Bahnfahren wird günstiger  Neun-Euro-Ticket für Klassenfahrten keine Option

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 23.05.2022 18:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Schaukästen am Auricher Zob wird für das Neun-Euro-Ticket geworben. Foto: Neelke Harms
In Schaukästen am Auricher Zob wird für das Neun-Euro-Ticket geworben. Foto: Neelke Harms
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Für Schulklassen aus Aurich sind die öffentlichen Verkehrsmittel für viele Fahrten nahezu unbrauchbar. Das aktuelle Angebot verschärft das Problem.

Aurich - Mehr als zwei Jahre mussten Klassenfahrten wegen Corona ausfallen. Nun häufen sich die Anträge bei Auricher Schulleitern wieder. Zeitgleich sinken im Regionalverkehr für drei Monate die Preise. Doch wer nun darauf hofft, deshalb bei der nächsten Klassenfahrt des Kindes sparen zu können, wird wahrscheinlich enttäuscht. Denn laut Schulleitern aus Aurich sind die öffentlichen Verkehrsmittel für Klassenausflüge häufig keine Alternative. Und das Angebot verschärft das Problem.

Kathrin Peters, Leiterin der Realschule Aurich, hält nicht viel davon, Klassenfahrten mit der Bahn anzutreten. Zu groß sei allein der Aufwand, die Schüler zum Bahnhof zu bringen, sagt sie den ON. Das bliebe häufig an den Eltern hängen. Sie hält es für wesentlich praktischer, ein Busunternehmen zu engagieren, was die Klassen direkt zum Ziel bringt. Als Beispiel nennt sie eine geplante Fahrt nach Osnabrück. Da dort auch Ausflüge ins Umland und in den Zoo geplant seien, sei es gut, wenn der Bus auch vor Ort zur Verfügung stehe. Für eine solche Fahrt würden sich die Transportkosten auf rund 25 Euro pro Kind belaufen.

Überfüllte Züge werden zum Problem

Mit dem Neun-Euro-Ticket könne zwar einiges gespart werden, eine Fahrt mit Regionalzügen ist laut Peters jedoch keine Alternative. „Die Verantwortung möchte ich keiner Lehrkraft zumuten“, sagt die Schulleiterin. Mit 150 Schülern eine Zugfahrt mit mehreren Umstiegen zu organisieren, sei zu kompliziert. Außerdem sei es organisatorisch kaum noch umsetzbar, die Reisepläne der kommenden drei Monate aufgrund des Angebotes zu ändern. Zu lange seien die Fahrten schon geplant.

Auch an der KGS Großefehn hält man an den Busreisen fest. Da mehrere Klassen häufig zusammen fahren, lohne sich das, sagt Schulleiterin Silvia Fleßner. Ein großes Problem des Neun-Euro-Tickets ist für sie die Gebundenheit an den Regionalverkehr. Denn dort ist keine Reservierung der Sitzplätze möglich. Sie könne es nicht verantworten, dass die Schüler am Ende mehrere Stunden stehen müssten, sagt sie. Für sie verschärft das Angebot dieses Problem. Denn sie rechnet damit, dass die Züge von Juni bis August noch überfüllter als ohnehin schon sein werden. Für kürzere Fahrten und Tagesausflüge könne sie sich jedoch vorstellen, darauf zurückzukommen, um den Schülern eine günstige Fahrt zu ermöglichen. Denn: „Die Ausflüge haben in der langen Corona-Zeit wirklich gefehlt“, sagt Silvia Fleßner.

Für Tagesausflüge ist das Ticket eine Alternative

Am Gymnasium Ulricianum werden vor allem Klassenfahrten an städtische Ziele, wie Berlin oder München, häufig mit der Bahn angetreten. Trotzdem sei das Neun-Euro-Ticket noch gar kein Gesprächsthema gewesen, sagt Schulleiter Rüdiger Musolf. Dafür sei das Angebot noch zu neu. Er könne sich vorstellen, dass es nach Möglichkeit genutzt werde. Vor allem für Tagesfahrten würden seine Kollegen mit den Schülern häufig zum Niedersachsentarif mit der Bahn fahren. Für diese Fälle könne das Neun-Euro-Ticket eine gute Alternative sein, um Geld zu sparen. Für manche Strecken sei die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht geeignet. Wenn es beispielsweise in den Harz gehe, setze die Schule immer auf Busunternehmen, da die Anbindung an die Bahn nicht ausreichend sei.

Die Kosten für die Eltern nach Möglichkeit gering zu halten, sei immer das Ziel. Es müsse nicht immer eine weite Fahrt sein. Im Moment seien zum Beispiel Klassenausflüge in den Auricher Kletterwald geplant, für die gar keine Fahrkosten anfallen, sagt der Schulleiter. Die Hauptsache sei, dass nach der langen Pause überhaupt wieder Fahrten stattfinden könnten.

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