Berlin  Westliche Sanktionen: Russische Oligarchen verstecken ihre Jachten

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 30.05.2022 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Imposante Jachten im Hafen: Einige russische Oligarchen versuchen derzeit, ihre Superjachten vor westlichen Sanktionen zu schützen. Foto: imago images/HochZwei
Imposante Jachten im Hafen: Einige russische Oligarchen versuchen derzeit, ihre Superjachten vor westlichen Sanktionen zu schützen. Foto: imago images/HochZwei
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Wegen der westlichen Sanktionen versuchen die russischen Oligarchen, ihre Jachten zu verstecken. Dabei haben sie es vor allem auf ein Land im indischen Ozean abgesehen.

Sie sind die wohlhabendsten Menschen ihres Landes und haben einen enormen Einfluss: die russischen Oligarchen. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine versuchen die westlichen Länder, über die Sanktionierung von Oligarchen Russland zu schwächen. In der EU sind so bisher etwa zehn Milliarden Euro an Oligarchenvermögen eingefroren worden.

Außerdem haben es die Sanktionen auf die Vermögensgegenstände der Oligarchen abgesehen. Dabei sorgten besonders die Mega-Jachten der Superreichen in der letzten Zeit für Schlagzeilen. So wurde Mitte April mit dem Schiff „Dilbar“ die teuerste Jacht der Welt in Hamburg beschlagnahmt. Eigentümer der Luxusjacht soll die Schwester des russischen Oligarchen Alisher Usmanov sein.

Damit ihrem Schiff nicht das gleiche Schicksal droht, lassen immer mehr Besitzer ihre Schiffe von der Bildfläche verschwinden. Auf den weltweiten Tracking-Systemen werden zahlreiche russische Superjachten nicht mehr angezeigt. Eine Recherche der britischen Zeitung „Observer“ zeigt, dass bisher mindestens sechs Luxusjachten, deren Besitzer von Großbritannien sanktioniert sind, seit Wochen vom Radar verschwunden sind.

Laut dem Bericht genügt ein einfacher Kniff, damit die Jachten nicht mehr geortet werden können: An Bord muss das „Automatic Identification System“ (AIS) ausgeschaltet werden. Über das AIS können alle Schiffe über 300 Bruttoregistertonnen weltweit erfasst werden. Die Eigentümer sind normalerweise dazu verpflichtet, das System während der Fahrt auf See und an Ankerplätzen anzuschalten.

Drei der sechs Jachten sind letztmalig auf den Malediven gesichtet worden. Das asiatische Land hat kein Auslieferungsabkommen mit den USA.

Clio: Nach dem Kriegsbeginn segelte die 72 Meter lange Megajacht des Industrie-Giganten Oleg Deripaska vom Indischen Ozean in Richtung Türkei. Am 18. April wurde die Clio letztmalig im Schwarzen Meer, unweit der russischen Häfen Sotschi und Noworossijsk, gesichtet.

My Sky: Die zuletzt übermittelte Position der „My Sky“ von Zigarettenunternehmer Igor Kesaev war am 30. März auf den Malediven.

A: Die 240 Millionen Pfund teure Jacht wurde zuletzt am 10. März auf den Malediven geortet. Eigentümer Andrey Melnichenko hat darüber hinaus wahrscheinlich schon eines seiner Schiffe verloren: Die 143 Meter lange Segelyacht A wurde im März in Italien beschlagnahmt.

Alfa Nero: Die Jacht, die dem russischen Unternehmer Andrey Guryev gehören soll, wurde zuletzt am 3. März in der Karibik geortet.

Galactica Super Nova: Dieses 70 Meter lange Schiff gehört Vagit Alekperov, dem ehemaligen Präsidenten des russischen Ölkonzerns Lukoil. Das Schiff lag noch am 2. März vor der kroatischen Küste, danach verliert sich die Spur.

Ocean Victory: Die 140 Meter lange Superjacht des Oligarchen Viktor Rashnikov wurde zuletzt am 1. März auf den Malediven gesichtet.

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