Gastronomie auf Langeoog Kinder sind in der „Bunten Kuh“ nicht länger willkommen
Ein Hotelrestaurant auf Langeoog öffnet seine Türen nur noch für alle ab zwölf Jahren. Nun wird der Gastronom beschimpft. Doch vom Verband bekommt er Rückendeckung.
Aurich/Langeoog - Ein Gastronom von Langeoog muss gerade wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Gerald Hausmann und seine Frau haben nach 35 Jahren in der Gastronomie eine weitreichende Änderung beschlossen. In ihrem Steak- und Hotelrestaurant „Bunte Kuh“ sind keine Kinder mehr willkommen.
Der Grund dafür sind die engen Räume. „Wir alle lieben Kinder. Zusammen mit meinen Mitarbeitern haben wir 35 eigene im Betrieb“, sagt Hausmann. Doch Beschwerden der Gäste und ein Unfall haben ihn dazu bewogen, sein Konzept zu ändern. „Als kochend heißer Tee auf einem Kleinkind im Kinderwagen gelandet ist, war Schluss für mich“, sagt der Gastronom.
Enge Platzverhältnisse
Sein Restaurant dient gleichzeitig als Frühstücksraum für das Hotel Mare. Er ist recht klein, die Servicekräfte und Gäste mussten sich zwischen den zehn Tischen, Stühlen und Kinderwagen hindurch schlängeln. Als er die Gäste aufgefordert habe, die Gefährte für die Kinder draußen stehen zu lassen, habe es Ärger gegeben. Anbauen oder einen mobilen Unterstellplatz auf seinem Gelände schaffen, dürfe er nicht.
Da die Gesundheit der Gäste, aber auch seiner Mitarbeiter vorginge, habe er sich zu diesem Schritt entschieden. Seit dieser Saison ist sowohl sein Restaurant als auch das Hotel mit Suiten und Appartements nur noch für Gäste ab zwölf Jahren zu buchen. In seinen anderen fünf eigenen Betrieben seien Kinder und Familien jedoch weiterhin willkommen. Dort gebe es mehr Platz, eine Spielecke und spezielle Essensangebote für die Kleinsten.
Wüste Beschimpfungen von Fremden
Gerald Hausmann ist sehr verwundert über den „Shitstorm“, der in den sozialen Medien auf ihn einprasselt. Dort würden sich gerade viele Fremde aus dem Leeraner Raum über die Diskriminierung beschweren. Von seinen Gästen hingegen ernte er Verständnis bis Begeisterung. „Viele freuen sich, hier entspannt essen gehen zu können“, so der Inhaber. Und auch seine Hoteldirektorin, die gerade selbst Mutter geworden sei, habe die Entscheidung begrüßt.
„Unsere Branche hat eigentlich genug gelitten. Aber der Schritt war für mein kleines Restaurant unumgänglich“, so Hausmann. Deshalb bleibe es bei ihm bei „adults only“, wie reine Erwachsenenrestaurants auch genannt werden. Dass unter der Entscheidung die Familieninsel Langeoog leide, könne er nicht nachvollziehen. Es gebe ein vielfältiges Hotel- und Gastroangebot. „Da ist für jeden das Passende dabei“, ist Hausmann überzeugt.
Dehoga-Vorsitzende geht ähnlichen Weg
Und auch die Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Ostfriesland (Dehoga), Birgit Kolb-Binder, kann keinen Trend zur Diskriminierung erkennen. Sie höre immer wieder, wie schwierig es sei, dass Kinder bei einigen Eltern einfach alles dürfen. „Das ist sehr störend für die Gäste“, sagt die Gastronomin. Leider gebe es einen Trend dazu, die Kinder nicht ordentlich in Schach zu halten.
Erst vor Kurzem musste sie in ihrem Hotel Kolb auf Langeoog eine ähnliche Entscheidung treffen. Dort dürfen ab 18 Uhr keine Kinder mehr in den Sauna- und Wellnessbereich. „Sie haben den Ruhebereich zu einem Spielplatz verwandelt. Das geht nicht“, sagt die Inhaberin. Die Dehoga-Vorsitzende empfindet es sogar als bereichernd, dass es immer spezifischere Angebote für die Gäste gebe. So könne jeder das für ihn Passende buchen.
Angebote für spezielle Zielgruppen im Trend
Ähnlich sieht das Mareike Zägel. Die Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Aurich betont die unternehmerische Freiheit. Denn sinnvoll sei, sich auf eine spezielle Zielgruppe einzustellen. Dann könnten die Angebote entsprechend an sie angepasst werden.
In der internationalen Reisebranche seien „adults only“-Angebote längst etabliert. „In Deutschland und Ostfriesland kommt das jetzt recht spät“, findet die Hotelinhaberin. Es liege im Trend sich klarer zu positionieren. Dabei gehe es nicht um den Ausschluss einer Gruppe. „Der Gast bestimmt, wo er hingeht“, regele die Nachfrage das Angebot.
Viele würden gerade beim Restaurantbesuch oder im Urlaub ein Ruhebedürfnis verspüren. Auch dem müsse Rechnung getragen werden. „Deshalb sind diejenigen, die sich auf Ältere spezialisieren, noch lange keine Kinderhasser“, so Zägel.