Köln „David gegen Goliath“: Wolfsburgerinnen holen den DFB-Pokal
Im Westen nichts Neues: Die Spielerinnen des VfL Wolfsburg gewinnen den DFB-Pokal und die Kölnerinnen und Kölner feiern sich selber. Die Rückkehr ins Rhein-Energie-Stadion nach zweijähriger Corona-Pause machte das diesjährige Finale aber zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Finale ohne Überraschung: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben zum neunten Mal den DFB-Pokal gewonnen und sind mit Rekord-Pokalsieger Eintracht Frankfurt gleichgezogen. Beim 4:0-Sieg gegen Turbine Potsdam sorgten aber vor allem die Fans für ein Fußballfest.
Endlich wieder Fans, endlich wieder Stimmung: Beim DFB-Pokalfinale der Frauen am Samstag im Kölner Rhein-Energie-Stadion war die Freude über die Rückkehr der Zuschauer deutlich zu spüren. Zwei lange Jahre hatte das Finale coronabedingt ohne Fans stattfinden müssen, in diesem Jahr sorgten 17.531 Zuschauer im Stadion für ein lautstarkes Saisonhighlight.
„Für mich ist die Situation ja neu, ich bin das erste Mal in Köln dabei. Aber viele Spielerinnen haben erzählt, wie besonders diese Tage sind, vom ganzen Drumherum und einfach dem Genießen des Finals. Das ist etwas, was Köln besonders macht”, sagte Wolfsburgs Trainer Tommy Stroot, der den Abend mit seiner Truppe noch gebührend ausklingen lassen wollte.
Das Fest für die Besucher startete bereits Stunden vor dem Anpfiff mit einer Bühnenshow, diversen Imbissbuden, Ausstellern und ganz viel Kölner Lokalpatriotismus - kölsche Musik, kölscher Dialekt und kölsches Bier. Ein buntes Familienfest vor dem Stadion, an dem nicht nur hartgesottene Fans der beiden Finalisten, sondern auch Freunde des Fußballs und des Sports im Allgemeinen ihren Spaß hatten. Auch verschiedene Mädchenfußballvereine hatten sich auf den Weg gemacht und sind im Vorprogramm unter dem Jubel der Besucher gegeneinander angetreten.
Im Finale waren es zu Spielbeginn dann vor allem die Fans des Außenseiters, die ihre Turbinen mit Trommeln und lauten Sprechchören unterstützten. Auch die Aufregung wird größer gewesen sein, denn es war das erste Mal nach sieben Jahren, dass Potsdam wieder im DFB-Pokalfinale stand. Für die Fans der Wölfinnen gehört das DFB-Finale fast zum Standardprogramm: Ihre Mannschaft holte zum achten Mal in Folge den Pokal.
„So eine Konstanz an den Tag zu legen, in einem Wettbewerb, bei dem es in jedem Spiel um alles oder nichts geht, ist herausragend”, sagte Wolfsburgs Torhüterin Almuth Schult nach dem Spiel. Auch Potsdams Trainer Sofian Chahed gestand: „Wolfsburg hat es einfach besser gemacht. Da hat die Erfahrung gesiegt.” Natürlich habe er sich ein anderes Ergebnis gewünscht, oder „zumindest, dass wir noch ein Tor machen.” Letztendlich habe dafür aber die Zielstrebigkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gefehlt. „Wir haben uns als David gegen Goliath trotzdem so gut gewehrt, wie es möglich war.”
Trotz der frühen Führung der Wolfsburgerinnen in der 11. Minute durch Ewa Pajor blieb das Spiel zunächst offen. Sowohl Potsdam als auch Wolfsburg spielten ihre Angriffe nicht konzentriert genug zu Ende, wobei sich bei Potsdam auch das Fehlen von Toptorschützin Selina Cerci schmerzlich bemerkbar machte. Die 21-jährige Stürmerin fehlte aufgrund eines Kreuzbandrisses.
In der 33. Minute erhöhte Pajor dann auf 2:0, ehe Jill Roord nach einem Fehler von Potsdams Anna Gerhardt kurz vor der Halbzeit mit dem 3:0 für die Vorentscheidung sorgte. Die Potsdamerinnen starteten dann zwar sichtlich schwungvoller in die zweite Halbzeit, konnten Almuth Schult bei ihrem letzten Spiel für den VfL vor ihrem Wechsel in die USA aber dennoch nicht überwinden. Dominique Janssen (69.) traf schließlich zum 4:0-Endstand.
„Es war einfach sehr schön, mit dieser Mannschaft das Double zu holen. Unbeschreiblich”, strahlte Schult. Den Pokal überreichte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, bei der Siegesfeier hüpften die Wolfsburgerinnen ausgelassen durcheinander. Für die Partystimmung sorgte - wie könnte es anders sein - natürlich original kölsche Musik.