedingt notwendig, da es offenbar durch den Bau der Sportanlagen zu einer „erheblichen Beeinträchtigung des Naturhaushalts“ komme.

5,5 Millionen Euro geschätzte Baukosten

Wie mehrfach berichtet, soll nördlich des Baggersees bis Ende 2025 eine sieben Hektar große Sportstätte entstehen, die aus zwei Naturrasenfußballfeldern, einem Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlagen besteht. Die Gesamtkosten beziffert die Verwaltung auf 5,5 Millionen Euro. Das zuständige Bundesministerium fördert das Projekt mit rund 2,5 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Samtgemeinde von rund drei Millionen Euro soll unter anderem mit dem Verkauf des alten Sportzentrums in Upgant-Schott als Bauland gegenfinanziert werden.

Nach Landwirten, die eine nördlich an das geplante Areal angrenzende Fläche am Tjücher Moortun bewirtschaften (wir berichteten), haben nun auch Naturschützer erhebliche Bedenken angemeldet. Nabu und BUND sorgen sich dabei vor allem um seltene und stark gefährdete Fledermausarten, die am Tjücher Moortun heimisch sind und durch die Sportanlage, insbesondere deren Flutlicht Schaden nehmen könnten. Nach bislang vorliegenden Erkenntnissen werde es zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Fledermäuse kommen, formuliert BUND-Chef Runge. „Massive Beeinträchtigungen“ befürchten auch die Nabu-Vertreter.

Lichtschutz für Fledermäuse gefordert

Laut einem bisher genutzten Gutachten nutzen bis zu acht Fledermausarten den ehemaligen Baggersee und die angrenzenden Wiesen und Weiden intensiv als Jagd- und Balzquartier sowie als Flugstraße (wir berichteten). Durch die geplante Flutlichtanlage könnten vor allem lichtsensible Arten Schaden nehmen. Daher fordert der Nabu für den Fall, dass an der Planung festgehalten werde, einen Licht- und Lärmschutz an der Südseite der gesamten Fläche in ausreichender Höhe, um das Sportzentrum und den See von jeglichen Lichtemissionen abzugrenzen, heißt es in der Stellungnahme.

Darin kritisiert der Nabu auch, dass die Eingriffe in den Naturhaushalt in den bisherigen Beratungen und bei der Entscheidung über den Standort „kaum bis gar nicht“ berücksichtigt wurden. Dies auch wohl deshalb, weil die seit 2016 vorliegende Fachstellungnahme Fledermäuse von der Verwaltung erst jetzt herausgegeben worden sei.

Auch Wasservögel wie Gänse und Enten sind am Kiessee am Tjücher Moortun in Marienhafe heimisch. Foto: privat
Auch Wasservögel wie Gänse und Enten sind am Kiessee am Tjücher Moortun in Marienhafe heimisch. Foto: privat

Abgesehen davon lehne der Nabu grundsätzlich eine weitere Flächenversiegelung im Außenbereich ab. Es sei daher zu prüfen, ob ein Sportzentrum von der geplanten Größe an anderer Stelle im Brookmerland ohne erhebliche Beeinträchtigungen des Naturhaushalts neu gebaut oder wiederhergestellt werden könne.

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